Bayern

Auschwitz-Zeitzeuge Höllenreiner ist tot

Er überlebte Auschwitz und entkam als Kind dem Todesmarsch – jetzt ist der Zeitzeuge Hermann Höllenreiner mit 92 gestorben.

19.10.2026, 11:33 Uhr

Auschwitz-Überlebender Hermann Höllenreiner mit 92 Jahren gestorben

Der Auschwitz-Überlebende Hermann Höllenreiner ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Wie der Hanser Verlag in München und das Internationale Auschwitz-Komitee mitteilten, starb er bereits am 16. Oktober im oberbayerischen Mettenheim bei Mühldorf am Inn im Kreis seiner Familie. Höllenreiner, den seine Angehörigen Mano nannten, entstammte einer großen bayerischen Sinti-Familie. Er überlebte das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sowie die Konzentrationslager Ravensbrück und Sachsenhausen.

Späte, aber eindringliche Zeugnisse

Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, würdigte Höllenreiner als bedeutenden Zeitzeugen. Erst relativ spät habe er begonnen, über seine Erlebnisse zu sprechen. Dann aber habe er eindrucksvoll von den Verbrechen in Auschwitz, von Tätern und Opfern und insbesondere von der bis heute fortbestehenden Diskriminierung von Sinti und Roma in Europa berichtet. Höllenreiner war 2013 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden.

Heubner erklärte weiter, Höllenreiners Lebensgeschichte umfasse Leid, das für mehrere Leben reichen würde. Was er als Kind in Auschwitz gesehen und erlitten habe, habe er über Jahrzehnte kaum in Worte fassen können. Viele Auschwitz-Überlebende weltweit seien ihm für seinen Mut und seine Menschlichkeit dankbar, weil er auch in ihrem Namen gesprochen habe.

Flucht vom Todesmarsch

Der gebürtige Münchner wurde im Alter von neun Jahren deportiert. Im Januar 1945 gelang ihm während eines sogenannten Todesmarsches die Flucht. Er war damals elf Jahre alt.

Hermann Höllenreiner
Höllenreiner überlebte das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sowie die Lager Ravensbrück und Sachsenhausen. (Archivbild) Quelle: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Die Autorin Anja Tuckermann hat seine Lebensgeschichte in dem Buch „Mano. Der Junge, der nicht wusste, wo er war“ festgehalten. Darin schildert sie, dass Höllenreiner nach seiner Flucht völlig entkräftet auf einer Landstraße liegen geblieben sei. Befreite Französinnen hätten ihn gefunden, gerettet und nach Frankreich mitgenommen. Dort lebte er bis Ende 1946 bei einer Pflegefamilie, die das schwer traumatisierte Kind aufnahm, ehe seine leibliche Familie in München ausfindig gemacht wurde und es zur Wiedervereinigung kam.

Würdigung als Stimme gegen das Vergessen

Auch die Stiftung Bayerische Gedenkstätten reagierte mit Trauer auf seinen Tod. Stiftungsdirektor Karl Freller bezeichnete Höllenreiner als wichtige Stimme der Sinti und Roma sowie als eindringlichen Mahner gegen das Vergessen. Durch seine Offenheit habe er entscheidend dazu beigetragen, den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma und das lange verdrängte Leid dieser Minderheit fest in der deutschen Erinnerungskultur zu verankern. Sein Einsatz und seine Haltung blieben Auftrag für die Zukunft.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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