Wirtschaft

IWF warnt: Deutschlands Wachstum noch schwächer

Öl-Schock durch Hormus-Blockade: Sprit wird teurer, Inflation zieht an – und der IWF kassiert Deutschlands Prognose erneut.

08.07.2026, 15:01 Uhr

IWF kürzt Ausblick für Deutschland erneut

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Erwartungen für die deutsche Wirtschaft wegen der Folgen des Kriegs mit Iran abermals nach unten angepasst. Nach Angaben der Organisation aus Washington dürfte die Bundesrepublik bis mindestens 2027 schwächer wachsen als bislang angenommen. Für das laufende Jahr rechnet der IWF nun nur noch mit einem Plus von 0,7 Prozent und damit 0,1 Prozentpunkte weniger als zuvor. Auch für 2027 wurde die Prognose gesenkt: Statt der im April erwarteten Werte geht der Fonds nun von 1,0 Prozent Wachstum aus, also 0,2 Punkte weniger.

Sollte der Konflikt erneut eskalieren, könnten daraus zusätzliche Belastungen für die Konjunktur weltweit entstehen.

Der IWF reiht sich damit in andere eher düstere Einschätzungen ein. Sowohl die Bundesregierung als auch die sogenannten Wirtschaftsweisen erwarten für dieses Jahr lediglich 0,5 Prozent Wachstum. Die Bundesbank geht ebenfalls nur noch von einem kalenderbereinigten Mini-Plus in dieser Größenordnung aus. Bereits 2025 hatte Deutschland mit einem Wachstum von nur 0,2 Prozent nur knapp ein drittes Jahr ohne wirtschaftliche Expansion in Folge vermieden.

Weltwirtschaft wächst robuster als Deutschland

International fällt das Bild trotz neuer Abstriche freundlicher aus als für Deutschland. Für die Weltwirtschaft erwartet der IWF in diesem Jahr nun ein Wachstum von 3,0 Prozent. Das sind 0,1 Prozentpunkte weniger als noch im Frühjahr prognostiziert. Für 2027 zeigen sich die Ökonomen dagegen etwas zuversichtlicher: Hier wird nun ein Plus von 3,4 Prozent erwartet, also 0,2 Punkte mehr als bisher.

Auch für die Eurozone wurden die Aussichten etwas eingetrübt. Für dieses Jahr rechnet der IWF mit einem Wachstum von 0,9 Prozent, was 0,2 Prozentpunkte weniger sind als bislang. Im Jahr 2027 dürfte die Wirtschaft im Euroraum laut Prognose um 1,2 Prozent zulegen.

IWF sieht Risiken durch den Iran-Krieg

Der Fonds warnt, dass ein erneutes Aufflammen des Konflikts mit Iran die Unsicherheit an den Rohstoffmärkten weiter verschärfen könnte. Besonders betroffen wären Lieferketten und Energiepreise, die dadurch noch stärker steigen könnten. Zwar hätten sich die Energiemärkte nach der Blockade der Straße von Hormus schneller entspannt als zunächst befürchtet. Dennoch sei die Lage alles andere als harmlos: Laut IWF liegen die Energiepreise noch immer rund 25 Prozent über dem Niveau vor Kriegsbeginn.

Zuletzt hatten eine Waffenruhe zwischen den USA und Iran sowie ein Rahmenabkommen zwischen beiden Seiten die Märkte vorübergehend beruhigt. Die Preise gaben gegenüber den Höchstständen vom April etwas nach. Von echter Entspannung kann aber wegen der instabilen Lage im Nahen Osten keine Rede sein. Zusätzlich verschärften die USA den Druck erneut und setzten gelockerte Sanktionen gegen iranisches Öl wieder in Kraft. Eine erst vor gut zwei Wochen gewährte Ausnahme wurde laut US-Finanzministerium gestrichen. Die Ölmärkte reagierten sofort mit steigenden Preisen.

KI stützt die Konjunktur

Dämpfend auf den globalen Abschwung wirkte nach Einschätzung des IWF die Entwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz. Fortschritte bei KI-Technologien und die Einführung neuer Modelle hätten die wirtschaftliche Dynamik gestützt. Vor allem Länder wie Südkorea und Taiwan, die wichtige Hardware für KI-Anwendungen exportieren, profitierten davon mit spürbar stärkeren Wachstumsraten.

Inflation bleibt hoch

Wegen der gestiegenen Energiepreise ist die weltweite Gesamtinflation laut IWF im Mai bereits den dritten Monat in Folge gestiegen. Für dieses Jahr erwartet die Organisation nun eine Inflationsrate von 4,7 Prozent. Im April hatte sie noch 4,4 Prozent vorausgesagt. Für 2027 dürfte sich die Teuerung zwar wieder abschwächen, mit 3,9 Prozent aber weiter deutlich über dem langfristig angestrebten Ziel von 2 Prozent liegen. Auch dieser Wert fällt um 0,2 Prozentpunkte höher aus als noch im Frühjahr.

Angesichts des anhaltenden Preisdrucks rechnet der IWF vorerst nicht mit deutlichen Zinssenkungen in den USA oder im Euroraum. Solange die Inflation hartnäckig bleibt und die Wirtschaft nur moderat nachgibt, dürfte eine spürbare Lockerung der Geldpolitik zur Wachstumsstützung ausbleiben.

Zuletzt hatte die US-Notenbank Fed den Leitzins in einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Die Europäische Zentralbank erhöhte dagegen erstmals seit fast drei Jahren den Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent.

Prognosen womöglich schon wieder überholt

Seinen Berechnungen legt der IWF zugrunde, dass die Straße von Hormus ab Mitte Juli schrittweise wieder geöffnet wird und der Schiffsverkehr nach und nach anläuft. Die Meerenge ist für den weltweiten Energiehandel von zentraler Bedeutung. Nach Annahme des Fonds könnte sich die Lage bis März 2027 weitgehend auf das Vorkriegsniveau normalisieren. Größere Engpässe sollen demnach auch dadurch vermieden werden, dass Staaten ihre Reserven anzapfen. In manchen Schwellen- und Entwicklungsländern sei dies allerdings mangels Vorräten kaum möglich.

Nach den jüngsten Spannungen zwischen Washington und Teheran wirkt dieses Szenario jedoch zunehmend fraglich. Das US-Militär griff nach Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormus in der vergangenen Nacht zahlreiche Ziele im Iran an. Parallel dazu traten die US-Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Irans Streitkräfte kündigten Medienberichten zufolge eine Reaktion auf die Angriffe an. Kurz darauf meldete die Armee des mit den USA verbündeten Kuwait feindlichen Beschuss, auch in Bahrain wurden am frühen Morgen Warnsirenen ausgelöst. Dabei hatten die USA und Iran eigentlich eine Waffenruhe vereinbart.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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