Deutschland hat im ersten Quartal erstmals seit Ende 2023 wieder mehr Strom exportiert als importiert. Die Einfuhren gingen um 15,5 Prozent zurück, während die Ausfuhren ins Ausland um gut 20 Prozent zulegten. Daraus ergab sich ein Exportüberschuss von 3,1 Milliarden Kilowattstunden.
Insgesamt wurden in den ersten drei Monaten 126,6 Milliarden Kilowattstunden Strom in Deutschland erzeugt und ins Netz eingespeist. Mehr als die Hälfte davon, nämlich 53,3 Prozent, stammte aus erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarenergie. Die Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um fast 14 Prozent auf 67,5 Milliarden Kilowattstunden. Die konventionelle Erzeugung sank dagegen um knapp zwei Prozent auf 59,1 Milliarden Kilowattstunden.
Windkraft legt stark zu
Treiber des Anstiegs bei den erneuerbaren Energien war vor allem die Windkraft. Hier kletterte die Stromerzeugung gegenüber dem Vorjahresquartal um fast 29 Prozent auf 42,8 Milliarden Kilowattstunden. Damit kam rund ein Drittel des in Deutschland produzierten und eingespeisten Stroms aus Windenergie. Rückläufig entwickelte sich dagegen die Photovoltaik: Ihre Produktion sank um 7,4 Prozent auf 10,3 Milliarden Kilowattstunden.
Weniger Strom aus Kohle, mehr aus Erdgas
Bei den konventionellen Energieträgern nahm die Stromerzeugung aus Kohle im ersten Quartal um gut fünf Prozent auf 30,5 Milliarden Kilowattstunden ab. Trotzdem blieb Kohle mit einem Anteil von 24,1 Prozent der zweitwichtigste Energieträger im deutschen Strommix. Die Stromerzeugung aus Erdgas legte dagegen um 3,2 Prozent zu.
Nach früheren Angaben der Bundesnetzagentur war Österreich im ersten Quartal der wichtigste Abnehmer von Strom aus Deutschland. Besonders stark stiegen die Exporte nach Dänemark und Norwegen. Nach Frankreich wurde hingegen deutlich weniger Strom geliefert.
Erzeugungskosten und Börsenstrompreise sinken
Der wachsende Anteil erneuerbarer Energien drückt tendenziell die Erzeugungskosten und die Preise am Stromgroßhandel. Nach Angaben der Bundesnetzagentur lag der durchschnittliche Großhandelspreis im ersten Quartal bei 102,17 Euro pro Megawattstunde. Das waren 8,7 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Der Preisrückgang fiel damit stärker aus als in den meisten Nachbarländern.
An Tagen mit besonders viel Wind- und Solarstrom kommt es zudem immer häufiger zeitweise zu negativen Großhandelspreisen. Nach Angaben der Münchner Forschungsstelle für Energiewirtschaft trat das 2025 in so vielen Stunden auf wie noch nie. Gerade in solchen Phasen lohnt sich für Nachbarländer der Import von Strom aus Deutschland besonders.
Auch negative Verbraucherpreise möglich
Für viele Haushalte ist dieser Effekt bislang allerdings nur eingeschränkt spürbar. Profitieren können vor allem Kunden mit dynamischen Stromtarifen, bei denen sich der Preis direkt am Markt orientiert. In einzelnen Stunden kann Strom dann sogar kostenlos sein, etwa beim Laden eines Elektroautos.
Voraussetzung dafür sind intelligente Stromzähler, die aktuelle Verbrauchsdaten übermitteln. Verbraucherschützer bewerten solche Tarife jedoch kritisch. Sie verweisen darauf, dass die Preise bei einer sogenannten Dunkelflaute ohne ausreichenden Wind- und Solarstrom auch stark steigen können. Das Risiko liegt dann beim Stromkunden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion