Die Mäc Geiz Handelsgesellschaft mbH hat beim Amtsgericht Halle (Saale) Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das geht aus einer Mitteilung auf der offiziellen Plattform Insolvenzbekanntmachungen.de hervor. Betroffen ist auch die MTH Retail Services (Germany) GmbH, die Verwaltungsaufgaben übernimmt. Zum vorläufigen Sachwalter wurde der Rechtsanwalt Lucas Flöther bestellt.
Der Geschäftsbetrieb in den gut 180 Filialen soll zunächst ohne Änderungen weiterlaufen. Das Unternehmen betont jedoch, dass angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage eine grundlegende Neuaufstellung nötig sei. In diesem Zuge werden auch Filialschließungen geprüft. Nach Unternehmensangaben sollen nun sämtliche Standorte auf wirtschaftliche Lage und Profitabilität untersucht werden. Welche Filialen betroffen sein könnten, ist bislang offen.
Für die Beschäftigten ist die Zahlung von Insolvenzgeld für drei Monate gesichert. Mäc Geiz mit Sitz in Landsberg in Sachsen-Anhalt beschäftigt nach eigenen Angaben knapp 1.200 Menschen. Die Filialen befinden sich vor allem in Ostdeutschland.
Der Non-Food-Discounter verkauft unter anderem Haushaltswaren, Drogerieartikel und Schreibwaren und steht im Wettbewerb mit Ketten wie Action, Tedi und Woolworth. Viele dieser Produkte sind inzwischen allerdings auch bequem online erhältlich – etwa über Amazon, Temu oder andere Plattformen.
Als Gründe für den Insolvenzantrag nennt das Unternehmen die anhaltende Kaufzurückhaltung der Verbraucher, gestiegene Lebenshaltungskosten, wirtschaftliche Unsicherheiten und den zunehmenden Wettbewerbsdruck durch den Onlinehandel. Aus dem Unternehmensumfeld heißt es zudem, dass die Kündigung der Warenkreditversicherung die Lage zusätzlich verschärft habe.
Erst vor kurzer Zeit hatte Mäc Geiz den Eigentümer gewechselt: Die Kodi Beteiligungs GmbH übernahm die Kette. Zuvor gehörte das Unternehmen zur österreichischen MTH Retail Group. Beide Markennamen sollen weiterhin bestehen bleiben. Kodi sitzt in Oberhausen und betreibt rund 150 Filialen, vor allem in Westdeutschland. Auch Kodi war zuvor bereits von einer Insolvenz betroffen.
Einzelhandel unter massivem Druck
Der Fall Mäc Geiz reiht sich in eine zunehmend angespannte Lage im stationären Einzelhandel in Deutschland ein. Nach einer Prognose des Handelsverbands Deutschland (HDE) dürfte die Zahl der Geschäfte in diesem Jahr erstmals unter 300.000 sinken. Seit Jahren schließen deutlich mehr Läden, als neu eröffnen.
Wie ernst die Situation ist, zeigt auch eine aktuelle Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts: Im April stuften 17,4 Prozent der Einzelhändler ihre Lage als existenzbedrohend ein – so viele wie nie zuvor. Gleichzeitig befindet sich die Zahl der Insolvenzen in der Branche auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. Laut Allianz Trade wurden im vergangenen Jahr 2.571 Insolvenzen im Einzelhandel gezählt, Experten rechnen mit weiter steigenden Zahlen.
Zuletzt mussten bereits mehrere Handelsunternehmen Insolvenz anmelden oder Filialen schließen. Betroffen waren unter anderem die Unternehmensgruppe Brüder Schlau mit der Fachmarktkette Hammer, der Discounter Pepco, der Dekohändler Depot, Kodi sowie die Warenhauskette Galeria.
Wandel des Einkaufsverhaltens verschärft die Krise
Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts IFH Köln werden nur noch 64 Prozent der Umsätze mit Waren der Kernbranchen in klassischen Verkaufsräumen erzielt. Der reine Produktverkauf verliert demnach an Bedeutung, während Dienstleistungen und andere handelsferne Bereiche an Gewicht gewinnen. Gleichzeitig entstehen in vielen Regionen Versorgungslücken, weil immer mehr Geschäfte verschwinden. Das verändere auch das Einkaufsverhalten und treibe zusätzliche Kundschaft ins Internet.
Nach Einschätzung von Branchenexperten stehen Fachhandel und Discounter gleichermaßen unter Druck. Besonders asiatische Plattformen gewinnen bei jüngeren Konsumenten an Bedeutung. Eine Untersuchung von IW Consult im Auftrag des HDE kommt zu dem Ergebnis, dass allein Temu und Shein dem deutschen Einzelhandel jährlich rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz entziehen.
Ende 2015 hatte es laut HDE noch rund 372.000 Geschäfte in Deutschland gegeben. Inzwischen sind bereits Zehntausende Läden verschwunden. Der Verband warnt deshalb vor zunehmenden Leerständen in Innenstädten und weiteren Versorgungslücken. Der Fall Mäc Geiz gilt vielen Beobachtern als weiteres Zeichen für den tiefgreifenden Umbruch im Handel.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion