Wirtschaft

Lagarde-Nachfolge: Euroländer müssen jetzt Namen nennen

Lagarde geht früher als geplant: Jetzt startet der Machtkampf um die EZB-Spitze – und die Euroländer müssen zuerst liefern.

03.11.2026, 14:08 Uhr

Euroländer sollen bis Freitag Vorschläge für EZB-Nachfolge einreichen

Die Staaten des Euroraums sollen bis zum kommenden Freitag Kandidatinnen und Kandidaten für die Nachfolge von Christine Lagarde an der Spitze der Europäischen Zentralbank benennen. Dazu habe Eurogruppen-Chef Kyriakos Pierrakakis die Mitgliedsländer aufgefordert, teilte ein Sprecher mit. Bei der nächsten Sitzung in der kommenden Woche soll zunächst eine erste Übersicht über den Stand der Nominierungen erstellt werden.

Lagarde geht früher als vorgesehen

Die Neubesetzung des EZB-Vorsitzes wird früher nötig als erwartet. Lagarde hatte in der vergangenen Woche angekündigt, ihr Amt bereits am 7. Februar 2027 niederzulegen – und damit rund neun Monate vor dem regulären Ende ihrer Amtszeit. Damit müssen die Staats- und Regierungschefs der 21 Eurostaaten die Nachfolge früher auf den Weg bringen.

Die Mitglieder des EZB-Direktoriums werden von den Staats- und Regierungschefs der EU ernannt. Grundlage dafür ist eine Empfehlung der Euroländer. Die Eurogruppe, in der die Wirtschafts- und Finanzminister der Länder mit Gemeinschaftswährung zusammenkommen, gilt dabei als wichtiges informelles Forum. Ihr nächstes Treffen ist für Montag, den 9. November, angesetzt.

Deutschland bringt Anspruch auf Spitzenposten ins Spiel

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat bereits klargemacht, dass Deutschland als größtes Land der Eurozone seinen Einfluss geltend machen will. Auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat Interesse an dem Amt signalisiert. Obwohl Deutschland die größte Volkswirtschaft Europas stellt, stand bislang noch nie ein Deutscher oder eine Deutsche an der Spitze der EZB.

Als aussichtsreiche Namen für die Nachfolge von Lagarde gelten derzeit unter anderem der frühere niederländische Notenbankchef Klaas Knot sowie der Spanier Pablo Hernández de Cos, der inzwischen die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) leitet.

Weitere Personalentscheidungen stehen bevor

Zusätzliche Bewegung kommt in die Debatte, weil im Laufe des nächsten Jahres auch EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel und Chefvolkswirt Philip R. Lane die Notenbank verlassen werden. Deshalb wird auf europäischer Ebene voraussichtlich nicht nur über eine einzelne Personalie, sondern über ein größeres Besetzungspaket verhandelt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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