Wirtschaft

KI-Boom lässt Smartphone- und Konsolenpreise explodieren

Wegen des KI-Booms drohen teurere Smartphones, PCs & Konsolen – und ausgerechnet beliebte Modelle lassen auf sich warten.

02.09.2026, 10:14 Uhr

Verbraucherinnen und Verbraucher müssen in diesem Jahr bei vielen beliebten Elektronikgeräten mit spürbaren Preissteigerungen und einer kleineren Auswahl rechnen. Hintergrund ist der weltweite Boom rund um Künstliche Intelligenz, der die Halbleiterindustrie massiv verändert. Immer mehr Produktionskapazitäten für Chips wandern in den Ausbau leistungsstarker Rechenzentren, sodass moderne Prozessoren und schnelle Speichermodule für klassische Konsumgeräte knapper werden.

Aktuelle NIQ-Zahlen zur IFA zeigen, dass sich diese Entwicklung vor allem bei besonders rechenintensiven Produktgruppen bemerkbar macht. Dazu zählen Smartphones, Notebooks, PCs, Gaming-Hardware und Spielkonsolen. Viele Hersteller reagieren auf die Engpässe, indem sie ihr Angebot stärker auf besonders gefragte Varianten wie 256 oder 512 Gigabyte zuschneiden, die Modellvielfalt ausdünnen und zugleich die Preise anheben. Vor allem günstige Einstiegsgeräte lassen sich unter diesen Bedingungen immer schwerer wirtschaftlich anbieten.

Höhere Preise, aber kein Lieferstopp

NIQ-Experte Alexander Dehmel sieht derzeit zwar keine neue flächendeckende Versorgungskrise wie 2020, warnt aber vor merklichen Mehrkosten für Käuferinnen und Käufer. Ein genereller Lieferstopp sei nicht zu erwarten. Dennoch könnten vor allem Geräte mit hoher Rechenleistung und großer Speicherausstattung teurer werden oder zeitweise nur mit längeren Lieferfristen verfügbar sein.

Neben der Halbleiterlage prägen auch veränderte Umweltbedingungen und neue Alltagsgewohnheiten die Trends der diesjährigen IFA. Besonders deutlich zeigt sich das im Bereich Kühlung und Klimatisierung. Frühe Hitzewellen sorgten bereits zu Beginn des Sommers für einen kräftigen Nachfrageschub. Allein im Juni wurden in Deutschland knapp 300.000 mobile Klimageräte verkauft. Das entspricht einem Plus von 122 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Nach Einschätzung von Dehmel steht dieser Markt hierzulande noch am Anfang, da deutsche Haushalte im internationalen Vergleich bisher eher selten entsprechend ausgestattet sind. Entsprechend dürfte die Nachfrage in den kommenden Jahren weiter steigen.

Trendthema Health-Tech

Ein weiteres großes Thema auf der IFA ist der Wandel der Unterhaltungselektronik hin zu personalisierter Gesundheitsvorsorge. Wearables setzten im deutschen Handel im ersten Halbjahr knapp 400 Millionen Euro um. Gleichzeitig stieg der Absatz um 4,2 Prozent auf rund 1,8 Millionen Geräte. Treiber dieser Entwicklung ist der Trend zur sogenannten Longevity, also dem Wunsch, die gesunde Lebensspanne möglichst zu verlängern. Dank verbesserter Sensorik und KI-gestützter Auswertung entwickeln sich solche Geräte zunehmend zu einem digitalen Gesundheits-Cockpit, das Werte wie Schlaf, Herzfrequenz, Stresslevel und Sauerstoffsättigung überwacht.

Besonders stark wächst derzeit das Segment der smarten Ringe. Im ersten Halbjahr 2026 legte der Absatz um 122,7 Prozent zu, der Umsatz stieg um 86,6 Prozent. Mit einem durchschnittlichen Verkaufspreis von rund 290 Euro positionieren sich diese Geräte als dezente Alternative zur klassischen Smartwatch.

Datenschutzdebatte bremst KI-Brillen aus

Auch smarte Brillen mit Audio-, Kamera- und KI-Funktionen gewinnen an Bedeutung. Im ersten Halbjahr stieg die Stückzahl von knapp 3.500 auf über 12.000 verkaufte Geräte. Für den breiten Markterfolg bleibt der Datenschutz jedoch das zentrale Hindernis. Vor allem integrierte Kameras sorgen für Skepsis. Insbesondere viele Frauen äußern die Sorge, durch solche Brillen heimlich beobachtet, gestalkt oder ausgespäht zu werden.

Auf der Innovationsseite der IFA stehen zudem humanoide Roboter und moderne Assistenzsysteme im Fokus. Sie rücken dem praktischen Einsatz in Privathaushalten, in der Pflege und in der Industrie immer näher. Internationale Hersteller zeigen, wie zweibeinige Maschinen mithilfe generativer KI und präziser Sensoren komplexe Greif- und Montageaufgaben erlernen, mit Menschen interagieren und sich langfristig vom Messe-Highlight zum alltagstauglichen Helfer entwickeln sollen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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