Wirtschaft

Drei Jahre Deutschlandticket: Kommt jetzt der ÖPNV-Schub?

3 Jahre Deutschlandticket – und ausgerechnet jetzt kommt der Tankrabatt. Warum Umweltverbände jetzt Alarm schlagen.

01.05.2026, 04:15 Uhr

Drei Jahre nach dem Start des Deutschlandtickets wächst der Druck auf Bund und Länder, den öffentlichen Nah- und Regionalverkehr spürbar auszubauen. Kommunen und Branchenverbände fordern mehr Linien, dichtere Takte und zusätzliche Mobilitätsangebote, damit das Ticket nicht nur günstig, sondern auch überall wirklich nutzbar ist.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Christian Schuchardt, mahnte, der angekündigte Modernisierungspakt für den ÖPNV müsse endlich umgesetzt werden. Gemeinsam mit Verkehrsverbünden und kommunalen Unternehmen müsse ein bundesweit attraktives Angebot entstehen.

Auch Umwelt- und Branchenvertreter sehen erheblichen Nachholbedarf. Der Verkehrsexperte Jens Hilgenberg vom BUND fordert mehr Strecken, engere Taktungen, längere Züge und elektrische Busse. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen verlangt ebenfalls, das Angebot auszuweiten und die Taktung zu verbessern, damit das Deutschlandticket flächendeckend seine Wirkung entfalten kann.

Die Allianz pro Schiene verweist darauf, dass das Potenzial des Tickets noch längst nicht ausgeschöpft sei. Geschäftsführer Dirk Flege betonte, dass Menschen in Städten bislang oft stärker profitierten als in ländlichen Regionen, wo Anschlüsse und Verbindungen häufig unzureichend seien. Das Deutschlandticket stehe für einen einfachen und unkomplizierten Zugang zum Nahverkehr. Dazu gehöre aber auch ein passendes Angebot direkt vor Ort.

Deutschlandticket seit dem 1. Mai 2023

Das Deutschlandticket wurde am 1. Mai 2023 eingeführt und kostete zunächst 49 Euro im Monat. Das monatlich kündbare Abo wird inzwischen von rund 14,5 Millionen Menschen genutzt und erlaubt bundesweite Fahrten im Nah- und Regionalverkehr. Vor allem die zuvor komplizierten Tarifstrukturen wurden dadurch deutlich vereinfacht.

Zum Jahresbeginn stieg der Preis auf 63 Euro, nachdem zuvor 58 Euro fällig gewesen waren. Ab 2027 soll sich der Preis an einem Index orientieren, in den Personal-, Energie- und weitere allgemeine Kosten einfließen. Wie teuer das Ticket dann konkret wird, ist noch offen.

Milliarden-Ausgleich für Verkehrsunternehmen

Weil das Deutschlandticket günstiger ist als viele frühere regionale Abonnements, entstehen den Verkehrsunternehmen Einnahmeausfälle. Deshalb stellen Bund und Länder jeweils 1,5 Milliarden Euro pro Jahr bereit. Die Verkehrsminister haben sich darauf verständigt, diese Finanzierung bis 2030 fortzuführen.

Aus Sicht des Deutschen Städtetages müssen die Ausfälle allerdings vollständig ausgeglichen werden. Andernfalls drohe zwar ein bezahlbares Ticket, zugleich fehle aber Geld für Betrieb, Qualität und den weiteren Ausbau von Bus- und Bahnangeboten.

Greenpeace sieht Klimaeffekt – und kritisiert Tankrabatt

Greenpeace bewertet das Deutschlandticket insgesamt als Erfolg. Mobilitätsexpertin Marissa Reiserer erklärte, dass dadurch im vergangenen Jahr mindestens 500 Millionen Liter Kraftstoff eingespart worden seien. Millionen ÖPNV-Abos ersetzten Autofahrten, entlasteten Straßen und Haushaltsbudgets, stärkten den Klimaschutz und verringerten die Abhängigkeit von Ölimporten.

Kritisch sieht Greenpeace dagegen die Pläne der Bundesregierung für einen Tankrabatt. Statt an den Erfolg des 9-Euro-Tickets anzuknüpfen, setze die Regierung erneut auf eine Maßnahme, die vom 1. Mai bis Ende Juni die infolge des Iran-Kriegs gestiegenen Spritpreise dämpfen soll.

Streit über zusätzliches Potenzial

Mitte April hatte das Bundesverkehrsministerium eine Evaluation zum Deutschlandticket veröffentlicht. Verkehrsminister Patrick Schnieder erklärte, die Nachfrage sei besonders in Metropolregionen hoch, das Ticket spiele aber auch in ländlicheren Räumen eine wichtige Rolle.

Laut Gutachten könnten bis zu 5,8 Millionen zusätzliche Deutschlandtickets gewonnen werden. Dieses Potenzial ließe sich demnach vor allem durch die Rückgewinnung früherer Nutzerinnen und Nutzer sowie durch konsequenteres Marketing erschließen.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen hält davon bislang jedoch wenig in den Verkaufszahlen für erkennbar. Nach Einschätzung des Verbands verschlechtert sich das ÖPNV-Angebot vielerorts wegen des immensen wirtschaftlichen Drucks auf die Unternehmen. Deshalb gebe es seit Monaten kaum noch Wachstum beim Deutschlandticket.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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