Der seit Mitternacht geltende Tankrabatt hat die Kraftstoffpreise in Deutschland spürbar sinken lassen. Schon in den frühen Morgenstunden waren an vielen Tankstellen niedrigere Preise zu sehen. Inzwischen liegen auch genauere Zahlen des ADAC vor: Demnach kostete E10 am Freitag um 8.00 Uhr im bundesweiten Durchschnitt 1,976 Euro pro Liter und fiel damit wieder unter die Marke von zwei Euro. Das waren 10,7 Cent weniger als zum gleichen Zeitpunkt am Donnerstag.
Auch Diesel wurde günstiger, wenn auch etwas weniger deutlich: Der Literpreis sank laut ADAC im Schnitt um 10,4 Cent auf 2,063 Euro.
Ein Blick auf die Spritpreis-App des ADAC hatte bereits am frühen Morgen gezeigt, dass an zahlreichen Tankstellen Preise von unter zwei Euro pro Liter aufgerufen wurden – vor allem bei E10, teilweise aber auch bei Diesel.
In München lag der Preis für E10 kurz nach 6 Uhr an den meisten erfassten Stationen klar unter der Zwei-Euro-Marke, teils sogar unter 1,90 Euro je Liter. Auch Diesel kostete dort in mehr als der Hälfte der Fälle weniger als zwei Euro.
In Berlin war E10 am Morgen ebenfalls an der großen Mehrheit der angezeigten Tankstellen günstiger als zwei Euro. Bei Diesel wurde diese Schwelle dagegen nur selten unterschritten.
Auch in Hamburg fiel der Preis für E10 an mehr als der Hälfte der gemeldeten Tankstellen unter zwei Euro, vereinzelt sogar unter 1,90 Euro. Diesel blieb dort jedoch meist oberhalb der Zwei-Euro-Grenze.
Steuersenkung kommt bislang nur teilweise an
Trotz des Preisrückgangs wird die steuerliche Entlastung bislang noch nicht vollständig an die Autofahrer weitergegeben. Die Senkung der Energiesteuer beträgt 16,7 Cent pro Liter, die Preise gaben am Freitagmorgen aber im Schnitt deutlich weniger nach.
Nach Einschätzung des ADAC ist der Rabatt damit bislang erst teilweise an den Zapfsäulen angekommen. Ein wichtiger Grund: Die Steuersenkung greift nur für Kraftstoff, der erst nach Mitternacht Tanklager oder Raffinerien verlassen hat. Bereits zuvor gelieferte Bestände in den unterirdischen Tanks der Tankstellen wurden noch nach dem alten Steuersatz abgerechnet.
Schon in der Nacht sanken die Preise laut ADAC zunächst recht schnell um 7 bis 8 Cent. Als am Morgen dann fast alle Tankstellen geöffnet hatten, gingen die Preise weiter zurück. Dieser Trend dürfte sich nach Einschätzung des Clubs fortsetzen. Zudem könnten die Kraftstoffpreise auch wegen des zuletzt wieder gesunkenen Ölpreises weiter nachgeben.
Dass der Rabatt nicht sofort in voller Höhe sichtbar wird, hatten Fachleute bereits im Vorfeld erwartet. Auch beim ersten Tankrabatt im Jahr 2022 waren die Spritpreise am ersten Tag nicht um den kompletten Steuerbetrag gefallen. Der ADAC fordert nun, dass die Steuersenkung spätestens an diesem Wochenende vollständig an die Verbraucher weitergereicht wird. Ob das 2022 am Ende gelang, ist allerdings umstritten: Eine Studie des RWI kam damals zu dem Ergebnis, dass nur ein Teil der Entlastung bei den Verbrauchern ankam.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie hat angekündigt, die volle Entlastung an die Kunden weitergeben zu wollen.
Reiche erhöht den Druck auf die Mineralölbranche
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verlangt, dass die Steuersenkung bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt. Der Tankrabatt koste den Staat rund 1,6 Milliarden Euro. Gegenüber der dpa machte sie deutlich, dass es sich dabei nicht um eine Bitte handele, sondern um eine klare Erwartung.
Reiche verwies darauf, dass das Bundeskartellamt nach dem ersten Maßnahmenpaket bessere Instrumente als zuvor habe und bereits erste Untersuchungen aufgenommen worden seien. Falls es Hinweise darauf gebe, dass die Steuersenkung nicht weitergereicht werde, erwarte sie ein sofortiges Eingreifen.
Nach Angaben der Ministerin will ihr Haus die Entwicklung genau beobachten. Auch unabhängige Stellen wie die Monopolkommission und das Ifo-Institut sollen die Daten engmaschig auswerten und ihre Ergebnisse transparent machen.
Greenpeace kritisiert den Tankrabatt
Kritik kommt derweil von Greenpeace. Die Umweltorganisation weist darauf hin, dass der auf zwei Monate befristete Tankrabatt den Bund mehr kostet als dessen Zuschuss zum Deutschlandticket. Aus Sicht von Greenpeace wäre letzteres klima- und sozialpolitisch deutlich sinnvoller.
Das Deutschlandticket ersetze Autofahrten, entlaste Straßen und Haushaltskassen, fördere den Klimaschutz und verringere die Abhängigkeit von Ölimporten, erklärte Mobilitätsexpertin Marissa Reiserer. Statt das erfolgreiche 9-Euro-Ticket wieder aufzugreifen, kehre die Bundesregierung nun zu einem aus ihrer Sicht gescheiterten Tankrabatt zurück.
Entlastung pro Auto bleibt überschaubar
Wie groß die finanzielle Entlastung für einzelne Autofahrer ausfällt, hängt stark von Fahrzeug und Fahrleistung ab. Bei einem durchschnittlichen Diesel mit rund 17.000 Kilometern Jahresfahrleistung und einem typischen Verbrauch von 7 Litern auf 100 Kilometer ergibt sich bei vollständiger Weitergabe des Rabatts rechnerisch eine Ersparnis von etwa 33 Euro in den zwei Monaten.
Bei einem Benziner mit rund 9.500 Kilometern pro Jahr und einem Verbrauch von 8 Litern auf 100 Kilometer läge die rechnerische Entlastung bei gut 21 Euro in zwei Monaten. Je nach Fahrprofil und Modell kann der tatsächliche Vorteil allerdings deutlich davon abweichen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion