Formel 1 in Miami: Verstappen sieht nur begrenzte Wirkung der Regelkorrekturen
Vor dem Grand Prix von Miami kehrt die Formel 1 nach einer fünfwöchigen Unterbrechung mit einem kurzfristig geschnürten Maßnahmenpaket zurück. Max Verstappen erwartet davon jedoch keine grundlegende Veränderung auf der Strecke. Der Red-Bull-Pilot erkennt zwar an, dass Verantwortliche und Beteiligte reagiert haben, rechnet aber nicht mit einer spürbaren Wende.
"Die Formel 1 ist extrem komplex und stark von Politik geprägt. Ich denke, alle haben versucht, zumindest etwas zu verbessern. Aber die große Revolution wird das nicht sein", sagte der Niederländer vor dem Rennen in Florida.
Der viermalige Weltmeister hatte die neue Fahrzeuggeneration und das Reglement bereits deutlich kritisiert. Das aktuelle Renngefühl verglich er in der Vergangenheit sogar mit einem Videospiel. Besonders unzufrieden ist Verstappen mit dem Verhalten seines Autos, das in den ersten drei Rennen der Saison nicht konkurrenzfähig genug war.
Fahrer fordern mehr Einfluss
Vor allem die starke Bedeutung des Batterie-Managements sorgt bei vielen Piloten für Frust. Seit dieser Saison müssen die Fahrer ihre Energie im Rennen deutlich stärker einteilen. Die Antriebe beziehen ihre Leistung inzwischen fast zur Hälfte aus der Batterie, die während der Fahrt wieder aufgeladen werden muss. Dadurch rückt taktisches Energiesparen oft vor das reine Angreifen.
Verstappen sieht immerhin Fortschritte im Austausch zwischen Fahrern, Formel 1 und dem Automobil-Weltverband FIA. Er sprach von konstruktiven Gesprächen, die eine gute Grundlage für die Zukunft sein könnten. Zugleich machte er klar, dass die Fahrer bei Regelfragen stärker eingebunden werden sollten, weil sie aus ihrer Sicht genau wüssten, was den Sport attraktiver mache.
Auch Lewis Hamilton unterstützt diese Forderung. Der Ferrari-Pilot, der die neuen Regeln weniger scharf kritisiert hatte als Verstappen, verlangt ebenfalls mehr Mitspracherecht für die Fahrer.
"Redet mit uns, wir sollten gemeinsam arbeiten", sagte Hamilton. "Im Moment sitzen wir bei solchen Entscheidungen nicht mit am Tisch. Das muss sich ändern."
Zähe Verhandlungen hinter den Kulissen
Die aktuelle Reform war maßgeblich von den Motorenherstellern geprägt worden. Laut FIA-Technikchef Jan Monchaux waren die Gespräche über mögliche Anpassungen äußerst mühsam. Er verglich den Prozess mit politischen Verhandlungen in der Europäischen Union, bei denen viele Parteien ihre eigenen Interessen vertreten und am Ende nur ein Kompromiss möglich ist.
Monchaux berichtete von intensiven Beratungen mit fünf Motorenlieferanten und elf Teams. Während der verlängerten Pause wurde seine Abteilung beauftragt, insbesondere bei Qualifikation und Sicherheit rasch nachzubessern. Der Druck dabei sei enorm gewesen.
Kaum Zeit für gründliche Vorbereitung
Problematisch war vor allem der knappe Zeitplan. Ein Paket dieser Art hätte normalerweise mehrere Monate Vorlauf gebraucht, wurde nun aber innerhalb von nur drei Wochen verabschiedet. Entsprechend konnten manche Neuerungen, etwa bei der Software, nicht so ausführlich getestet werden, wie es aus Sicht der FIA wünschenswert gewesen wäre.
Die Änderungen betreffen mehrere Bereiche: das Qualifying, den Rennverlauf, Starts sowie Bedingungen auf nasser Strecke. Ziel ist es, mehr Spannung zu erzeugen und gleichzeitig die Sicherheit zu verbessern.
Was sich konkret ändert
In der Qualifikation wird die maximal pro Runde rückgewinnbare Energiemenge von acht auf sieben Megajoule gesenkt. Dadurch sollen die Fahrer häufiger voll angreifen können. Außerdem wurde der Grenzwert beim sogenannten Superclipping von 250 auf 350 kW angehoben. Vereinfacht gesagt geht es dabei um die Rückgewinnung von Energie trotz Vollgasfahrt.
Im Rennen selbst fällt die Zusatzleistung über den Boost-Knopf künftig deutlich geringer aus: Statt bisher 350 kW dürfen nur noch 150 kW freigegeben werden. Damit sollen die Geschwindigkeitsunterschiede beim Überholen kleiner werden, was laut FIA auch der Sicherheit dient.
Monchaux sprach von klaren Verbesserungen im Qualifying und von geringeren Risiken im Rennen, rechnet aber schon jetzt damit, dass später noch weitere Anpassungen nötig sein werden.
Zweifel an großer Wirkung
Einige Fahrer berichteten, dass im Simulator keine gravierenden Veränderungen spürbar gewesen seien. McLaren-Pilot Oscar Piastri geht deshalb nicht davon aus, dass die Eingriffe das Kräfteverhältnis im Feld merklich verändern werden. Dafür seien die Korrekturen schlicht zu klein.
Mercedes-Fahrer George Russell, zugleich Vorsitzender der Fahrervereinigung, hielt die Kritik an FIA und Reglement für teilweise überzogen. Er betonte, dass viele Fahrer naturgemäß vor allem ihre eigenen Interessen im Blick hätten.
"Die Wahrheit ist: Weder die Formel 1 noch die FIA sind ahnungslos", sagte Russell. "Sie wissen sehr genau, was sie tun. Und die Fans finden die Rennen momentan spannend."
Ob das neue Maßnahmenpaket bereits in Miami tatsächlich für besseres Racing sorgt, muss sich nun auf der Strecke zeigen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion