Wirtschaft

Nvidia-Chef Huang: Darum wird Europa zur KI-Macht

Nicht Software, sondern KI-Fabriken: Nvidia-Chef Huang prophezeit die nächste Revolution. Hat Europa dabei die Schlüsselrolle?

21.10.2026, 13:48 Uhr

Nvidia-Chef sieht Europa als Schlüsselregion der KI-Entwicklung

Nvidia-Chef Jensen Huang hat Sorgen zurückgewiesen, Europa könne im weltweiten Rennen um Künstliche Intelligenz ins Hintertreffen geraten. Auf der Technologiekonferenz GTC in Berlin bezeichnete er den Kontinent als zentralen Akteur der entstehenden KI-Ökonomie. Seiner Einschätzung nach wird künftig praktisch jedes Unternehmen in Europa in irgendeiner Form zu einem KI-Unternehmen.

Für einen kurzen Zwischenfall während der Keynote sorgte eine kleine Gruppe von Aktivisten. Sie kritisierte vor allem die Umweltauswirkungen von KI-Rechenzentren. Huang ließ sich davon jedoch nicht aus dem Konzept bringen und setzte seinen Auftritt fort.

Zugleich verwies der Nvidia-Chef auf die lange Präsenz seines Konzerns in Europa. Nvidia sei seit 33 Jahren auf dem Kontinent aktiv – von frühen Chip-Entwicklungen bis zu heutigen Partnerschaften mit Unternehmen wie Siemens, Volkswagen und Mercedes-Benz. Allein im vergangenen Jahr habe der Konzern nach eigenen Angaben fast 10 Milliarden US-Dollar in Europa investiert, um Start-ups und etablierte Industriebetriebe zu stärken.

Rückendeckung aus der Politik

Unterstützung bekam Huang in Berlin auch aus der Politik. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger betonte die Bedeutung des Zugangs zu modernen Hochleistungschips für den Standort Deutschland. Nvidia sei dabei ein wichtiger und verlässlicher Partner, wenn es darum gehe, bei KI technologisch aufzuholen.

Gleichzeitig machte Wildberger deutlich, dass Deutschland und Europa weiter an einer eigenständigen Infrastruktur arbeiten wollen. Dazu zähle auch der Aufbau einer europäischen Halbleiter- und Chipproduktion.

KI-Fabriken als Treiber des Wandels

Den aktuellen Umbruch verglich Huang mit einer neuen industriellen Revolution. Unternehmen würden sich nicht mehr darauf beschränken, Software einzusetzen, sondern eigene KI-Fabriken aufbauen.

Dort entstehe keine klassische Ware, sondern digitale Intelligenz, die in zahlreiche Branchen einfließen könne – etwa in die Arzneimittelforschung oder in eine effizientere Steuerung von Energienetzen. Nach Jahrzehnten der Entwicklung in der Computerbranche beginne nun eine neue Phase der Industrie.

Neue Rechner für KI direkt am Arbeitsplatz

In seiner Berliner Keynote stellte Huang außerdem neue Hardware vor. Dazu zählen kompakte Desktop-Systeme unter dem Namen „RTX Spark“. Diese Rechner sollen anspruchsvolle KI-Anwendungen direkt vor Ort ermöglichen, sodass Unternehmen und Entwickler weniger stark auf externe Rechenzentren angewiesen sind. Nvidia will damit den Zugang zu leistungsfähiger KI-Technologie erleichtern.

Fokus auf physische KI

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf sogenannter physischer KI. Gemeint sind Systeme, die nicht nur Daten analysieren, sondern ihre Umgebung in der realen Welt erfassen und eigenständig handeln können.

Huang präsentierte Roboter, die mithilfe von KI lernen, sich zu orientieren und Aufgaben auszuführen. Darin sieht er die nächste große Entwicklungsstufe: KI, die die physische Welt versteht.

Sicherheitsregeln für autonome Agenten

Damit solche Systeme zuverlässig und kontrolliert arbeiten, kündigte Nvidia auch neue Sicherheitsansätze an. Diese sollen gewährleisten, dass digitale Assistenten und autonome Agenten klaren Vorgaben folgen und keinen unberechtigten Zugriff auf sensible Unternehmensinformationen erhalten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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