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Schweizer Gletscher-Kollaps: Jetzt schmilzt die Zukunft

Alarm in den Alpen: Schweizer Gletscher steuern auf heftigen Eisverlust zu – kann ein kühler Sommer das noch stoppen?

29.06.2026, 10:54 Uhr

Schweizer Gletscher verlieren ab sofort wieder an Substanz

Die Lage der Schweizer Gletscher spitzt sich weiter zu: Nach Einschätzung von Glaziologen ist am Montag, 29. Juni, bereits der sogenannte Gletscherschwundtag erreicht. Damit ist jener Punkt im Jahr gemeint, an dem der im Winter durch Schneefall angesammelte Zuwachs vollständig abgeschmolzen ist. Von nun an nimmt die Eismasse insgesamt weiter ab.

Matthias Huss, Glaziologe an der ETH Zürich, erklärte, dass schon jetzt feststehe, dass die Gletscher erneut deutlich an Eis einbüßen werden. Wie stark der Verlust tatsächlich ausfällt, lasse sich aber erst nach Abschluss der Messungen genau beziffern.

Noch früher fiel dieser Tag zuletzt im extremen Schmelzjahr 2022 aus – damals bereits auf den 26. Juni. In jenem Jahr verloren die Schweizer Gletscher innerhalb von zwölf Monaten rund sechs Prozent ihrer Masse. Die diesjährige Gesamtbilanz wird voraussichtlich Anfang Oktober erwartet.

Kühler Sommer könnte Schlimmeres verhindern

Nach Angaben von Huss könnte nur ein ungewöhnlich kühler Sommer mit erneutem Schneefall in höheren Lagen einen neuen Negativrekord unter den rund 1.400 Schweizer Gletschern verhindern. Solche Wetterphasen hätten früher immer wieder für kurze Entlastung gesorgt, da selbst geringe Neuschneemengen die Schmelze vorübergehend bremsen können.

Zur Bestimmung des Gletscherschwundtags nutzen Fachleute direkte Messungen auf den Gletschern sowie Modelle, die Schneemengen und Schmelzraten täglich berechnen. Zusätzlich fließen Wetterdaten, Satellitenaufnahmen und Bilder von Webcams in die Auswertung ein.

Gletscherschwundtag
Vertreter von Umweltorganisationen nehmen an einer Aktion teil, bei der der Walliser Regierung symbolisch die Petition „Befreit und schützt den Rhonegletscher!" überreicht wird. Quelle: Cyril Zingaro/KEYSTONE/dpa

Folgen auch für Flüsse spürbar

Die ETH weist darauf hin, dass Gletscherschmelzwasser derzeit noch dazu beiträgt, niedrige Pegelstände und steigende Temperaturen in Flüssen etwas abzufedern. Dieser Effekt halte jedoch nur an, solange noch genügend Gletscherfläche vorhanden sei.

Am stark zurückgegangenen Rhonegletscher im Kanton Wallis machten Umweltschützer zuletzt mit einer Protestaktion auf die Entwicklung aufmerksam. Mit einer Petition an die Kantonsregierung forderten sie unter anderem, den Bau einer touristischen Eisgrotte zu beenden. Zudem sprechen sie sich aus Umweltgründen gegen die weitere Nutzung und Entsorgung weißer Schutzmatten aus, mit denen ein kleiner Teil des Gletschers für Besucher konserviert wird.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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