Proteinpulver in Deutschland deutlich teurer
Proteine liegen in Deutschland weiterhin stark im Trend – auch als Pulver. Für Verbraucher bedeutet das jedoch spürbar höhere Preise. Nach Angaben von Alexander Anton, Generalsekretär des Europäischen Milchindustrieverbands, steigen die Preise für Molkenpulver bereits seit Mitte 2023 kontinuierlich.
Zu Beginn dieses Jahres habe sich diese Entwicklung noch einmal beschleunigt. Hintergrund sei vor allem das knappe weltweite Angebot. Zwar sei die Versorgung in Deutschland derzeit gesichert, mit sinkenden Preisen rechnet Anton jedoch nicht.
Teilweise leere Regale im Handel
Proteinpulver wird meist aus getrockneter Molke hergestellt, mit Wasser oder Milch gemischt und als Shake konsumiert. Viele Hersteller bewerben es als Unterstützung für Muskelaufbau und Muskelerhalt.
Die starke Nachfrage sorgt inzwischen auch im Handel für Probleme. Nach Angaben von Rewe sind bestimmte Marken zeitweise nur eingeschränkt verfügbar. Auch dm erklärt, dass es bei besonders gefragten Produkten vereinzelt zu vorübergehenden Lieferengpässen kommen kann.
In den vergangenen Jahren haben Supermärkte und Drogerien ihr Sortiment an proteinreichen Lebensmitteln stark ausgebaut. Laut Marktforscher YouGov haben zuletzt 4,6 Millionen Haushalte in Deutschland mindestens einmal Proteinpulver gekauft. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von 66 Prozent. Besonders stark wird der Trend von Menschen der Jahrgänge 1982 bis 2011 getragen.
Nachfrage wächst auch durch Abnehmmedikamente
Kerstin Keunecke von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft berichtet, dass die Preise für Proteinpulver seit Januar um 40 bis 60 Prozent gestiegen sind. Als Gründe nennt sie die hohe Nachfrage sowie veränderte Ernährungsgewohnheiten. Eiweißreiche Produkte seien nicht nur bei Sportlern beliebt, sondern auch im Rahmen diätischer Ernährung.
Vor allem in den USA habe die Nachfrage zuletzt deutlich angezogen, sagt Keunecke. Das hänge auch mit Medikamenten zur Gewichtsreduktion zusammen. Diese senkten das Hungergefühl, weshalb Patienten häufig zu einer proteinreichen Ernährung geraten werde, um Muskelabbau während des Abnehmens zu vermeiden.
Branche sieht strukturelle Veränderung
Auch die Quality Group, zu der Marken wie More Nutrition und ESN gehören, spürt die angespannte Marktlage. Eine Sprecherin betont, dass Molke als Nebenprodukt der Käseherstellung nicht unbegrenzt verfügbar sei. Verschiedene Verarbeiter konkurrierten um denselben Rohstoff. Besonders knapp seien hochwertige Proteinkonzentrate wie WPC und WPI. Aus Sicht des Unternehmens handelt es sich nicht nur um einen kurzfristigen Preisanstieg, sondern um eine nachhaltige Veränderung in einem enger gewordenen Markt.
Der Molkereikonzern DMK hat nach eigenen Angaben seine Kapazitäten bereits erhöht. Zusätzlich investiert das Unternehmen rund 26 Millionen Euro in eine neue Anlage zur Herstellung von Molkenprotein im niedersächsischen Edewecht. Hoffnung auf sinkende Preise macht aber auch DMK kaum. Sowohl Unternehmen als auch Landwirte seien in vielen Bereichen mit höheren Kosten konfrontiert. Zudem erfordere die Produktion Investitionen in Technik und Fachwissen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Engpässe auch bei anderen Proteinprodukten
Der Boom rund um eiweißreiche Ernährung macht sich nicht nur bei Proteinpulver bemerkbar. Auch bei Produkten wie Skyr und Tofu kam es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Engpässen. Teilweise waren diese Waren nur eingeschränkt erhältlich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion