ERC System will Schwerlastdrohne deutlich früher in Serie bringen
Der Luftfahrtentwickler ERC System aus Ottobrunn bei München zieht seine Pläne für den Serienstart einer neuen Transportdrohne um drei Jahre vor. Auf der Internationalen Luftfahrtausstellung (ILA) in Berlin präsentiert das Unternehmen mit „Victor“ ein unbemanntes Fluggerät, das sowohl militärisch als auch zivil eingesetzt werden kann. Nach Angaben von Vertriebschef Maximilian Oligschläger handelt es sich um eine Dual-Use-Schwerlastdrohne mit Hybridantrieb, die bis zu 250 Kilogramm Nutzlast befördern und rund 300 Kilometer Reichweite erreichen soll. Der erste Prototyp soll noch in diesem Jahr fliegen, die Serienfertigung ist nun für 2028 vorgesehen.
Schwieriges Umfeld für junge Luftfahrtfirmen
Der Markt für neue Flugkonzepte gilt als anspruchsvoll. In Deutschland waren zuletzt mit Volocopter und Lilium zwei viel beachtete Start-ups in wirtschaftliche Turbulenzen geraten. Volocopter wurde nach drastischem Stellenabbau von einem chinesischen Investor übernommen. Lilium meldete Insolvenz an; die Technologie ging an ein US-Unternehmen.
Investoren und Partner sorgen für Stabilität
ERC System sieht sich finanziell besser aufgestellt. Mit dem Luft- und Raumfahrtdienstleister IAGB hat das Unternehmen einen Investor, sodass nicht fortlaufend neue Geldgeber gesucht werden müssen. Beim Drohnenprojekt arbeitet ERC zudem mit Northern Helicopter, einer Tochter der DRF Luftrettung, zusammen.
Bislang hatte das Start-up vor allem an „Charlie“ gearbeitet, einem Senkrechtstarter für den Einsatz als fliegende Ambulanz, der ab 2031 verfügbar sein soll. An diesem Projekt ist die DRF Luftrettung bereits beteiligt. Erst vor wenigen Monaten hatte ERC außerdem den unbemannten Prototypen „Romeo“ vorgestellt.
Rückenwind durch steigende Nachfrage nach Drohnen
Nach Unternehmensangaben lässt sich die Entwicklung von „Victor“ nicht nur schneller, sondern auch deutlich günstiger umsetzen. Oligschläger betont, ERC könne damit früher ein marktreifes Produkt anbieten und zugleich die Entwicklungskosten spürbar senken. Das Unternehmen profitiert dabei vom aktuellen Boom im Rüstungs- und Drohnensektor.
Den Anstoß für das neue Modell habe es laut Oligschläger aus dem militärischen Bereich gegeben. Demnach sei der Wunsch an ERC herangetragen worden, Fluggeräte künftig möglichst ohne Piloten an Bord einzusetzen.
Auch für zivile Einsätze vorgesehen
Trotz dieses Hintergrunds soll „Victor“ nicht allein für Streitkräfte gedacht sein. ERC sieht auch zivile Anwendungen, etwa in der Offshore-Logistik oder bei der Brandbekämpfung. Angetrieben werden soll die Drohne von einem Hybridsystem aus Diesel- und Elektromotor.
Das Interesse am Markt scheint nach Firmenangaben bereits groß zu sein: Auf der ILA habe ERC mehr als 100 Gesprächstermine mit potenziellen Kunden vereinbart.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion