2019 traf sich ein enger Freundeskreis zum Abendessen – und fasste dabei einen folgenreichen Entschluss: Alle eingehenden Nachrichten mussten offen vorgelesen, Anrufe auf Lautsprecher angenommen werden. Was als Spiel begann, legte Lügen, Seitensprünge und verborgene Sehnsüchte offen. Daraus entstand damals Bora Dagtekins Film „Das perfekte Geheimnis“.
Nun erzählt der Regisseur, bekannt durch „Fack Ju Göhte“, wie es mit der Clique um Leo (Elyas M’Barek), Pepe (Florian David Fitz), Rocco (Wotan Wilke Möhring) und Simon (Frederick Lau) sowie ihren Partnerinnen weitergeht. Die Fortsetzung „Der perfekte Urlaub“ startet an diesem Donnerstag, dem 22. Oktober, in den Kinos. Bereits am Montagabend wurde der Film in München erstmals gezeigt.
Wiedersehen auf Mallorca
Die Handlung setzt nur wenige Wochen nach dem turbulenten Dinner des ersten Teils ein. Die Männerfreunde, die sich seit ihrer Kindheit kennen, reisen zunächst unabhängig voneinander nach Mallorca – auf die Lieblingsinsel vieler Deutscher.
Schnell zeigt sich jedoch, dass aus dem geplanten Männerurlaub nichts wird. Denn auch Evas, Carlottas und deren beste Freundin Maus haben sich in derselben Finca einquartiert. Als wäre das nicht schon kompliziert genug, brennt die Villa kurz nach der Ankunft auch noch ab. Eine neue Unterkunft muss her – und so landet die Münchner Bildungsbürger-Runde ausgerechnet in einem Hotel am Ballermann, wo sie einen heftigen Kulturschock erlebt.
Viel Mallorca, viel Klischee – aber wirkungsvoll
Dagtekin nutzt das Setting, um genüsslich mit typischen Mallorca-Bildern zu spielen: Sangria, Partyexzesse und die bekannten Eigenheiten deutscher Inselurlauber. Das erinnert stellenweise an Gerhard Polts Satire „Man spricht deutsh“, die sich einst über den deutschen Massentourismus im Süden lustig machte.

Zwar sind die Klischees um reservierte Liegen, Trinkgelage und Ballermann-Trupps keineswegs neu. Doch Dagtekin schafft es, das alles mit so viel Tempo, Witz und Präzision zu inszenieren, dass der Stoff dennoch frisch wirkt. Nach dem eher auf einen Ort konzentrierten ersten Film öffnet sich die Fortsetzung stärker, nutzt die Freiheiten der Urlaubsinsel und bringt dadurch mehr Leichtigkeit und Spielfreude in das Ensemble. Die Darsteller harmonieren im zweiten Teil sogar noch besser.
Beziehungen unter Druck
Während manche Dialoge im Vorgänger noch etwas konstruiert wirkten, lebt „Der perfekte Urlaub“ von Gesprächen, die sehr nah an echten Beziehungskonflikten erscheinen. Im Mittelpunkt stehen Verletzung, Vergebung, Wut, Trauer, Freude, Liebe und natürlich Freundschaft.
Rocco, der aus einem sehr persönlichen Grund nach Mallorca gekommen ist, blickt gemeinsam mit seiner Frau Eva plötzlich anders auf Familie und Partnerschaft. Pepe, der sich kürzlich geoutet hat, sucht noch immer seinen Platz und kann mit den teils klischeehaften Flirttipps seiner heterosexuellen Freunde wenig anfangen. Carlotta wiederum wird das Gefühl nicht los, dass Leo seine frühere Sexting-Affäre womöglich doch nicht ganz hinter sich gelassen hat.
Und auch alte Konflikte drängen wieder an die Oberfläche: Im ersten Film kam schließlich ans Licht, dass Eva und Simon, der beste Freund ihres Mannes, eine Affäre hatten. Gesprächsbedarf gibt es also reichlich.
Diana Amft als neue Figur
Ein kleiner Wermutstropfen ist die vergleichsweise kurze Präsenz von Jella Haase. Ihre Figur Bianca hatte Simon im ersten Teil verlassen, nachdem sie erfahren hatte, dass er mehrere Frauen geschwängert hatte. Entsprechend bleibt ihr Auftritt diesmal eher knapp.
Die Rolle der Außenstehenden, die der zerstrittenen Gruppe den Spiegel vorhält, übernimmt stattdessen Diana Amft. Als Katja, genannt „Maus“, Carlottas engste Freundin seit Kindergartentagen, bringt sie neue Dynamik in die Handlung. Allerdings greift der Film dabei auch auf das bekannte Komödienmuster der lustigen, männerfixierten besten Freundin zurück.
Etwas kurios wirkt zudem ein musikalischer Gastauftritt der No Angels, der dramaturgisch kaum vorbereitet ist. Dem Unterhaltungswert des Films schadet das insgesamt jedoch nur wenig.
Gute Chancen an den Erfolg anzuknüpfen
Produzentin Lena Schömann erklärte nach der Premiere, man habe die Geschichte bewusst auf neue Weise weitererzählen wollen. Manche Stoffe seien eben nach einem einzigen Film noch nicht auserzählt. Zwar fiel der Applaus bei der Erstaufführung eher zurückhaltend aus, dennoch hat die Fortsetzung durchaus das Zeug, an den Erfolg des Vorgängers anzuschließen, der mehr als fünf Millionen Menschen ins Kino lockte.
Für Regisseur Dagtekin bleibt der Kern ohnehin derselbe: Auch „Der perfekte Urlaub“ sei vor allem ein Film über Freundschaft – getragen von einem Ensemble, das er selbst zu den stärksten überhaupt zählt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber