Wirtschaft

Fusionsenergie: Proxima baut die Zukunfts-Fabrik

Proxima will das erste Fusionskraftwerk möglich machen – und plant jetzt die Fabrik, ohne die es nicht klappt.

09.09.2026, 15:30 Uhr

Proxima Fusion plant erste Fabrik in Niedersachsen

Das Münchner Start-up Proxima Fusion, das an einem Kernfusionsreaktor arbeitet, will mit Unterstützung des Landes Niedersachsen eine erste Produktionsstätte errichten. Dazu unterzeichneten das Unternehmen und die Landesregierung in Hannover eine gemeinsame Absichtserklärung.

Bis Ende 2029 sollen in den ersten beiden Projektphasen rund 140 Millionen Euro investiert werden. Niedersachsen stellt dafür laut Vereinbarung bis zu 21 Millionen Euro in Aussicht. In der geplanten Fabrik soll Hochtemperatur-Supraleiterband gefertigt werden, das für besonders starke Elektromagnete benötigt wird.

Wo genau die Anlage gebaut werden könnte, ist noch offen. Zunächst sollen mögliche Standorte im Land untersucht werden.

Teil eines milliardenschweren Fusionsvorhabens

Die Fabrik ist nur ein Baustein eines deutlich größeren Projekts: Proxima Fusion verfolgt das Ziel, ein wirtschaftlich nutzbares Fusionskraftwerk zu entwickeln. Die Technik gilt seit Jahrzehnten als Hoffnungsträger, ist bislang jedoch noch nicht marktreif.

Ein erster Forschungsreaktor mit dem Namen „Alpha“ soll in Garching bei München entstehen und wird vom Freistaat Bayern unterstützt. Für dieses Vorhaben könnten Kosten von bis zu zwei Milliarden Euro anfallen. Ein späteres kommerzielles Kraftwerk mit dem Namen „Stellaris“ könnte auf dem Gelände des früheren Atomkraftwerks Gundremmingen gebaut werden. Proxima Fusion ist aus dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik hervorgegangen.

Kernfusion nach dem Vorbild der Sonne

Bei der Kernfusion wird der Prozess im Inneren der Sonne nachgeahmt: Wasserstoffkerne verschmelzen zu Helium, wobei enorme Energiemengen freigesetzt werden. Damit dies gelingt, sind extrem hohe Temperaturen nötig. Nach Angaben des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik zündet das Fusionsplasma erst bei etwa 100 Millionen Grad.

Weil kein Material solchen Temperaturen direkt standhalten kann, muss das Plasma mithilfe starker Magnetfelder im Reaktor gehalten werden.

Supraleiter als Schlüsseltechnologie

Für diese Magnete wird das Hochtemperatur-Supraleiterband benötigt, das Proxima Fusion in Niedersachsen herstellen möchte. Supraleitende Materialien haben den Vorteil, elektrischen Strom praktisch ohne Energieverluste zu transportieren.

Im Unterschied zur Kernspaltung fallen bei der Kernfusion keine großen Mengen langlebigen radioaktiven Abfalls an. Auch eine unkontrollierte Kettenreaktion wie bei einem schweren Atomreaktorunfall gilt nach Einschätzung des Max-Planck-Instituts als nahezu ausgeschlossen.

Weltweit treiben Forschungseinrichtungen und Unternehmen in Europa, den USA und China die Entwicklung der Fusionsenergie voran. Hochtemperatur-Supraleiter könnten allerdings nicht nur in Fusionsanlagen wichtig sein, sondern auch in Stromnetzen oder in der medizinischen Bildgebung eingesetzt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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