Grupp plädiert für Rentenalter nach Lebenserwartung
Unternehmer Wolfgang Grupp spricht sich dafür aus, das Renteneintrittsalter automatisch an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Im Gespräch mit der dpa sagte der frühere Trigema-Chef, wer im Schnitt länger lebe, müsse folglich auch länger arbeiten.
Nach seiner Vorstellung sollten spätere Jahrgänge, die statistisch mehr Lebensjahre haben, entsprechend später in Rente gehen. Wenn die Menschen älter würden, müsse sich das auch in einer längeren Lebensarbeitszeit widerspiegeln, so der 84-Jährige.
Kritik an der Politik
Grupp bemängelte, dass diese aus seiner Sicht naheliegende Verbindung in der Politik kaum Thema sei. Es könne nicht dauerhaft funktionieren, dass Menschen immer länger Rente beziehen, ohne die Arbeitszeit anzupassen. Er selbst sei auch mit 84 Jahren noch jeden Tag als Berater im Büro tätig.
Zugleich verwies er auf seine Zeit als Unternehmer: In 55 Jahren habe er weder Kurzarbeit eingeführt noch Beschäftigte aus wirtschaftlichen Gründen entlassen. Selbst in schwierigen Phasen wie der Corona-Pandemie habe er an sicheren Arbeitsplätzen und zugesagten Löhnen festgehalten. Herausforderungen habe es immer gegeben – wichtig sei, sie rasch anzugehen.
Auch bei Entscheidungen setzt Grupp nach eigenen Worten auf Tempo. Er entscheide oft intuitiv und justiere notfalls nach. Fehlentscheidungen bereue er nicht. Sein Grundsatz: Am schlimmsten sei es, gar nicht zu entscheiden.
Prägende Figur des deutschen Mittelstands
Wolfgang Grupp senior zählt zu den bekanntesten Kaufleuten Deutschlands. Große Bekanntheit erlangte er auch durch auffällige Fernsehwerbung für Trigema, in der unter anderem ein als Nachrichtensprecher verkleideter Schimpanse T-Shirts und Sweatshirts des Unternehmens anpries.
Trigema produziert Unterwäsche, Freizeitmode und Sportbekleidung und wirbt damit, vollständig in Deutschland zu fertigen. Anfang 2024 zog sich Grupp von der Unternehmensspitze zurück und übergab die Führung an seinen Sohn und seine Tochter, die bereits zuvor im Betrieb mitarbeiteten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion