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Raus aus der Hitzefalle: So retten Bäume Spielplätze

Glühende Rutschen, kein Schatten: Warum viele Spielplätze zur Hitzefalle werden – und ein Umbau Städten doppelt nützt

24.07.2026, 04:00 Uhr

Spielplätze in der Hitze: Viele Städte haben Nachholbedarf

Wenn im Sommer die Sonne ungebremst auf Klettergerüste, Schaukeln und Rutschen scheint, werden viele Spielplätze schnell zur Belastung. Metallflächen heizen sich stark auf, Beton und versiegelte Flächen in der Umgebung verstärken die Wärme zusätzlich. Gerade in dicht bebauten Städten sind Spielplätze für Kinder jedoch oft die wichtigsten Orte, um draußen zu spielen und sich zu bewegen. Fachleute fordern deshalb mehr Schutz vor Hitze.

Fehlende Standards für den Hitzeschutz

Nach Einschätzung von Anne-Charlotta Dehler vom Deutschen Kinderhilfswerk ist inzwischen zwar angekommen, dass auch Spielplätze an die Folgen der Klimakrise angepasst werden müssen. Einheitliche Vorgaben, an denen sich Städte und Gemeinden orientieren können, fehlen aber bislang. Während es klare Regeln etwa zu Sicherheit und Barrierefreiheit gibt, existieren keine verbindlichen Standards für konkrete Hitzeschutzmaßnahmen.

Problem liegt vor allem bei der Umsetzung

Auch Rolf Schwarz, Professor für kindliche Bewegungsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, sieht nicht fehlendes Wissen als Hauptproblem. Aus seiner Sicht hapert es vor allem daran, vorhandene Erkenntnisse in die Praxis zu übertragen. Besonders kleinere Kommunen hätten oft Schwierigkeiten, Klimaanpassung bei neuen oder sanierten Spielplätzen mitzudenken. Hinzu komme, dass entsprechende Lösungen mehr Planung erfordern und meist teurer sind. In Zeiten knapper kommunaler Budgets werde darauf daher häufig verzichtet.

Spielplätze bei Hitze
Es gibt beim Hitzeschutz auf Spielplätzen laut dem Kinderhilfswerk keine einheitlichen Standards, an denen sich Kommunen orientieren könnten. Quelle: Malin Wunderlich/dpa

Beispiel München: Heiße Rutsche sorgt für Kritik

Wie konkret das Problem werden kann, zeigte sich zuletzt in München. Die Stadt betreibt nach eigenen Angaben mehr als 820 Spielplätze. Auf der Theresienwiese wurde im vergangenen Sommer ein neuer Spielplatz eröffnet, der gemeinsam mit weiteren Spielstationen in der Umgebung für rund 3,2 Millionen Euro umgestaltet worden war. Kurz nach der Eröffnung wurde berichtet, dass sich eine über sieben Meter hohe Edelstahlrutsche in der prallen Sonne stark aufheizte.

Das zuständige Baureferat teilte mit, die Rutsche sei bewusst nach Osten ausgerichtet worden, um direkte Sonneneinstrahlung zur Mittagszeit möglichst zu verringern. An sehr heißen Tagen könne sie sich dennoch erwärmen, vor allem bei hochstehender Sonne. Eltern rät die Stadt, Kinder in den Mittagsstunden eher an den benachbarten, unter Bäumen gelegenen Spiel- und Sportbereichen spielen zu lassen.

Was Städte und Gemeinden tun können

Nach Ansicht von Expertinnen und Experten fehlt es vielen Spielplätzen vor allem an großen schattenspendenden Bäumen und weiterer Bepflanzung, die durch Verdunstung für Abkühlung sorgt. Schwarz nennt darüber hinaus eine Reihe weiterer Möglichkeiten: natürliche Untergründe wie Wiesen, Holzhackschnitzel oder schattig gelegene Sandflächen statt stark aufheizender Kunststoffböden, überdachte Spielbereiche, nach Norden ausgerichtete Rutschen sowie Wasserelemente wie Spielbrunnen oder Sprühnebel.

Einige Städte berücksichtigen die steigenden Temperaturen inzwischen bereits bei Neubauten und Umgestaltungen. München und Nürnberg setzen nach eigenen Angaben verstärkt auf zusätzliche Bäume und Sträucher. Auch Wasserspiele werden als Möglichkeit gesehen, die Aufenthaltsqualität bei Hitze zu verbessern.

In Berlin sieht der Hitzeaktionsplan unter anderem vor, öffentliche Spielplätze in besonders belasteten Stadtteilen genauer zu erfassen und zu prüfen, wie sich die Wärmebelastung senken lässt. Viele dieser Vorhaben sind allerdings auf längere Sicht angelegt.

Hitzeschutz hat Grenzen

Vollständig verschatten lassen sich Spielplätze jedoch nicht. Nürnbergs Zweiter Bürgermeister Andreas Krieglstein verweist darauf, dass auch sonnige Bereiche erhalten bleiben müssten, etwa für kühlere Jahreszeiten. Zudem könnten Spielgeräte aus Sicherheitsgründen nicht unmittelbar neben Bäumen stehen. Auch Wasserspiele seien nicht überall umsetzbar, da Technik, Betrieb und Pflege vergleichsweise teuer seien.

Mehr als nur Spielplatzplanung

Trotzdem hält Professor Schwarz Investitionen in Hitzeschutz für sinnvoll. Aus seiner Sicht ist moderner Spielplatzbau immer auch Teil der Stadtentwicklung. Gut platzierte Anlagen könnten dazu beitragen, Luftschneisen in der Stadt zu schaffen, durch die warme Luft besser abziehen kann.

Wichtig sei allerdings, Spielplätze nicht isoliert zu betrachten. Neue Bäume etwa brauchen viel Wasser. Deshalb müsse auch die Wasserversorgung mitgedacht werden. Als mögliche Lösung nennt Schwarz Zisternen, die Regenwasser sammeln. Damit ließen sich nicht nur Pflanzen versorgen, sondern auch Sprühnebelanlagen oder Spielbrunnen speisen.

Grüne Wege durch die Stadt

Nach Ansicht des Experten reicht es zudem nicht, nur einzelne schattige Spielplätze zu schaffen, wenn Kinder dorthin erst über überhitzte Straßen gelangen müssen. Gefragt sei eine Stadtplanung, die grüne Verbindungen durch die Quartiere zieht, damit Erholungsorte schnell erreichbar sind. Als Vorbild nennt Schwarz Freiburg: Dort sorgen die kleinen Wasserläufe in der Altstadt, die sogenannten Bächle, im Sommer nicht nur für Kühlung, sondern werden zugleich zum Spielraum für Kinder.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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