Wirtschaft

Netflix füllt Massen jetzt per KI auf

Netflix setzt auf KI für bislang unbezahlbare Szenen – doch ausgerechnet jetzt wachsen Zweifel, ob der Streaming-Riese seine Fans hält.

17.07.2026, 02:28 Uhr

Netflix setzt bei hunderten Titeln auf KI

Netflix hat nach eigenen Angaben allein in diesem Jahr bei rund 300 Produktionen Künstliche Intelligenz genutzt. Co-Chef Ted Sarandos erklärte vor Analysten, dass sich damit unter anderem Menschenmengen oder historische Schlachtszenen erzeugen lassen. Solche Sequenzen wären ohne KI in vielen Fällen aus Zeit- oder Kostengründen gar nicht realisiert worden, sagte er. Zugleich hob Sarandos hervor, dass KI für Netflix lediglich ein Hilfsmittel sei: Kreative Entscheidungen lägen weiterhin bei den Filmschaffenden.

Sorgen um die Bindung der Zuschauer

Die Vorlage der Quartalszahlen wurde von Skepsis an der Börse begleitet. Anleger fragen sich, wie erfolgreich der Streaminganbieter seine Kundschaft langfristig halten kann. In diesem Zusammenhang wurde auch der gescheiterte Versuch, Warner Brothers zu übernehmen, kritisch gesehen. Netflix war in dem Bieterwettstreit an Konkurrent Paramount gescheitert.

Zusätzliche Zweifel nährten Daten von Marktforschern, wonach selbst erfolgreiche Netflix-Serien ab der zweiten Staffel Zuschauer verlieren. Sarandos entgegnete, dass diese Rückgänge im Vergleich zum Vorjahr sogar geringer ausgefallen seien.

Künftig seltener Zahlen zur Popularität

Netflix will außerdem nur noch einmal pro Jahr statt bisher zweimal jährlich Daten zur Beliebtheit von Filmen und Serien veröffentlichen. Das Management betont, dass die reine Zahl der gestreamten Stunden nicht automatisch viel über die Einnahmen aussage. Co-Chef Greg Peters verwies darauf, dass Live-Übertragungen besonders viele neue Abonnenten anziehen, auch wenn sie insgesamt weniger Publikum erreichen als andere Inhalte.

Aktie nachbörslich deutlich im Minus

An der Börse kamen diese Aussagen nicht gut an. Im nachbörslichen US-Handel verlor die Netflix-Aktie rund neun Prozent. Belastend wirkte auch, dass der Umsatzausblick für das laufende Quartal unter den Erwartungen der Analysten lag. In den vergangenen Monaten hatte das Papier bereits mehr als 40 Prozent an Wert eingebüßt.

Netflix nennt inzwischen keine regelmäßigen Kundenzahlen mehr. Der Umsatz legte im vergangenen Quartal im Jahresvergleich jedoch um 13 Prozent auf 12,56 Milliarden Dollar zu, umgerechnet rund 10,98 Milliarden Euro. Der Gewinn stieg unter dem Strich um 8,8 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar.

Im Februar erhielt Netflix von Warner zudem 2,8 Milliarden Dollar als Vertragsstrafe, nachdem eine bereits vereinbarte Übernahme aufgehoben worden war. Dadurch fielen im vergangenen Quartal auch die Steuerzahlungen des Konzerns etwas höher aus.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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