Pflanzendrinks aus Hafer, Soja oder Mandeln sind in vielen Haushalten längst Alltag. Gleichzeitig halten sich zahlreiche Annahmen darüber, ob sie gesünder als Kuhmilch sind, Allergikern helfen oder das Klima entlasten. Ein Blick auf die Fakten zeigt: Manche Aussagen stimmen teilweise, viele sind so pauschal jedoch nicht haltbar.
Behauptung: Pflanzendrinks sind gesünder als Kuhmilch
Bewertung: falsch
Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) liefert Kuhmilch von Natur aus mehrere wichtige Nährstoffe: gut verfügbares Eiweiß, Calcium sowie Vitamine und Jod. Diese Stoffe sind unter anderem für Muskeln und Knochen wichtig. Pflanzliche Alternativen enthalten solche Nährstoffe oft nur dann in nennenswertem Umfang, wenn sie zusätzlich angereichert wurden. Wer auf Milchprodukte verzichtet, sollte daher die Zutatenliste genau prüfen oder fehlende Nährstoffe auf anderem Weg aufnehmen.
Behauptung: Bio-Pflanzendrinks gleichen die Nährstoffe von Kuhmilch aus
Bewertung: falsch
Dass Bio-Produkte automatisch auch nährstoffreicher sind, trifft bei pflanzlichen Milchalternativen nicht zu. Nach der EU-Öko-Verordnung dürfen Vitamine und Mineralstoffe Bio-Lebensmitteln nur zugesetzt werden, wenn dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Für Pflanzendrinks gibt es eine solche Pflicht aber nicht. Deshalb dürfen ihnen Calcium, Jod oder Vitamine in der Regel nicht einfach hinzugefügt werden. Manche Anbieter setzen auf Mischprodukte, etwa mit calciumhaltigen Algen, doch diese Praxis gilt rechtlich als umstritten.

Behauptung: Für Allergiker sind Pflanzendrinks grundsätzlich die bessere Wahl
Bewertung: überwiegend falsch
Menschen mit Milcheiweißallergie oder Laktoseintoleranz greifen zwar häufig zu Pflanzendrinks, doch auch diese Produkte sind nicht automatisch unproblematisch. Je nach Grundlage können sie selbst Allergene enthalten, etwa Soja, Nüsse, Hafer beziehungsweise Gluten oder Lupinen. Solche Stoffe müssen gekennzeichnet werden.
Hinzu kommt: Hinweise wie „Kann Spuren von … enthalten“ schaffen laut Deutschem Allergie- und Asthmabund nicht immer Klarheit. Selbst wenn ein Produkt nicht direkt aus einem Allergen hergestellt wird, können über Produktionsanlagen oder Lieferketten unbeabsichtigte Einträge entstehen.
Behauptung: Kinder brauchen Kuhmilch für ein gesundes Wachstum
Bewertung: teilweise richtig
Vor allem kleine Kinder benötigen eine verlässliche Versorgung mit Calcium, Jod, Vitamin B2, Vitamin B12 und Eiweiß. Pflanzendrinks enthalten diese für Milch typischen Nährstoffe von Natur aus jedoch meist nicht oder nur in sehr geringen Mengen. Das Netzwerk „Gesund ins Leben“, das vom Bundesernährungsministerium initiiert wurde, betont deshalb, dass Pflanzendrinks kein gleichwertiger Ersatz für Kuhmilch sind.
Wenn Eltern dennoch auf Milchprodukte verzichten möchten, raten Fachleute zu einer qualifizierten Ernährungsberatung, damit keine Versorgungslücken entstehen.
Gleichzeitig ist die wissenschaftliche Datenlage zu langfristigen Folgen noch begrenzt. Das Max Rubner-Institut weist darauf hin, dass die Auswirkungen auf Wachstum und spätere Gesundheit bislang nicht ausreichend erforscht sind. Hinweise aus Vergleichsstudien deuten jedoch darauf hin, dass ein hoher Konsum pflanzlicher Milchalternativen in frühen Lebensjahren das Risiko für gesundheitliche Nachteile erhöhen könnte.
Behauptung: Pflanzendrinks sind besser fürs Klima
Bewertung: weitgehend richtig
Bei der Umweltbilanz schneiden pflanzliche Alternativen insgesamt günstiger ab als Kuhmilch. Studien zeigen, dass Kuhmilch pro Liter deutlich mehr Treibhausgase verursacht, mehr Fläche benötigt, den Wasserverbrauch erhöht und stärker zur Überdüngung beiträgt.
Allerdings gibt es auch unter den Pflanzendrinks Unterschiede. Mandeldrinks brauchen zum Beispiel weniger Fläche und verursachen geringere Emissionen als Sojadrinks, können aber beim Wasserverbrauch oder bei der Überdüngung schlechter abschneiden. Einen klaren Sieger in allen Umweltkategorien gibt es daher nicht.
Behauptung: Sojamilch macht Männer unmännlich
Bewertung: falsch
Das in sozialen Netzwerken verbreitete Klischee, Soja könne Männer „verweiblichen“, ist wissenschaftlich nicht belegt. Zwar enthält Soja sogenannte Isoflavone, die dem Hormon Östrogen ähneln. Eine 2020 in „Reproductive Toxicology“ veröffentlichte Meta-Analyse zahlreicher klinischer Studien fand jedoch keine messbaren Auswirkungen von Sojaprodukten oder Isoflavon-Präparaten auf den Testosteron- oder Östrogenspiegel bei Männern.
Behauptung: Milch und Käse dürfen nur von Tieren stammen
Bewertung: richtig – mit Ausnahmen
Nach europäischem Lebensmittelrecht sind Bezeichnungen wie „Milch“, „Sahne“ oder „Käse“ grundsätzlich Produkten vorbehalten, die aus dem Euter von Säugetieren wie Kühen, Schafen, Ziegen oder Büffeln stammen. Namen wie „Hafermilch“ oder „Sojasahne“ sind deshalb offiziell nicht zulässig.
Es gibt jedoch Ausnahmen für traditionelle Begriffe. Erlaubt sind etwa Bezeichnungen wie „Kokosmilch“ oder „Erdnussbutter“. Auch in Deutschland bestehen Sonderfälle wie „Leberkäse“ und „Liebfraumilch“.
Fazit
Pflanzendrinks sind weder automatisch gesünder noch für alle Menschen die bessere Wahl. Sie können in vielen Fällen sinnvoll sein, etwa aus Umweltgründen oder bei Unverträglichkeiten, ersetzen Kuhmilch ernährungsphysiologisch aber nicht ohne Weiteres. Wer dauerhaft auf Milchprodukte verzichtet, sollte besonders auf die Nährstoffversorgung achten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion