IG Metall Bayern fordert fünf Prozent mehr Lohn in der Metall- und Elektroindustrie
Die IG Metall Bayern geht mit einer im Vergleich zu den Vorjahren zurückhaltenderen Forderung in die kommende Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie. Die Gewerkschaft verlangt fünf Prozent mehr Entgelt sowie 110 Euro zusätzlich für Auszubildende. Der neue Tarifvertrag soll eine Laufzeit von zwölf Monaten haben. Das teilte der bayerische Bezirksverband nach einer Sitzung der Tarifkommission in München mit. Für die unteren Entgeltgruppen ist zudem eine soziale Komponente vorgesehen. Die erste Verhandlungsrunde ist für den 8. Oktober angesetzt.
Von Arbeitgeberseite kommt deutliche Kritik. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands vbm, Bertram Brossardt, bezeichnete die Forderungen als zu hoch und wirtschaftlich nicht tragbar. Angesichts der sehr unterschiedlichen Lage innerhalb der Branche seien sie aus Sicht der Unternehmen nicht angemessen. Eine solche Tariferhöhung würde die Betriebe zusätzlich belasten, ihre Wettbewerbsfähigkeit schwächen und den Stellenabbau beschleunigen, so Brossardt.
Verglichen mit früheren Tarifrunden fällt die aktuelle Forderung der IG Metall deutlich niedriger aus. Im Jahr 2024 hatte die Gewerkschaft noch sieben Prozent mehr Lohn verlangt, 2022 waren es acht Prozent gewesen.
Autoindustrie unter Druck, andere Sparten mit starkem Wachstum
Vor allem die Autoindustrie sowie zahlreiche Maschinenbauer kämpfen derzeit mit rückläufigen Umsätzen und dem Verlust von Marktanteilen, unter anderem gegenüber chinesischen Wettbewerbern. Deshalb will die IG Metall neben höheren Einkommen auch die Sicherung von Standorten und Arbeitsplätzen zum Thema machen. Erst am Montag hatten Beschäftigte in rund 50 Autobetrieben mit Protesten und Kundgebungen gegen Stellenabbau und Werksschließungen demonstriert.
Gleichzeitig entwickelt sich nicht die gesamte Branche schwach. Nach Angaben der Gewerkschaft laufen insbesondere Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik und Rüstungsindustrie sehr gut. Für Unternehmen mit besonders guten Geschäften will die IG Metall daher eine tariflich geregelte Gewinnbeteiligung erreichen. Bezirksleiter Horst Ott verwies darauf, dass die wirtschaftliche Situation in den Betrieben und Teilbranchen stark auseinandergehe.
IG Metall verweist auf Preissteigerungen
Ott begründete die Forderung auch mit den zuletzt freundlicheren Konjunkturaussichten, die von Wirtschaftsforschungsinstituten genannt wurden. Zugleich litten die Beschäftigten weiterhin unter steigenden Preisen, etwa beim Tanken. Vor diesem Hintergrund sei Zurückhaltung bei den Löhnen aus Sicht der Gewerkschaft nicht angebracht. Ott betonte zugleich, die Forderung sei bewusst mit Augenmaß formuliert worden.
In der Tarifrunde 2024 hatten Bayern und der Küstenbezirk den Pilotabschluss für ganz Deutschland erzielt. Ob das auch diesmal gelingt, dürfte sich erst im Verlauf der Verhandlungen zeigen. Solche Vorabschlüsse entstehen traditionell in Regionen mit besonders starker Metallindustrie.
Der aktuelle Tarifvertrag endet am 31. Oktober. Sollten die Gespräche hart verlaufen, könnte die IG Metall anschließend auch eine Urabstimmung über Streikmaßnahmen vorbereiten. Nach Gewerkschaftsangaben sind in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie derzeit rund 836.000 Menschen beschäftigt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber