Wirtschaft

Schock 2025: Geldhahn für deutsche Biotech-Firmen zu

Deutschlands Biotech-Branche fehlt das große Geld – und deshalb könnten Ideen, Jobs und Zukunft ins Ausland abwandern.

08.06.2026, 11:00 Uhr

Biotech-Unternehmen in Deutschland haben im vergangenen Jahr spürbar weniger frisches Kapital erhalten. Vor dem Hintergrund der schwachen Konjunktur flossen 2025 laut einer Studie von EY und BIO Deutschland rund 1,8 Milliarden Euro aus Investitionen und Börsenfinanzierungen in die Branche – ein Rückgang von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark fiel das Minus beim Wagniskapital aus: Diese Finanzierungen sanken um etwa ein Drittel auf 601 Millionen Euro. Zudem verteilt sich das verfügbare Geld zunehmend auf wenige, bereits weiter entwickelte Firmen.

Viola Bronsema, Geschäftsführerin von BIO Deutschland, sieht darin ein strukturelles Problem: Deutschland tue sich schwer damit, biotechnologische Innovationen in wirtschaftlichen Erfolg umzuwandeln. Zwar sei die wissenschaftliche Qualität hoch, sie schlage sich jedoch bislang nicht in gleichem Maß in Wertschöpfung nieder.

Auch die wirtschaftliche Entwicklung der Branche fiel verhalten aus. Der Umsatz deutscher Biotech-Firmen ging der Untersuchung zufolge 2025 um ein Prozent auf zwölf Milliarden Euro zurück. Gleichzeitig reduzierten die Unternehmen ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung. In der Branche arbeiten knapp 60.000 Menschen, darunter bei Unternehmen wie Biontech, Qiagen und Evotec.

Viele Unternehmen zieht es an die US-Börse

Biotech-Firmen arbeiten häufig an aufwendigen und kostenintensiven Projekten wie Gen- und Zelltherapien, Impfstoffen oder Antikörpern. Andere entwickeln Anwendungen für Industrie, Landwirtschaft oder Umweltschutz. Weil solche Vorhaben viel Zeit und Geld benötigen, sind die Unternehmen stark auf Investoren angewiesen – und diese kommen oft aus den USA.

Gerade bei größeren Finanzierungsrunden fehlt es in Deutschland nach Ansicht der Branche an passenden Kapitalgebern. Deshalb entscheiden sich viele Unternehmen für einen Börsengang in den Vereinigten Staaten, etwa an der Technologiebörse Nasdaq. Zu den bekanntesten Beispielen zählt Biontech.

Auch 2025 habe es in Deutschland erneut keinen Börsengang eines heimischen Biotech-Unternehmens gegeben, sagte Klaus Ort, Senior Partner bei EY-Parthenon. Das sei ein deutlicher Nachteil, da eine Börsennotierung den Zugang zu Kapital verbreitere und spätere Finanzierungsrunden erleichtere.

Nach Einschätzung von Bronsema gelingt in Deutschland zwar die Gründung vieler Biotech-Startups und auch die erste Finanzierungsphase funktioniere noch vergleichsweise gut. Problematisch werde es jedoch beim Schritt in die Wachstumsphase. Fehle dort ausreichend Kapital, könnten junge Unternehmen ihre Technologien oft nicht bis zur klinischen Reife entwickeln. Die Folge: Sie verkaufen sich früh an internationale Investoren oder verlagern Aktivitäten ins Ausland. Damit drohen Deutschland langfristig der Verlust von Fachkräften und geistigem Eigentum.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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