Die anhaltende Unsicherheit im Nahen Osten hat die Kraftstoffpreise am Wochenende erneut nach oben getrieben. Nach Angaben des Preisportals „Tankerkönig“ lag der bundesweite Durchschnittspreis für einen Liter Super E10 am Samstag bei 2,27 Euro. Diesel kostete demnach im Schnitt knapp 2,40 Euro je Liter. Je nach Region und Tageszeit wurden auch noch deutlich höhere Preise verlangt.
Damit bewegt sich Super E10 etwa auf dem Niveau der Rekordpreise aus dem März 2022. Der Dieselpreis liegt nur knapp unter dem bisherigen Höchststand aus dem April.
Pipeline-Probleme treiben Preise zusätzlich
Auslöser für den besonders kräftigen Preissprung am Samstag um 12.00 Uhr waren Berichte über neue Störungen bei den saudischen Ölexporten. Nachdem der Iran die Straße von Hormus blockiert hatte und zugleich die Meerenge Bab al-Mandab durch die Huthi-Miliz im Jemen stärker bedroht wurde, musste Saudi-Arabien zusätzlich eine wichtige Pipeline außer Betrieb nehmen.
Die Ost-West-Pipeline, über die große Ölmengen vom Persischen Golf zum Roten Meer transportiert werden können, wurde nach Angriffen auf die Leitung in den Regionen Riad und Medina vorsorglich stillgelegt. Sollte Saudi-Arabien dadurch weniger Öl exportieren können, dürfte das den Ölpreis weiter nach oben treiben.
Am Sonntag beruhigte sich die Lage an den Tankstellen etwas. Als möglicher Grund gelten die angekündigten Gespräche im Oman. Dort wollen Vertreter des Iran und mehrerer Golfstaaten am Montag über die Lage in der Straße von Hormus beraten. Erwartet werden die Außenminister aus Iran, Irak, Oman, Kuwait, Bahrain, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien.
Ruf nach Entlastung für Verbraucher
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke dringt angesichts der hohen Preise auf eine schnelle Begrenzung. Der SPD-Politiker fordert einen Spritpreisdeckel und wirft den Mineralölkonzernen vor, aus der angespannten Lage zusätzliche Gewinne ziehen zu können, während Millionen Pendlerinnen und Pendler stark belastet würden. Niemand dürfe sich an der Not anderer bereichern, betonte Woidke. Aus seiner Sicht müsse Gerechtigkeit auch an der Tankstelle gelten.
Er verweist dabei auf Modelle in anderen europäischen Ländern. Staaten wie Luxemburg, Polen, Belgien oder Tschechien zeigten aus seiner Sicht seit Längerem, wie Verbraucher an der Zapfsäule entlastet werden könnten. Dort würden Höchstpreise flexibel an die jeweilige Marktlage angepasst. Das könne sowohl die Kraftstoffpreise senken als auch mehr Planungssicherheit schaffen.
Höherer Ölpreis treibt Spritkosten
Der Krieg mit dem Iran belastet die Energiemärkte seit Monaten. In den vergangenen Tagen sind die Spritpreise wegen des gestiegenen Ölpreises erneut angezogen. In den zurückliegenden zwei Wochen haben sich die Kämpfe im Nahen Osten weiter verschärft. Der Preis für Brent-Rohöl liegt seit Jahresbeginn inzwischen fast 80 Prozent höher.
Auch europäisches Erdgas und die Frachtraten für Öltanker haben kräftig zugelegt. Raffinerieprodukte wie Diesel wurden noch teurer, auch wegen der anhaltenden Folgen des Kriegs zwischen Russland und der Ukraine. Zusätzlich wirkte sich zuletzt auch das Niedrigwasser am Rhein auf die Preise aus, weil es die Transportkosten erhöhte.
Von Anfang Mai bis Ende Juni galt ein Tankrabatt von 16,7 Cent je Liter, der den Bund nach einer Schätzung des Finanzministeriums rund 1,6 Milliarden Euro kostete. Eine Neuauflage lehnt die Bundesregierung ab. Als Grund gelten auch die angespannten Staatsfinanzen nach dem schuldenfinanzierten Investitionspaket.
Trotz der geltenden 12-Uhr-Regel für Preiserhöhungen steigen die Preise an den Tankstellen weiter. Innerhalb der SPD werden die Forderungen nach einer Deckelung lauter. Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach hatte vorgeschlagen, den Preissprung am Mittag gesetzlich auf höchstens fünf Prozent zu begrenzen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt einen solchen Eingriff bislang ab.
Staatliche Hilfen umstritten
Die Vorsitzende des Sachverständigenrats, Monika Schnitzer, rechnet wegen der Militäroffensive der mit dem Iran verbündeten Huthi-Miliz im Jemen mit weiter steigenden Preisen in Deutschland. Gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagte sie, die Lage entspanne sich nicht, sondern verschärfe sich weiter. Das werde sich sowohl an den Tankstellen als auch insgesamt bei den Verbraucherpreisen bemerkbar machen.
Gleichzeitig warnt Schnitzer vor neuen staatlichen Entlastungsprogrammen. Als sinnvollste Reaktion auf die Krise am Golf bezeichnet sie nicht weitere Hilfen, sondern eine geringere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Dazu könne nach ihrer Einschätzung jeder Einzelne beitragen – etwa bei der Entscheidung für das nächste Auto oder eine neue Heizung.
Auch aus der FDP kommt Kritik an staatlichen Eingriffen. Parteichef Wolfgang Kubicki sagte der Zeitung, der beste Spritpreisdeckel sei, wenn der Staat sich heraushalte. Statt neuer Preisregeln müssten aus seiner Sicht die Steuern sinken und die heimische Energieförderung ausgebaut werden. Die 12-Uhr-Regel habe bereits genug Schaden angerichtet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber