Wirtschaft

Netflix enttäuscht – Aktie im Sinkflug

Netflix dominiert das Streaming – doch jetzt schwächelt der Gigant. Kann der Konzern mit seinem neuen Kurs die Wende schaffen?

20.10.2026, 23:10 Uhr

Netflix hat das vergangene Quartal mit dem schwächsten Wachstum seit Jahren abgeschlossen. Der Streaming-Marktführer will nun erreichen, dass Nutzer wieder mehr Zeit mit seinen Filmen und Serien verbringen. „Wir wollen der Unterhaltungs-Dienst sein, den man haben muss“, sagte Co-Chef Ted Sarandos in einer Analystenkonferenz. Sein Kollege Greg Peters ergänzte: „Wir wissen, dass wir es besser können.“

Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Umsatz um zwölf Prozent auf 12,9 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 11,5 Milliarden Euro. Das Plus fiel damit so niedrig aus wie seit drei Jahren nicht mehr, lag aber im Rahmen der Analystenerwartungen. Der Nettogewinn legte zugleich deutlich um rund 44 Prozent auf 3,66 Milliarden Dollar zu.

Zweifel an der Nutzer-Aktivität

Zwar bleibt Netflix im Videostreaming klar die Nummer eins, doch das Geschäft entwickelt sich aus Sicht des Unternehmens nicht mit dem gewünschten Tempo. Sarandos hatte bereits eingeräumt, dass das Wachstum hinter den Hoffnungen zurückbleibt. Zudem gab es in den vergangenen Monaten wiederholt Berichte von Marktforschern, wonach die Aktivität vieler Netflix-Nutzer nachlasse.

Auch bei den jüngsten Preisverleihungen blieben Filme und Serien des Anbieters weitgehend ohne große Erfolge. Nach vielbeachteten Hits wie Stranger Things und Squid Game fehlten Produktionen, die ähnlich stark den Zeitgeist trafen.

Neuer Programmchef

Vergangene Woche folgte dann ein einschneidender Schritt: Netflix strich rund sechs Prozent seiner Stellen, etwa 1.000 Beschäftigte verloren ihre Jobs. Die Veränderungen machten auch vor der Führungsetage nicht Halt. Bela Bajaria, die über Jahre das Programm verantwortete und eine Strategie verfolgte, mit einem möglichst breiten Angebot weltweit alle Zielgruppen anzusprechen, musste das Unternehmen verlassen.

Kurz darauf traf es auch Filmchef Dan Lin. Bajarias Aufgaben übernimmt nun Peter Rice, der zuvor bei traditionellen Hollywood-Studios wie Disney tätig war. In der Branche wird spekuliert, dass Netflix unter Rice künftig mehr Filme zunächst breit im Kino starten könnte.

Sarandos bekräftigte jedoch, dass Netflix in erster Linie auf Streaming ausgerichtet bleibe. „Das ist unser Kern“, sagte er. Zugleich will der Konzern einzelne Filme zunächst exklusiv in die Kinos bringen. So soll etwa der neue Narnia-Film von Barbie-Regisseurin Greta Gerwig zunächst 45 Tage lang nur im Kino laufen – ähnlich wie bei klassischen Studios.

Peters stellte zudem in Aussicht, dass Netflix sein in Frankreich getestetes Modell mit Partnern auch auf weitere Unternehmen ausweiten könnte. Dort ist das Programm des Senders TF1 bereits über die Netflix-Plattform verfügbar.

Gescheiterter Übernahmeversuch

Im vergangenen Jahr hatte Netflix versucht, durch einen großen Zukauf zu wachsen. Das Unternehmen wollte das Studio- und Streaminggeschäft von Warner Brothers für rund 80 Milliarden Dollar übernehmen. Damit hätte Netflix unter anderem Zugriff auf die TV-Bibliothek des Bezahlsenders HBO sowie auf für das Kino produzierte Filme erhalten.

Am Ende setzte sich jedoch der Hollywood-Konkurrent Paramount durch, der ein Angebot für den gesamten Konzern Warner Bros. Discovery inklusive Fernsehsendern wie CNN vorlegte. Die Netflix-Aktie liegt inzwischen mehr als 40 Prozent unter dem Niveau vor einem Jahr. Nach Veröffentlichung der aktuellen Geschäftszahlen verlor das Papier im nachbörslichen Handel zeitweise mehr als fünf Prozent.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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