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Ansah fliegt über 200 Meter zu EM-Gold

Ansah sprintet nach Bronze zu historischem 200-Meter-Gold – doch ausgerechnet jetzt könnte ihm eine Sperre alles nehmen.

14.08.2026, 22:35 Uhr

Ansah stürmt in Birmingham zu EM-Gold über 200 Meter

Owen Ansah, dessen Startrecht wegen eines laufenden Dopingverfahrens unter Vorbehalt steht, hat bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham den Titel über 200 Meter gewonnen. Der 25 Jahre alte Hamburger setzte sich dank einer starken Schlussphase in 19,95 Sekunden durch und bescherte Deutschland damit den ersten EM-Sieg eines Mannes über diese Strecke seit 44 Jahren. Bereits drei Tage zuvor hatte er Bronze über 100 Meter geholt.

Mit seinem unwiderstehlichen Finish ließ Ansah die Konkurrenz auf den letzten 50 Metern scheinbar mühelos hinter sich. Danach biss er strahlend in seine Goldmedaille und hüllte sich in eine deutsche Fahne. Es ist der bislang größte sportliche Erfolg seiner Karriere.

„Ich bin mega happy, dass ich die Goldmedaille hier gewinnen konnte“, sagte Ansah in der ARD. „Mein Ziel war es, von vorne bis Ende durchzuziehen. Das habe ich hinbekommen. Mein Trainer hat mir gesagt: Gib alles, bis zum Ende. Und mein Sohn hat gesagt: Papa, zünde den Turbo! Und das habe ich jetzt am Ende gemacht.“

Ansah blieb mit seiner Siegerzeit zwar erstmals als Deutscher unter 20 Sekunden, doch wegen zu starker Windunterstützung kann die Leistung nicht als deutscher Rekord anerkannt werden und gilt daher nur als deutsche Bestzeit. Hinter ihm wurde der Brite Zharnel Hughes in 20,16 Sekunden Zweiter. Der Italiener Fausto Desalu und Titelverteidiger Timothé Mumenthaler aus der Schweiz wurden mit jeweils 20,26 Sekunden auf die Tausendstel gleich gewertet.

Ob Ansah das EM-Gold behalten darf, ist offen

Ob Ansah den Titel am Ende behalten darf, ist weiter fraglich. Die Nationale Anti Doping Agentur hat eine Sperre von vier Jahren vorgeschlagen, nachdem ihm vorgeworfen wird, eine Dopingprobe verweigert zu haben. Der 25-Jährige weist den Vorwurf zurück und ist derzeit nicht suspendiert.

Traurig sei für ihn allerdings, dass er in der 4×100-Meter-Staffel nicht mehr antreten darf. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat den Sprinter des Hamburger SV vorsichtshalber nicht berücksichtigt, um eine mögliche spätere Disqualifikation der Staffel zu vermeiden, falls doch noch eine Sperre folgen sollte.

Erste deutsche EM-Medaille seit 1986

Mit seinem Erfolg beendete Ansah auch eine lange Durststrecke: Seit Jürgen Evers, der 1986 in Stuttgart Silber gewann, hatte kein deutscher Läufer bei Europameisterschaften über 200 Meter mehr eine Medaille geholt. Der bislang letzte deutsche Europameister auf dieser Distanz war Olaf Prenzler, der 1982 für die DDR in Athen triumphierte.

Agyekum holt Silber über 400 Meter Hürden

Auch Emil Agyekum sorgte in Birmingham für Jubel im deutschen Team. Der Hürdensprinter gewann Silber über 400 Meter Hürden in 47,87 Sekunden. Gold ging an den Norweger Karsten Warholm, der mit 46,63 Sekunden einen Meisterschaftsrekord aufstellte.

Agyekum zeigte sich trotz kleiner Probleme im Rennen zufrieden.

„Das ist der Anfang von viel mehr Möglichkeiten, die mir bevorstehen. Ich habe jetzt schon viel, viel erreicht“, sagte Agyekum. „Das war ein kleiner Rückschlag heute, ich aber trotzdem super stolz auf mich.“

Bei Gegenwind auf der Gegengeraden musste er früh sein Sprungbein wechseln, hielt seine Verfolger aber dennoch klar in Schach. Owe Fischer-Breiholz, der ebenfalls auf eine Medaille gehofft hatte, wurde in 48,56 Sekunden Fünfter. Nach dem Rennen nahm Agyekum seinen enttäuschten Teamkollegen in den Arm.

Fischer-Breiholz sagte unmittelbar nach dem Lauf: „Ich habe noch nie so eine Enttäuschung verspürt.“ Schon an der ersten Hürde sei er mit dem falschen Bein abgesprungen. Zugleich gratulierte er Agyekum zu dessen starkem Rennen.

Craft erstmals mit EM-Silber im Diskus

Diskuswerferin Shanice Craft durfte sich ebenfalls über Edelmetall freuen. Nach drei EM-Bronzemedaillen gewann sie diesmal erstmals Silber. Craft startete mit 64,49 Metern stark in den Wettkampf und steigerte sich im dritten Versuch auf 65,72 Meter.

Die Niederländerin Jorinde van Klinken, die in Birmingham auch im Kugelstoßen Silber geholt hatte, setzte sich an die Spitze. Kristin Pudenz zeigte nach einer schwierigen Qualifikation eine deutliche Leistungssteigerung und belegte mit 63,27 Metern Rang fünf.

Weißenberg im Siebenkampf aussichtsreich

Im Siebenkampf liegt Sophie Weißenberg zwei Jahre nach ihrem Achillessehnenriss weiter aussichtsreich im Rennen. Nach vier Disziplinen belegt die 29-Jährige mit 3.911 Punkten den vierten Platz. In Führung liegt die Polin Adrianna Sulek-Schubert mit 3.968 Zählern.

Weißenberg war mit einer persönlichen Bestleistung über 100 Meter Hürden stark in den Wettbewerb gestartet. Sandrina Sprengel geht als 19. in den zweiten Tag, Vanessa Grimm liegt auf Rang zwölf.

DLV-Team übertrifft schon jetzt die Ausbeute von Rom

Durch die Erfolge von Ansah, Agyekum und Craft steht das deutsche Team in Birmingham bereits bei zwölf Medaillen. Damit hat der DLV schon jetzt eine Medaille mehr gewonnen als vor zwei Jahren bei den Europameisterschaften in Rom.

Auch abseits der deutschen Wettbewerbe gab es einen Höhepunkt: Italiens Hochsprung-Star Gianmarco Tamberi feierte in Birmingham erfolgreich seine Titelverteidigung. Das 800-Meter-Rennen der Frauen gewann die Schweizerin Audrey Werro in starken 1:54,81 Minuten vor der Britin Keely Hodgkinson und der Niederländerin Femke Broeders-Bol.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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