Fußball

Fast-Coup gegen Atlético: Warum der VfB jetzt tobt

Stuttgart trotzt Madrid - und verpasst den ganz großen Coup. Warum ausgerechnet jetzt das alte Problem wieder alles überschattet.

21.10.2026, 05:33 Uhr

VfB Stuttgart ringt Atlético Madrid ein 1:1 ab – starke Leistung, aber Debatte um die Konstanz bleibt

Beim VfB Stuttgart überwog nach dem 1:1 (1:0) gegen Atlético Madrid ein gemischtes Gefühl aus Zufriedenheit und Enttäuschung. Die Schwaben überzeugten mit einem energischen Auftritt, haderten aber damit, dass am Ende trotz guter Chancen nur ein Punkt heraussprang.

Nationalspieler Maximilian Mittelstädt wollte an der Qualität der Mannschaft keinen Zweifel aufkommen lassen. Wer gegen Atlético in der Champions League so auftrete, sei zweifellos gut, betonte der Außenverteidiger. Wie gut der VfB aktuell tatsächlich ist, darüber gehen die Ansichten in Stuttgart jedoch weiterhin auseinander.

Sportvorstand Fabian Wohlgemuth sprach nach der Partie von viel Positivem. Vor allem die Vorstellung seiner Mannschaft habe Grund zur Freude gegeben. Mit Blick auf das Resultat sei jedoch mehr möglich gewesen. Nach seiner Einschätzung zeigte Stuttgart gegen die Spanier sogar das bislang beste Saisonspiel.

Wohlgemuth lobte insbesondere die Art und Weise, wie der VfB auftrat. Seine Mannschaft habe aggressiv, konzentriert und mutig gespielt – mit genau jener Mischung aus Intensität und spielerischer Qualität, für die sonst oft Atlético bekannt sei. Letztlich habe jedoch ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit und die mangelnde Chancenverwertung verhindert, dass sich das Team mit drei Punkten belohnte.

Effizienz bleibt das große Thema

Kapitän Deniz Undav wertete das Remis deutlich: Aus seiner Sicht habe der VfB zwei Punkte liegen lassen. Stuttgart war durch Jamie Leweling in der 36. Minute in Führung gegangen, ehe Julián Alvarez kurz nach der Pause (47.) ausglich.

Besonders ärgerlich aus Sicht der Gastgeber: Nach der Roten Karte gegen Madrids Morten Hjulmand in der 64. Minute spielte der Bundesligist fast eine halbe Stunde in Überzahl, konnte daraus aber kein weiteres Tor mehr machen.

Undav sah sein Team klar im Vorteil. Stuttgart habe zahlreiche Möglichkeiten herausgespielt, nutze diese aktuell jedoch nicht konsequent genug. Schon bei der 0:1-Niederlage beim Hamburger SV wenige Tage zuvor sei dieses Problem sichtbar gewesen. Die Effizienz im Abschluss dürfte daher in den kommenden Tagen ein zentrales Thema sein.

Champions League stark, Liga mit Nachholbedarf

Trotz des verpassten Sieges kann sich die Bilanz in der Königsklasse sehen lassen: Nach den ersten drei Spielen steht die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß bei sieben von neun möglichen Punkten und damit klar auf Kurs Richtung K.-o.-Phase.

Allerdings lohnt bei der Einordnung ein genauerer Blick. Sechs dieser sieben Zähler holte der VfB gegen die internationalen Außenseiter Viking Stavanger und Slovan Bratislava. Umgekehrt kassierten die Stuttgarter zwei ihrer bislang vier Bundesliga-Niederlagen gegen nationale Schwergewichte wie Bayern München und Borussia Dortmund. Der oft bemühte Gegensatz zwischen starkem Europa-Auftritt und schwächerer Liga-Form greift also nur bedingt.

Mittelstädt fordert die Energie auch gegen Gladbach

In der Bundesliga ist die Lage dennoch deutlich weniger komfortabel. Am Freitag wartet mit Borussia Mönchengladbach das aktuelle Schlusslicht. Für Wohlgemuth ist klar, dass beide Wettbewerbe für den VfB denselben Stellenwert haben. Man spare sich weder Ideen noch Einsatz für ein späteres Spiel auf.

Genau daran knüpfte auch Mittelstädt an. Die 100 Prozent und die Energie aus dem Atlético-Spiel müssten nun auch gegen Gladbach wieder auf den Platz kommen. Mit dieser Intensität sei Stuttgart eine Topmannschaft, sagte der 29-Jährige – und setzte damit einen etwas anderen Ton als Undav noch nach dem HSV-Spiel, als dieser betont hatte, der VfB sei derzeit keine Spitzenmannschaft.

Zwischen Achtungserfolg und verpasstem Coup

So blieb gegen Atlético ein Resultat zurück, das vor dem Anpfiff wohl jeder Stuttgarter unterschrieben hätte – das sich nach dem Spielverlauf aber eher mager anfühlte. Die Reaktionen schwankten deshalb zwischen Stolz auf die Leistung und Ärger über das Ergebnis.

Wohlgemuth sah im Auftritt dennoch mehr als nur einen Achtungserfolg. Aus der Partie lasse sich viel mitnehmen, vor allem Selbstvertrauen für die Rückkehr in den Bundesliga-Alltag. Der VfB sei für das Spiel gegen Gladbach sehr gut gerüstet. Entscheidend wird nun sein, die starke Leistung aus der Champions League auch in der Liga konstanter zu bestätigen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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