Bayern

Zu spießig? Die Wiesn-Trends schocken!

O’zapft is! Vor der Wiesn kommt die große Stilfrage: Welche Dirndl und Lederhosen gehen noch – und womit blamiert man sich?

06.09.2026, 04:00 Uhr

Die Trachtenmode entwickelt sich in diesem Jahr weiter in Richtung klassisch und bodenständig: Dirndl werden noch länger, wirken traditioneller, und farblich dominieren vor allem Rot-, Grün- und Brauntöne. Auf sportliche Kombinationen wie Turnschuhe sollte dabei besser verzichtet werden.

Nach Einschätzung von Trachtenkennern orientiert sich die aktuelle Mode stark an historischen Vorbildern. Tobias Appl, Bezirksheimatpfleger in der Oberpfalz, beobachtet, dass sich sowohl Schnitte als auch Farben wieder sehr traditionell präsentieren. Der Begriff „altmodisch“ falle dabei mitunter durchaus positiv.

Dirndl reichen meist über das Knie

Besonders auffällig ist die Länge der Kleider: Praktisch alle Dirndl enden inzwischen unterhalb des Knies, viele Modelle sind zudem hochgeschlossen. Was vor einigen Jahren von jüngeren Trägerinnen wohl noch als zu konservativ oder „spießig“ empfunden worden wäre, gilt heute wieder als stilvoll. Auch die günstigen Billig-Dirndl, wie sie früher in Pop-up-Läden rund um den Münchner Hauptbahnhof verkauft wurden, sind kaum noch zu sehen.

Farben: gedeckt, elegant und harmonisch

Bei den Damen stehen laut Axel Munz, Geschäftsführer des Trachtenhauses Angermaier, vor allem Rot- und Grüntöne im Mittelpunkt. Der Eichstätter Kunst- und Modeexperte Rainer Wenrich nennt außerdem lange Dirndl in gedeckten Grüntönen wie Apfel oder Oliv sowie erdige Nuancen. Auch feine Pastellfarben, Vanille und Beerentöne prägen den aktuellen Stil.

Ton in Ton bleibt gefragt

Sehr präsent ist zudem der sogenannte Ton-in-Ton-Look. Dabei werden Dirndl und Bluse farblich aufeinander abgestimmt, was dem Gesamtbild eine elegante Wirkung verleiht. Bei den Blusen sind dezente Puff- und Rüschenärmel beliebt. Verarbeitet werden vor allem hochwertige Stoffe wie Leinen, Samt, Kord und matt schimmernde Seide.

Munz zufolge sind außerdem Dirndl und Blusen mit Flügelärmeln im Trend, teils sogar in abnehmbarer Form. Auch Spitze ist gefragt, ebenso Samt mit Stickereien wie Enzian oder Edelweiß. Bei den Längen gewinnen neben den klassischen Midimaßen von 65 und 70 Zentimetern zunehmend auch 75- und 80-Zentimeter-Varianten an Bedeutung.

Seidentücher als besonderer Akzent

Etwas verspielter fällt ein Trend aus, den Alexander Wandinger von der Trachtenfachberatung Oberbayern hervorhebt: Hochwertige Seidentücher werden in die Schleife der Schürze eingebunden. Das funktioniert auch dann, wenn das Schürzenband hinten mit einer Schließe geschlossen wird – das Tuch übernimmt dann die Rolle einer dekorativen Schleife und wird zum Blickfang.

Männer setzen auf Originalität

Auch bei den Männern zeigt sich laut Wandinger ein stärkeres Interesse an Kombinationen mit besonders schönen historischen Originalstücken. Weniger gern gesehen sind nach Ansicht von Angermaier-Chef Munz Tennissocken zur Lederhose, schlecht sitzende oder ausgebeulte Hosen, Kurzarmhemden sowie Lederhosen aus Kunststoff.

Influencerin und Wiesn-Besucherin Cathy Hummels sieht das größte Stilproblem generell darin, sich für das Oktoberfest bloß zu verkleiden. Tracht sei kein Kostüm, betont sie. Modische und mutige Interpretationen seien zwar erlaubt, doch der Auftritt solle immer hochwertig wirken.

Tracht ist kein Muss mehr

Appl weist mit Blick auf das Gäubodenfest in Straubing zudem darauf hin, dass der frühere Eindruck einer gewissen Pflicht zur Tracht bei Volksfesten weiter nachgelassen habe. Die Zeit, in der traditionelle Kleidung fast wie eine Voraussetzung für den Festzeltbesuch wirkte, sei seiner Einschätzung nach endgültig vorbei. Wer also ohne Dirndl oder Lederhose feiern möchte, müsse sich heute deutlich weniger unter Druck gesetzt fühlen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen