Seit einigen Tagen sorgt vor dem Esslinger Rathaus eine Teufelsstatue aus Bronze für heftige Reaktionen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Die Figur mit Hörnern, spitzen Zähnen und Huf hat seit ihrer Enthüllung nicht nur Zuspruch erhalten, sondern auch scharfe Kritik, wütende Debatten und sogar Drohungen ausgelöst. Mittlerweile befassen sich Polizei und Staatsschutz mit dem Fall.
Nach Angaben der Polizei werden mehrere Fälle von Bedrohungen gegen Leib und Leben untersucht. Außerdem laufen Ermittlungen wegen Beleidigung und Sachbeschädigung, erklärte Michael Schaal vom Polizeipräsidium Reutlingen. Die Stadt spricht von einem konkreten Mordaufruf gegen Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) sowie von weiteren Drohungen, Beleidigungen und Aufforderungen zur Beschädigung der Figur.
Verdächtige gibt es bislang nicht. Die Ermittlungen des Polizeireviers Esslingen und der für Staatsschutz zuständigen Kriminalinspektion dauern an.
Sage um den "Zwieblinger"
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht eine 2,50 Meter hohe Teufelsfigur aus Bronze. Künstler Tim Bengel bezieht sich damit auf eine alte Esslinger Legende: Der Teufel soll auf dem Markt einen Apfel haben kaufen wollen, bekam von einer listigen Marktfrau aber stattdessen eine rote Zwiebel verkauft. Als er hineinbiss, bemerkte er den Schwindel.
Der Sage nach verfluchte er daraufhin die Esslinger als "Zwieblinger" und verließ erzürnt die Stadt. Dieser Beiname hat sich bis heute gehalten. Auch an der Esslinger Frauenkirche erinnert seit Langem eine steinerne Teufelsdarstellung an die Geschichte.

Die neue Statue war vor zwei Wochen enthüllt worden. Sie ist ein Geschenk einer Sektkellerei anlässlich ihres Jubiläums und des 1250-jährigen Bestehens der Stadt. In einer Online-Petition verlangen inzwischen mehr als 5.600 Menschen, dass die Figur wieder entfernt wird.
Landeskirche weist Befürchtungen zurück
Die Evangelische Landeskirche teilt die Kritik nicht. Aus ihrer Sicht greift die Statue weder christliche Überzeugungen an noch sei sie ein Grund zur Sorge. Der Weltanschauungsbeauftragte Andreas Oelze sagte, man könne das Kunstwerk zwar aus verschiedenen Gründen ablehnen, es bestehe aber kein Anlass, ihm eine spirituelle Bedeutung zuzuschreiben oder Angst davor zu haben.
Für die Stadt ist trotz aller Kontroversen klar: Die Figur bleibt vor dem Rathaus stehen. Nach Angaben von Stadtsprecher Michael Meier gebe es neben der Kritik auch viel Zustimmung und Lob für das Denkmal.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber