Sammer setzt auf Mertesacker als Reformmotor beim DFB
Matthias Sammer verbindet mit dem künftigen Sport-Geschäftsführer des Deutschen Fußball-Bundes, Per Mertesacker, große Erwartungen. Bei der Diskussionsrunde „Sky Sport Impuls“ in München sagte der frühere Nationalspieler, er warte regelrecht auf Mertesacker. Aus seiner Sicht müsse der Weltmeister von 2014 die laufende Erneuerung im deutschen Fußball entscheidend voranbringen.
Sammer betonte, Mertesacker verfüge über die nötige Statur, Ausstrahlung und Erfahrung. Nun komme es darauf an, ein verständliches sportliches Konzept zu formulieren und dieses auch entschlossen zu verteidigen.
Sammer kennt die Strukturen des DFB aus eigener Erfahrung: Von 2006 bis 2012 war er selbst Sportdirektor des Verbandes. Deshalb weiß er, wie schwierig es ist, sich innerhalb des Apparats mit Ideen und Veränderungen durchzusetzen. In diesem Zusammenhang sagte der Europameister von 1996 auch, ein Teil der Verzweiflung sei in einer solchen Position gewissermaßen schon in der Bezahlung enthalten. Mit Blick auf Mertesacker machte er deutlich, dass dieser sich kompromisslos behaupten müsse. Sollte ihm das nicht gelingen, wäre er nach Sammers Ansicht nicht der Richtige für die Aufgabe.
Vertrauen in das Trio Mertesacker, Klopp und Wolf
Trotz aller Herausforderungen blickt Sammer optimistisch auf die künftige personelle Konstellation beim DFB. In der Zusammenarbeit von Mertesacker mit dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp sowie Hannes Wolf, dem Verantwortlichen für Nachwuchs und Entwicklung, sieht er großes Potenzial. Klopp sei jemand, der den Fußball weiterentwickeln wolle, während Wolf ähnliche Impulse auf der Ebene darunter setzen könne. An Mertesacker schätzt Sammer vor allem dessen Sachlichkeit und klare Haltung. Gerade deshalb sei er zuversichtlich.
Jetzt sei der richtige Moment für Veränderungen
Nach Sammers Einschätzung ist der Zeitpunkt längst gekommen, um die Nachwuchsförderung und die strategische Ausrichtung des deutschen Fußballs neu aufzustellen. Bei der Veranstaltung zum Thema „Viel Talent, wenig Weltklasse – wie gut bilden wir aus? Wege aus dem Dilemma des deutschen Fußballs“ sagte der 59-Jährige, für die Weiterentwicklung brauche es kein umfangreiches Werk mit Hunderten von Seiten. Aus seiner Sicht reiche vielmehr ein klarer Plan auf einer einzigen Seite.
Zugleich bot Sammer dem DFB weiterhin seine Unterstützung als Ansprechpartner an. Voraussetzung sei allerdings, dass manche Funktionäre ihre Ängste ablegten. Dann könne man über alles sprechen, denn für ihn gehe es allein um Inhalte.
Mehr Arbeit, mehr Mut, mehr Ausbildung
Sammer fordert vor allem bessere Grundlagen, eine stärkere Mentalität und mehr Einsatz in den Vereinen. Seiner Meinung nach werde vieles unnötig kompliziert gemacht. Stattdessen müsse im deutschen Fußball wieder mehr gearbeitet und intensiver trainiert werden. Zudem vermisst er den Mut, konsequent neue Wege zu gehen, und kritisierte, dass aus seiner Sicht vielerorts eher Feigheit als Entschlossenheit herrsche.
Gleichzeitig räumte Sammer ein, dass Vereine besonders beim Übergang von jungen Spielern in den Profibereich vor großen Schwierigkeiten stehen. Dennoch bleibt für ihn ein Punkt entscheidend: Wer nicht den festen Willen habe, sich durchzusetzen, sei für den Spitzenfußball letztlich nicht geeignet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber