Wer derzeit in Deutschland Tofu kaufen möchte, trifft in vielen Supermärkten weiterhin auf Lücken im Regal. Nach Angaben von Rewe ist die Verfügbarkeit eingeschränkt. Als zentralen Grund nennt der Händler die stark gestiegene und anhaltend hohe Nachfrage.
Hinzu kommen Kapazitätsengpässe bei einzelnen Produzenten. Betroffen sind sowohl Eigenmarken als auch bekannte Markenprodukte. Eine schnelle Besserung erwartet Rewe nicht. Nach Einschätzung des Unternehmens dürfte sich die Lage frühestens Ende 2026 vollständig normalisieren.
Auch andere Handelsketten beobachten ein wachsendes Interesse an Tofu. Kaufland teilte mit, dass einzelne Artikel vorübergehend fehlen können. Aldi Nord erklärte, kurzzeitig vergriffene Produkte würden in der Regel zügig nachgeliefert und die Regale wieder aufgefüllt.
Hersteller Taifun meldet Probleme und pausiert einzelne Produkte
Der Tofu-Hersteller Taifun erklärt auf seiner Website, zuletzt nicht alle Produkte in der nachgefragten Menge geliefert haben zu können. Vorübergehende Produktionsprobleme hätten dazu geführt, dass deutlich weniger Naturtofu hergestellt wurde. Da dieser die Grundlage für das gesamte Sortiment ist, seien die Lagerbestände spürbar gesunken. Im Handel seien manche Produkte daher nur eingeschränkt verfügbar.
Bei einigen Artikeln hat Taifun die Produktion vorerst ausgesetzt, um die Abläufe zu stabilisieren. Diese Produkte sollen nach aktuellem Stand schrittweise ab Anfang 2027 wieder ins Sortiment zurückkehren. Um die Versorgung zu verbessern, baut das Unternehmen in Freiburg in diesem Jahr eine neue Tofu-Anlage und ein Soja-Silo. Tofu wird aus Sojabohnen hergestellt.
Auch der Berliner Hersteller Treiber Tofu berichtet von Engpässen. Das Unternehmen produziert nach eigenen Angaben derzeit an der Kapazitätsgrenze. An fehlendem Soja liege es nicht. Eine Ausweitung der Produktion sei geplant, brauche aber Zeit.
Vor allem in Städten und bei jüngeren Menschen gefragt
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist die Produktion von Fleischersatzprodukten 2025 nach einem langen Boom erstmals leicht zurückgegangen. Beim Tofu sehen Händler aber weiter eine besonders starke Nachfrage. Björn Fromm, Edeka-Händler und Präsident des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels, sagt, Tofu sei vor allem in Städten und bei jüngeren Menschen beliebt. Wenn Hersteller mit dem Kapazitätsausbau nicht schnell genug nachkämen, werde das sofort im Handel sichtbar.
Fromm verweist zudem auf das wachsende Interesse an eiweißreichen Lebensmitteln. Diese passten zum Trend rund um Gesundheit, Fitness und Langlebigkeit. Auch andere proteinreiche Produkte wie Skyr waren zuletzt zeitweise vergriffen. Händler führten das ebenfalls auf die steigende Nachfrage und auf Trends in sozialen Medien zurück.
Rewe: Absatz 2025 rund 30 Prozent über Vorjahr
Bei Rewe hat sich die Nachfrage nach Tofu nach Unternehmensangaben in den vergangenen drei bis vier Jahren verdoppelt. Im Jahr 2025 lag der Absatz demnach rund 30 Prozent über dem Vorjahr.
Der Regensburger Ernährungsforscher Gunther Hirschfelder sieht Tofu inzwischen als fest etabliertes Lebensmittel. Er passe gut zur deutschen Küche, lasse sich vielseitig verwenden und gelte im Vergleich zu anderen Alternativprodukten als günstig. Zudem habe Tofu bei vielen Verbrauchern ein positives Image.
Auch Ivo Rzegotta vom Thinktank The Good Food Institute Europe spricht von einer bemerkenswerten Entwicklung. Getrieben werde das Wachstum vor allem von preiswerten Eigenmarken und zusätzlicher Popularität durch soziale Medien. Gleichzeitig bleibe Tofu trotz des Booms ein vergleichsweise kleines Segment: Der Absatz pflanzlicher Fleischalternativen liegt laut Rzegotta fast viermal so hoch wie der von Tofu.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion