Wirtschaft

Siemens warnt: KI darf Einstiegsjobs nicht killen

Macht KI die Jüngsten dumm? Siemens warnt: Wer Einsteiger nichts mehr selbst tun lässt, riskiert später Wissenslücken.

20.10.2026, 04:00 Uhr

Siemens will trotz KI an Einstiegsjobs festhalten

Siemens-Personalchefin Judith Wiese mahnt Unternehmen, auch im Zeitalter künstlicher Intelligenz weiterhin Berufseinsteiger einzustellen. Wenn einfache Tätigkeiten zunehmend von KI übernommen würden, dürfe das nicht dazu führen, dass jungen Beschäftigten wichtige Lern- und Entwicklungsschritte verwehrt blieben. Andernfalls fehlten später genau jene Erfahrungen, die für anspruchsvollere Aufgaben notwendig seien.

Ein Beispiel sieht Wiese in der Softwareentwicklung. Dort lasse sich einfacher, aber zunehmend auch komplexerer Code immer öfter von KI-Systemen und Agenten erzeugen, statt ihn selbst zu schreiben. Für Menschen werde es deshalb umso wichtiger, die Ergebnisse kritisch zu prüfen. Entscheidend sei die Frage, welche praktischen Erfahrungen jemand gesammelt haben müsse, um Fehler, Schwächen oder falsche Annahmen der KI überhaupt erkennen zu können.

Unternehmen sollen Lernphasen ermöglichen

Nach Ansicht von Wiese tragen die Unternehmen dabei eine besondere Verantwortung. Sie müssten jungen Mitarbeitenden weiterhin die Möglichkeit geben, Aufgaben eigenständig zu bearbeiten und notwendige Entwicklungsschritte selbst zu durchlaufen. Nur so entstünden die Fähigkeiten, die später gebraucht würden, um KI-Ergebnisse verlässlich zu kontrollieren und zu bewerten.

Bei Siemens wolle man deshalb auch künftig gezielt Nachwuchskräfte einstellen und fördern. Letztlich müsse sich jedes Unternehmen fragen, wie es jungen Talenten diese Lern- und Erfahrungskurve ermöglichen könne. KI könne dabei sogar unterstützend wirken, indem sie Wissen schneller vermittle und Lernprozesse effizienter mache.

Auch erfahrene Kräfte können vom Nachwuchs lernen

Wiese erwartet zudem, dass in den kommenden Jahren verstärkt junge Menschen in die Unternehmen kommen, die bereits von Anfang an mit KI gearbeitet haben. Davon könnten dann auch erfahrene Kolleginnen und Kollegen profitieren, weil diese neue Generation einen anderen und oft selbstverständlichere Umgang mit den Technologien mitbringe.

Noch sei allerdings offen, welche konkreten Folgen KI langfristig für den Arbeitsmarkt haben werde. Mit Blick auf die rund 30.000 Softwareingenieure bei Siemens sagt Wiese, die zusätzliche Produktivität könne unterschiedlich genutzt werden: entweder, um mit weniger Personal das Gleiche zu leisten, oder um mit derselben Belegschaft mehr Projekte umzusetzen. Aktuell sehe Siemens vor allem den Vorteil, schneller arbeiten, mehr Ideen testen und zusätzliche Vorhaben anstoßen zu können, die ohne KI nicht realisierbar wären.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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