Der International Booker Prize geht in diesem Jahr an die taiwanische Autorin Yang Shuang-zi sowie an die englische Übersetzung ihres Romans „Taiwan Travelogue“. Die beiden deutschen Kandidaten auf der Shortlist, Shida Bazyar und Daniel Kehlmann, konnten den Preis nicht gewinnen.
Yang Shuang-zi betont die politische Kraft von Literatur
Der Roman „Taiwan Travelogue“ ist im Taiwan der 1930er-Jahre angesiedelt, als die Insel unter japanischer Herrschaft stand. Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen: eine Schriftstellerin aus Japan und eine taiwanische Dolmetscherin. Gemeinsam reisen sie durchs Land, entdecken ihre gemeinsame Liebe zum Essen und kommen sich dabei auch emotional näher. Zugleich wirkt sich das von Unterdrückung geprägte politische Umfeld zunehmend auf ihre Beziehung aus.
Bei der Preisverleihung im Londoner Kunstmuseum Tate Modern sagte Yang Shuang-zi, Literatur lasse sich nicht grundsätzlich von Politik trennen. Taiwan habe im Lauf seiner Geschichte unter verschiedenen Kolonialmächten gelitten und immer wieder Bedrohungen von außen erlebt. Zugleich unterstrich sie ihren Glauben an die Kraft der Literatur.
Bedeutender Preis mit internationaler Strahlkraft
Der International Booker Prize zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen weltweit. Prämiert werden Werke, die ins Englische übersetzt wurden; zugelassen sind sowohl Romane als auch Kurzgeschichtensammlungen. Das Preisgeld beträgt 50.000 Pfund (rund 58.000 Euro) und wird zu gleichen Teilen zwischen Autorin oder Autor und Übersetzerin oder Übersetzer aufgeteilt.

Auch die Nominierten der Shortlist erhalten jeweils 2.500 Pfund. Noch wichtiger als die finanzielle Anerkennung dürfte jedoch die internationale Aufmerksamkeit sein. Auf der Webseite des Booker Prize heißt es, dass sowohl die Gewinner als auch die Finalisten mit einer weltweiten Leserschaft und deutlich steigenden Verkaufszahlen rechnen können.
Deutsche Nominierungen sorgten für Aufmerksamkeit
Dass mit Shida Bazyar und Daniel Kehlmann gleich zwei deutschsprachige Autoren auf der Shortlist vertreten waren, wurde in deutschen Feuilletons als starkes Signal für die internationale Wahrnehmung deutscher Literatur gewertet. Die „Süddeutsche Zeitung“ sprach von einem bemerkenswerten Wendepunkt, während „Die Zeit“ beiden Autoren bereits vor der Entscheidung eigene Würdigungen gewidmet hatte.
Bazyar war mit ihrem Debütroman „Nachts ist es leise in Teheran“ aus dem Jahr 2016 im Rennen, Kehlmann mit „Lichtspiel“, das 2023 auf Deutsch erschienen war.
Der Preis soll laut den Organisatoren insbesondere Leserinnen und Leser in Großbritannien dazu anregen, mehr hochwertige internationale Literatur zu entdecken. Seine Wirkung reicht allerdings weit über das Vereinigte Königreich hinaus.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion