Drei Jahre nach dem Start des Deutschlandtickets drängen Kommunen und Verkehrsverbände auf einen spürbaren Ausbau von Bus- und Bahnangeboten in Deutschland. Nach Ansicht des Deutschen Städtetages müssen Bund und Länder den angekündigten Modernisierungspakt für den öffentlichen Nahverkehr endlich auf den Weg bringen. Ziel sei ein bundesweit attraktives Angebot mit zusätzlichen Verbindungen, kürzeren Wartezeiten und weiteren Mobilitätsdiensten.
Auch Umwelt- und Branchenvertreter sehen erheblichen Nachholbedarf. Der Verkehrsexperte Jens Hilgenberg vom BUND fordert mehr Strecken, engere Takte, längere Züge und den verstärkten Einsatz von Elektrobussen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen mahnt ebenfalls an, das Angebot auszuweiten und Taktungen zu verbessern, damit das Deutschlandticket überall seinen Nutzen entfalten könne.
Die Allianz pro Schiene betont, dass die Möglichkeiten des Tickets noch längst nicht ausgeschöpft seien. Vor allem in Großstädten profitierten Fahrgäste bislang stärker als auf dem Land, wo Anschlüsse und Verbindungen häufig unzureichend seien. Das Deutschlandticket stehe für einen einfachen Zugang zum Nahverkehr – dazu gehöre aber auch, dass vor Ort überhaupt ein gutes Angebot vorhanden sei.
Deutschlandticket seit drei Jahren im Einsatz
Das Deutschlandticket wurde am 1. Mai 2023 eingeführt und kostete anfangs 49 Euro im Monat. Das monatlich kündbare Abo wird inzwischen von rund 14,5 Millionen Menschen genutzt und erlaubt bundesweite Fahrten im Nah- und Regionalverkehr. Vor allem die zuvor sehr komplizierten Tarifstrukturen wurden dadurch deutlich vereinfacht.
Zum Jahresanfang wurde der Preis auf 63 Euro erhöht, nachdem zuvor 58 Euro fällig gewesen waren. Ab 2027 soll sich der Preis an einem Index orientieren, der unter anderem Personal-, Energie- und weitere allgemeine Kosten berücksichtigt. Wie teuer das Ticket dann konkret wird, ist noch offen.
Milliarden zum Ausgleich für Verkehrsunternehmen
Da das Deutschlandticket günstiger ist als viele frühere Regionalabos, fehlen den Verkehrsunternehmen Einnahmen. Deshalb stellen Bund und Länder jeweils 1,5 Milliarden Euro pro Jahr bereit. Die Verkehrsminister haben sich darauf verständigt, diese Finanzierung bis 2030 fortzuführen.
Aus Sicht des Deutschen Städtetages müssen diese Verluste jedoch vollständig erstattet werden. Andernfalls drohe zwar ein bezahlbares Ticket, gleichzeitig fehle aber Geld für Betrieb, Qualität und den weiteren Ausbau von Bus- und Bahnverbindungen.
Greenpeace: Ticket spart Kraftstoff und stärkt Klimaschutz
Greenpeace bewertet das Deutschlandticket als Erfolg. Mobilitätsexpertin Marissa Reiserer erklärte, durch das Ticket seien im vergangenen Jahr mindestens 500 Milliarden Liter Kraftstoff eingespart worden. Millionen Abonnements ersetzten Autofahrten, entlasteten Straßen und Haushaltsbudgets, stärkten den Klimaschutz und reduzierten die Abhängigkeit von Ölimporten.
Kritik äußerte Greenpeace dagegen an den Plänen der Bundesregierung für einen Tankrabatt. Dieser soll vom 1. Mai bis Ende Juni die infolge des Iran-Kriegs stark gestiegenen Spritpreise abmildern. Aus Sicht der Organisation wäre es sinnvoller, erfolgreiche ÖPNV-Modelle weiter zu stärken.
Streit über das Wachstumspotenzial
Mitte April veröffentlichte das Bundesverkehrsministerium eine Auswertung zum Deutschlandticket. Verkehrsminister Patrick Schnieder erklärte, die Nachfrage sei vor allem in Metropolregionen hoch, zugleich spiele das Ticket aber auch in ländlicheren Gebieten eine wichtige Rolle. Laut Gutachten könnten bis zu 5,8 Millionen zusätzliche Abos gewonnen werden – insbesondere durch die Rückgewinnung früherer Nutzerinnen und Nutzer sowie durch gezielteres Marketing.
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen sieht dieses zusätzliche Potenzial allerdings bislang nicht in den Verkaufszahlen. Nach Einschätzung des Verbands verschlechtert sich das Nahverkehrsangebot vielerorts wegen des starken wirtschaftlichen Drucks auf die Unternehmen. Deshalb sei beim Deutschlandticket seit Monaten kaum noch Wachstum zu erkennen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion