Weltcup-Auftakt in Sölden: Wer startet als Favorit in den Ski-Winter?
Mit den Rennen auf dem Rettenbachferner in Sölden beginnt die neue Weltcup-Saison. Am Samstag stehen die Frauen im Riesenslalom am Start, am Sonntag folgen die Männer. Beide Rennen werden jeweils um 10.00 Uhr und 13.00 Uhr ausgetragen und live in ARD sowie bei Eurosport gezeigt.
Im Fokus zum Saisonstart stehen die großen Namen des Winters, die Rolle von Deutschlands Hoffnungsträgerin Emma Aicher und die Frage, wie sich die zahlreichen verletzten Stars zurückmelden.
Shiffrin und Odermatt bleiben die Maßstäbe
Bei den Frauen führt an Mikaela Shiffrin weiterhin kaum ein Weg vorbei. Die Amerikanerin prägt den alpinen Skisport seit Jahren wie kaum eine andere: drei Olympiasiege, acht WM-Titel und 110 Weltcup-Erfolge sprechen für sich. Ob sie erneut voll auf den Gesamtweltcup geht und damit ihren siebten Triumph anpeilt, ist noch offen. Die 31-Jährige hatte angekündigt, ihren Schwerpunkt etwas zu verlagern: weniger Slalom, dafür mehr Einsätze im Riesenslalom und Super-G. Trotzdem zählt sie selbstverständlich wieder zum engsten Favoritenkreis.
Bei den Männern startet Marco Odermatt einmal mehr als Topanwärter auf die große Kristallkugel. Der Schweizer hat den Gesamtweltcup zuletzt fünfmal hintereinander gewonnen und gilt weiterhin als der Gejagte. Eine im August erlittene kleinere Muskelverletzung sei inzwischen überstanden. Dennoch könnte es in diesem Winter enger werden als zuletzt.
Lucas Pinheiro Braathen, der inzwischen für Brasilien fährt, traut sich in dieser Saison zu, ernsthaft in den Kampf um den Gesamtweltcup einzugreifen. Im vergangenen Winter sicherte er sich im Riesenslalom Olympia-Gold und den Sieg in der Weltcupwertung. Weil er zudem auch im Slalom stark einzuschätzen ist, könnte er Odermatt deutlich stärker unter Druck setzen.

Auch in den Speed-Disziplinen drängen neue Namen nach vorne. Besonders im Blickpunkt stehen der Schweizer Doppel-Olympiasieger Franjo von Allmen und der italienische Kitzbühel-Sieger Giovanni Franzoni.
Emma Aicher als deutsche Hoffnungsträgerin
Aus deutscher Sicht richtet sich der Blick vor allem auf Emma Aicher. Die 22-Jährige ist inzwischen das Aushängeschild des Deutschen Skiverbands. Nach zwei Olympia-Silbermedaillen, drei Weltcup-Siegen und sechs weiteren Podestplätzen im vergangenen Winter hat sie sich in den Kreis der absoluten Topfahrerinnen geschoben. Beinahe hätte sie sogar den Gesamtweltcup gewonnen.
Entsprechend groß sind die Erwartungen. DSV-Sportvorstand Wolfgang Maier versucht allerdings, die Euphorie etwas zu bremsen. Aicher habe in der vergangenen Saison einen außergewöhnlich starken Lauf gehabt, sagte er zuletzt. Die Rolle der Topfavoritin will man ihr deshalb nicht vorschnell aufladen.
Trotzdem gilt: Nur wenige Athletinnen kommen realistisch für den Gewinn des Gesamtweltcups infrage – und Aicher gehört dazu. Im Slalom sollen Lena Dürr und Linus Straßer wieder häufiger in Richtung Podium fahren. Im Riesenslalom präsentieren sich die deutschen Männer mit Fabian Gratz, Anton Grammel und dem immer wieder von Verletzungen zurückgeworfenen Alexander Schmid konkurrenzfähig. In den Speed-Disziplinen fehlt der Anschluss an die absolute Weltspitze allerdings noch.
Viele prominente Ausfälle zum Start
Vor dem Auftakt ist die Liste der verletzten oder angeschlagenen Topstars lang. Lindsey Vonn wird nach ihrem schweren Olympia-Sturz wohl erneut operiert werden müssen und dürfte in dieser Saison kaum zum Einsatz kommen.
Auch Sofia Goggia kann in Sölden nicht angreifen. Die italienische Abfahrtsspezialistin kämpft derzeit mit zwei Virusinfektionen. Ihre Teamkollegin Federica Brignone fehlt ebenfalls. Nachdem sie sich nach einer schweren Knieverletzung im Februar mit zwei Olympiasiegen eindrucksvoll zurückgemeldet hatte, machen ihr nun gesundheitliche Probleme zu schaffen.
Bei den Männern fällt Aleksander Aamodt Kilde länger aus. Der Norweger zog sich im Training erneut eine schwere Verletzung zu und laboriert an einem Achillessehnenriss. Auch Cyprien Sarrazin arbeitet weiter an seinem Comeback. Der Franzose, einst Doppelsieger in Kitzbühel, hat die Folgen seines heftigen Trainingssturzes in Bormio vor knapp zwei Jahren noch immer nicht vollständig überwunden.
Und Marcel Hirscher? Im vergangenen Jahr war seine Rückkehr in Sölden das große Gesprächsthema. Diesmal fehlt der achtmalige Gesamtweltcupsieger wegen der Nachwirkungen eines Kreuzbandrisses. Der Salzburger plant jedoch, im Laufe des Winters wieder Rennen zu bestreiten.
Diese Termine stechen im Kalender heraus
Sölden bildet traditionell den Auftakt in den Weltcup-Winter. Fixpunkte im Kalender sind außerdem seit Jahren die Nachtslaloms der Männer in Madonna di Campiglio kurz vor Weihnachten und in Schladming Ende Januar.
Nach dem Jahreswechsel reiht sich ein Klassiker an den nächsten: Adelboden, Wengen und natürlich Kitzbühel. Dort stehen vom 22. bis 24. Januar die legendären Hahnenkamm-Rennen auf dem Programm.
Bei den Frauen geht es Mitte Januar auf die Olympia-Strecke nach Cortina d’Ampezzo, wo drei Speed-Rennen ausgetragen werden. Aus deutscher Sicht zählen vor allem die Weltcup-Wochenenden in Garmisch-Partenkirchen zu den Höhepunkten – bei den Männern am 20. und 21. Februar, bei den Frauen am 27. und 28. Februar.
Der größte Höhepunkt der gesamten Saison findet allerdings schon davor statt: die Weltmeisterschaft im schweizerischen Crans-Montana vom 1. bis 14. Februar.
Das ist im neuen Winter anders
Neu im Kalender ist ein Frauen-Wochenende in Gosau. Dort werden am 28. und 29. Dezember erstmals ein Riesenslalom und ein Slalom ausgetragen.
Eine wichtige Veränderung gab es zudem abseits der Pisten. Im Juni gewann der Liechtensteiner Alexander Ospelt eine knappe und viel beachtete Wahl gegen den bisherigen Fis-Präsidenten Johan Eliasch. Ospelt soll den Weltverband aus der Krise führen.
Eliasch war vor allem bei den großen Skinationen seit längerem umstritten und stand in der Kritik, die Fis finanziell in eine schwierige Lage gebracht zu haben. Unter Ospelt hoffen nicht nur die Verantwortlichen des DSV auf mehr Offenheit, klarere Kommunikation und neue Stabilität im Verband.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber