Wirtschaft

Googles KI zeigt jetzt Macht

Googles Suchfeld vor dem größten Umbau seit Jahren: Was die KI-Revolution jetzt mit der vertrauten Suchmaske macht

20.05.2026, 02:09 Uhr

Google baut seine KI-Offensive weiter aus und stützt sich dabei vor allem auf die eigene Dominanz bei der Websuche. Der Konzern will Nutzer noch stärker direkt über die Google-Suche in seine KI-Angebote führen. Viele der neuen, besonders leistungsfähigen Funktionen von Gemini werden allerdings nur gegen Bezahlung verfügbar sein und starten zunächst vor allem in den USA.

Die Suche wird zum KI-Zentrum

Die klassische Google-Suchmaske, die sich über viele Jahre kaum verändert hat, wird nun deutlich erweitert. Das Eingabefeld kann sich künftig vergrößern, damit auch längere Anfragen möglich sind. Nutzer sollen dort nicht nur Text eingeben, sondern auch Bilder, Dateien und Videos hochladen können. Zudem soll KI schon beim Formulieren von Suchanfragen deutlich mehr helfen als die bisherige Autovervollständigung.

Seit längerem wird darüber spekuliert, ob KI-Dienste, die direkte Antworten statt Linklisten liefern, Googles Kerngeschäft gefährden könnten. Google hat solche Funktionen inzwischen selbst integriert, etwa mit KI-generierten Zusammenfassungen. Nach Angaben des Unternehmens wird die Suche dadurch sogar intensiver genutzt. Gleichzeitig kritisieren manche Betreiber von Webseiten, dass über Google inzwischen weniger Besucher auf ihre Seiten gelangen.

Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O erklärte die verantwortliche Managerin Liz Reid, die Google-Suche sei inzwischen vollständig von KI geprägt. Künftig soll sie bei komplizierten Themen etwa auch Erklärgrafiken erstellen oder einen Fitnessplan entwerfen können. Laut Google-Manager Robby Stein soll das System je nach Anfrage automatisch die passendste Darstellungsform liefern.

Entwicklerkonferenz Google I/O
Das Eingabefeld der Google-Suchmaschine kann jetzt auch Fotos verarbeiten. Quelle: Andrej Sokolow/dpa

Neue Agenten sollen Informationen selbst finden

Google richtet seinen Fokus insgesamt immer stärker auf Künstliche Intelligenz. Dazu gehören auch neue KI-Agenten, also Programme, die mehrere Aufgaben eigenständig im Auftrag der Nutzer erledigen können. Damit tritt Google noch direkter gegen Anbieter wie OpenAI oder Anthropic an.

In der Suche sollen sogenannte Informations-Agenten eingeführt werden. Diese Programme durchsuchen das Internet fortlaufend nach zuvor festgelegten Informationen und melden sich, wenn etwas Relevantes auftaucht. Wer etwa eine Wohnung mit bestimmten Kriterien sucht, könnte automatisch benachrichtigt werden, sobald ein passendes Angebot online erscheint. Gemini soll sich laut Google zu einem universellen Assistenten entwickeln.

Google plant tiefen Umbau des Online-Shoppings

Auch beim digitalen Einkauf verfolgt Google weitreichende Pläne. Schon länger gibt es die Vorstellung, dass KI-Agenten selbstständig Produkte im Netz suchen und kaufen könnten. Google will die technische Grundlage für solche automatisierten Einkäufe maßgeblich mitgestalten.

Vorgestellt wurde unter anderem ein intelligenter digitaler Warenkorb, der über verschiedene Händler und Dienste hinweg funktionieren soll. Dieser soll etwa selbstständig nach niedrigeren Preisen oder Sonderaktionen suchen und Nutzer informieren, wenn ausverkaufte Produkte wieder erhältlich sind. Beim Zusammenstellen von Computerteilen könnte das System außerdem warnen, wenn einzelne Komponenten nicht zusammenpassen.

Mithilfe eines von Google entwickelten technischen Standards sollen KI-Agenten künftig sogar eigenständig Zahlungen im Namen der Nutzer ausführen können. Dafür muss vorab festgelegt werden, welche Produkte oder Marken gekauft werden dürfen und welcher Maximalpreis gilt.

KI-Bilder leichter entlarven

Google will es außerdem einfacher machen, mit KI erzeugte oder bearbeitete Inhalte zu erkennen. Zunächst soll diese Funktion in der Gemini-App verfügbar sein, später auch in der Suche und im Browser Chrome. Nutzer können dann etwa prüfen, ob bei einem Foto oder Video Künstliche Intelligenz im Spiel war.

Auch anderen Diensten will Google eine entsprechende Schnittstelle anbieten. Unternehmen wie Nvidia und OpenAI wollen künftig Googles unsichtbare Wasserzeichen-Technologie SynthID für Bilder und andere KI-generierte Inhalte nutzen.

Viele starke Funktionen kosten extra

Ein Teil der neuen Möglichkeiten wird hinter Bezahlschranken angeboten. Dazu zählt etwa der leistungsfähige KI-Agent Spark, der mit umfangreichem Zugriff auf persönliche Daten den Alltag seiner Nutzer organisieren soll. Für die Nutzung ist das Ultra-Abo nötig, das bei rund 100 Euro pro Monat liegt.

Solche hohen Preise sind inzwischen in der KI-Branche keine Ausnahme mehr. Der Betrieb moderner KI-Systeme verlangt enorme Rechenkapazitäten, und die Nachfrage übersteigt vielerorts das verfügbare Angebot. Auch Google sei davon betroffen, sagte Konzernchef Sundar Pichai. Es gebe Engpässe in vielen Bereichen.

Alphabet reagiert darauf mit massiven Investitionen. Erst kürzlich hob der Mutterkonzern die erwarteten Kapitalausgaben für dieses Jahr um 5 Milliarden Dollar auf nun 180 bis 190 Milliarden Dollar an. Für 2027 stellte das Unternehmen sogar nochmals deutlich höhere Ausgaben in Aussicht. Pichai verwies zugleich darauf, dass steigende Preise für Bauteile dazu führen, dass sich heute für dieselbe Summe weniger Rechenleistung aufbauen lässt als noch vor einiger Zeit.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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