Wirtschaft

IG Metall schlägt Alarm vor Kahlschlag in der Autobranche

Droht das Aus für die 35-Stunden-Woche? In der Auto-Krise sollen Beschäftigte bluten – doch die IG Metall geht auf die Barrikaden.

14.09.2026, 10:40 Uhr

IG Metall plant bundesweite Proteste gegen Stellenabbau in der Autoindustrie

Mit Aktionen an über 200 Standorten in Deutschland will die IG Metall am 21. September ein deutliches Signal gegen Jobabbau und weitere Belastungen für Beschäftigte der Automobilbranche senden. Nach Ansicht von Gewerkschaftschefin Christiane Benner tragen derzeit vor allem die Arbeitnehmer die Folgen der Krise in der Industrie. Sie spricht von einem beispiellosen Druck auf die Belegschaften, insbesondere mit Blick auf die 35-Stunden-Woche.

Nach Worten von Jens Schäfer, Betriebsratsvorsitzender bei ZF in Hannover, würde eine Abkehr davon bedeuten, dass Beschäftigte wöchentlich fünf Stunden zusätzlich arbeiten müssten, ohne dafür bezahlt zu werden. Das sorge für große Verärgerung unter den Kolleginnen und Kollegen. Zugleich warnt er davor, dass dadurch weitere Stellen wegfallen könnten.

Benner fordert klares Signal an Politik und Unternehmen

Benner sieht die Zeit für einen Weckruf an Arbeitgeber und Politik gekommen. Die Beschäftigten hätten bereits Einschnitte in Milliardenhöhe hingenommen, etwa durch Lohnverzicht und Abstriche bei tariflichen Regelungen. Dennoch werde ihnen vermittelt, dass dies nicht genüge, während Unternehmen weiter Dividenden ausschütteten und Fehlentscheidungen des Managements ohne Konsequenzen blieben.

Unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag – Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke“ will die IG Metall am kommenden Montag mehr als 100.000 Menschen mobilisieren. Vorgesehen sind unter anderem Betriebsversammlungen, aktive Mittagspausen, Sternmärsche und öffentliche Kundgebungen.

IG Metall wirbt für Aktionstag
IG Metall-Chefin Christiane Benner: «Es ist längst Zeit für einen Weckruf Richtung Arbeitgeber und Richtung Politik.» (Archivbild) Quelle: Hannes P Albert/dpa

Fokus auf Hersteller und Zulieferer

Die Proteste richten sich sowohl auf die Lage bei den großen Autobauern als auch bei den Zulieferern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt laut IG Metall auf Volkswagen sowie auf den Standorten Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm, deren Zukunft aus Sicht der Gewerkschaft auf dem Spiel steht. Benner betont, man werde für den Erhalt dieser vier Werke kämpfen.

In Zwickau ist für diesen Tag eine große Kundgebung auf dem Hauptmarkt geplant. Dort werden laut Gewerkschaft mehrere Tausend Beschäftigte aus Unternehmen der Region erwartet. Benner selbst will an Veranstaltungen in Wolfsburg und Hannover teilnehmen.

Forderung nach Investitionen in Deutschland

Die IG Metall verlangt von den Unternehmen, wieder stärker in ihre deutschen Standorte zu investieren. Genannt werden dabei insbesondere Zukunftsfelder wie Batteriefertigung, autonomes Fahren und die Modernisierung von Produktionsanlagen. Zudem fordert Benner mehr volumenstarke Fahrzeugmodelle, damit die Werke besser ausgelastet werden.

Auch die Politik sieht die Gewerkschaft in der Pflicht. Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Kerner, verlangt wettbewerbsfähige Industriestrompreise. Außerdem spricht er sich dafür aus, die bestehenden Zölle auf chinesische Elektroautos auch auf Plug-in-Hybride auszuweiten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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