Wirtschaft

Taxifahren: Zahlt man zu viel?

Uber & Bolt schuld? Neue Studie zeigt: Die Taxi-Krise ist auch hausgemacht – und die Branche hat Trends komplett verpasst.

06.08.2026, 04:15 Uhr

Ein Preisvergleich zeigt den Kern des Konflikts zwischen klassischen Taxis und Mietwagenplattformen wie Uber oder Bolt besonders deutlich: Anfang August kostet eine Fahrt vom Frankfurter Hauptbahnhof zum Flughafen über die Taxi-App Free Now als Festpreis 38 Euro. Für dieselbe Strecke wird über Uber zur gleichen Zeit ein Preis von 26 Euro angezeigt. In Berlin fällt der Unterschied noch stärker aus: Dort stehen für die Verbindung vom Hauptbahnhof zum Flughafen 60 Euro im Taxi nur 35 Euro per Mietwagenplattform gegenüber.

Der Grund: Taxitarife sind behördlich festgelegt, während Plattformen ihre Preise flexibel nach Nachfrage und Uhrzeit anpassen können. Vertreter des Taxigewerbes sehen darin seit Langem einen gravierenden Wettbewerbsnachteil und machen diese Konkurrenz mitverantwortlich für die wirtschaftliche Krise der Branche. Doch Forschende verweisen darauf, dass die Ursachen tiefer liegen.

Rückstand bei der Digitalisierung

In einem Diskussionspapier des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) kommen die Verkehrsforscher Andreas Knie, Anke Schmidt und Lara Meyer zu dem Schluss, dass nicht nur der Preiswettbewerb das Taxi belastet. Ihrer Einschätzung nach hat die Branche vor allem die digitale Entwicklung zu lange vernachlässigt. Entscheidend sei, ob Taxis den veränderten Erwartungen der Kundschaft bei Buchung, Kommunikation und Bezahlung gerecht werden.

Viele halten Taxis für teuer

Grundlage der WZB-Analyse sind zwei nicht repräsentative Befragungen im Rhein-Main-Gebiet aus dem Juni mit insgesamt knapp 900 Teilnehmern, darunter Passanten und Taxi-Fahrgäste.

Taxifahrer demonstrieren gegen Mietwagenanbieter wie Uber
Die Taxibranche fordert Mindestpreise für die Mietwagenplattformen. (Archivbild) Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

Die Ergebnisse zeigen, dass der Preis ein zentrales Thema bleibt. Mehr als 39 Prozent der Befragten verbinden mit Taxis vor allem hohe Kosten oder stufen sie direkt als „zu teuer“ ein.

Zugleich gaben rund zwei Drittel jener Personen, die nach eigener Aussage grundsätzlich kein Taxi nutzen, an, sich eine Fahrt mit Uber oder einer ähnlichen Plattform vorstellen zu können. Diese Angebote seien vielen aus dem Ausland bekannt und würden besonders von jüngeren Menschen verwendet. Als wichtigste Vorteile gelten die einfache digitale Bestellung sowie die transparente und bargeldlose Abrechnung.

Die Studie sieht deshalb erheblichen Nachholbedarf beim Taxi. Digitale Buchungsmöglichkeiten seien vielerorts noch nicht ausreichend ausgebaut. Auch Festpreise, die Fahrgästen schon vor der Fahrt Klarheit über die Kosten geben, existieren zwar in einigen Städten, aber längst nicht flächendeckend. Nach Ansicht der Autoren wird die Zukunft des Taxis nicht durch das Festhalten an alten Strukturen gesichert, sondern durch die Positionierung als moderner, verlässlicher und leicht zugänglicher Mobilitätsdienst.

Erste Veränderungen in der Branche

In Teilen des Gewerbes scheint dieses Problem inzwischen erkannt worden zu sein. Free Now, inzwischen Teil der US-Mobilitätsplattform Lyft, vermittelt seit einigen Jahren ausschließlich Taxifahrten und versteht sich in Deutschland als digitaler Partner der Branche.

Das Unternehmen verweist darauf, dass digitale Bestellungen und bargeldlose Zahlungen längst nicht mehr nur in Metropolen gefragt seien. Auch in kleineren Städten sowie in touristisch beliebten Regionen werde dieses Angebot intensiv genutzt.

Forderung nach Mindestpreisen

Trotzdem setzt sich Free Now gemeinsam mit dem Taxigewerbe dafür ein, dass Mietwagenplattformen wie Uber stärker reguliert werden. Aus Sicht der Branche besteht das Problem darin, dass Taxiunternehmen ihre staatlich festgelegten Tarife nicht flexibel anpassen können, während Mietwagenanbieter deutlich darunter bleiben dürfen. Gefordert wird deshalb, dass diese Plattformen Taxipreise nur noch bis zu einem bestimmten Prozentsatz unterschreiten dürfen.

Einige Städte wie München, Köln, Essen oder Dortmund haben solche Mindestpreise bereits eingeführt oder vorbereitet. Die Konkurrenz hält das jedoch für juristisch problematisch. Ihrer Auffassung nach darf der Staat nicht eine Branche zugunsten einer anderen beschränken.

Gerichtliche Rückschläge

Tatsächlich haben Gerichte in Leipzig, Essen und zuletzt auch in Köln entsprechende Mindestpreisregelungen wieder aufgehoben. Dabei ging es allerdings weniger um das Instrument selbst als um dessen konkrete Ausgestaltung.

So stellte das Verwaltungsgericht Köln den Mindestpreis nicht grundsätzlich infrage, kritisierte aber unter anderem, dass der Oberbürgermeister die Regelung ohne ausreichende Einbindung des Stadtrats angeordnet habe.

München als Hoffnungsschimmer?

In München, wo seit Anfang Juli ein Mindestpreis gilt, zieht Free Now aus Sicht der Taxibranche eine positive Zwischenbilanz. Das Unternehmen verweist auf deutlich mehr Neukunden in der App und auf eine leicht gestiegene Nachfrage im Nachtgeschäft, das bislang vor allem von Mietwagenplattformen geprägt sei. Dort habe das Plus bei etwa sechs Prozent gelegen.

Ob daraus bereits auf eine dauerhafte wirtschaftliche Erholung des Taxigewerbes geschlossen werden kann, bleibt allerdings offen. Dafür reichen die bisherigen Zahlen noch nicht aus.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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