Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich 2026 bei vielen gefragten Elektronikprodukten auf höhere Preise und eine kleinere Auswahl einstellen. Hintergrund ist der weltweite KI-Boom, der die Halbleiterbranche stark umkrempelt. Immer mehr Chipkapazitäten fließen in den Aufbau leistungsstarker Rechenzentren, wodurch moderne Prozessoren und schnelle Speicherbausteine für klassische Konsumgeräte knapper werden.
Aktuelle NIQ-Zahlen zur IFA zeigen, dass sich diese Entwicklung vor allem bei besonders rechenintensiven Produktgruppen bemerkbar macht. Dazu zählen Smartphones, Notebooks, Desktop-PCs, Gaming-Hardware und Spielkonsolen. Viele Hersteller reagieren auf die Engpässe, indem sie ihr Angebot stärker auf besonders gefragte Varianten wie 256 oder 512 Gigabyte zuschneiden, weniger Modelle anbieten und zugleich die Preise erhöhen. Vor allem günstige Einstiegsgeräte lassen sich unter diesen Bedingungen immer schwerer wirtschaftlich anbieten.
Preise steigen, Versorgung bleibt aber gesichert
NIQ-Experte Alexander Dehmel sieht derzeit zwar keine neue flächendeckende Versorgungskrise wie im Jahr 2020. Dennoch müssten Käuferinnen und Käufer mit spürbaren Mehrkosten rechnen. Ein kompletter Lieferstopp sei nicht zu erwarten, doch leistungsstarke Geräte mit großer Speicherausstattung dürften teurer werden oder zeitweise nur mit längeren Lieferfristen verfügbar sein.
Neben der Chipknappheit prägen auch Klimaentwicklung und veränderte Alltagsgewohnheiten die Trends der diesjährigen Messe. Besonders deutlich zeigt sich das im Bereich Kühlung und Klimatisierung. Die frühen Hitzewellen sorgten schon zu Beginn des Sommers für einen kräftigen Nachfrageschub. Allein im Juni wurden in Deutschland fast 300.000 mobile Klimageräte verkauft. Das entspricht einem Plus von 122 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Nach Einschätzung von Dehmel steckt dieser Markt hierzulande noch in einer frühen Phase, da deutsche Haushalte im internationalen Vergleich bislang eher selten entsprechend ausgestattet sind. Entsprechend dürfte die Nachfrage in den kommenden Jahren weiter wachsen.
Gesundheits-Technik gewinnt an Bedeutung
Ein weiteres großes Thema auf der IFA ist der Wandel der Unterhaltungselektronik hin zu stärker personalisierter Gesundheitsvorsorge. Wearables setzten im deutschen Handel im ersten Halbjahr knapp 400 Millionen Euro um. Gleichzeitig stieg der Absatz um 4,2 Prozent auf rund 1,8 Millionen Geräte. Treiber dieser Entwicklung ist der Trend zur sogenannten Longevity, also dem Wunsch, die gesunde Lebenszeit möglichst zu verlängern. Dank besserer Sensorik und KI-gestützter Analysen entwickeln sich solche Geräte zunehmend zu digitalen Gesundheitszentralen, die Werte wie Schlafqualität, Herzfrequenz, Stress oder Sauerstoffsättigung überwachen.
Besonders stark wächst derzeit das Segment der smarten Ringe. Im ersten Halbjahr 2026 legte der Absatz um 122,7 Prozent zu, der Umsatz stieg um 86,6 Prozent. Mit einem durchschnittlichen Verkaufspreis von etwa 290 Euro positionieren sich diese Geräte als dezente Alternative zur Smartwatch.
Datenschutz hemmt KI-Brillen
Auch smarte Brillen mit Audio-, Kamera- und KI-Funktionen gewinnen an Bedeutung. Im ersten Halbjahr stieg die Stückzahl von knapp 3.500 auf mehr als 12.000 verkaufte Geräte. Für den breiten Markterfolg bleibt der Datenschutz jedoch das zentrale Hindernis. Vor allem integrierte Kameras sorgen für Skepsis. Insbesondere viele Frauen äußern die Sorge, durch solche Brillen heimlich beobachtet, verfolgt oder ausgespäht zu werden.
Auf der Innovationsseite der IFA stehen zudem humanoide Roboter und moderne Assistenzsysteme im Fokus. Sie rücken dem praktischen Einsatz in Privathaushalten, in der Pflege und in der Industrie immer näher. Internationale Hersteller zeigen, wie zweibeinige Maschinen mithilfe generativer KI und präziser Sensoren komplexe Greif- und Montageaufgaben erlernen, mit Menschen zusammenarbeiten und sich langfristig vom Messe-Highlight zum alltagstauglichen Helfer entwickeln sollen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber