Wirtschaft

Finanz-Legende tot: Alan Greenspan ist gestorben

Vom Zins-Orakel zur Crash-Figur: Alan Greenspan prägte Amerikas Geldpolitik – und hinterließ ein umstrittenes Erbe.

22.06.2026, 16:40 Uhr

Früherer Fed-Chef Alan Greenspan im Alter von 100 Jahren gestorben

Der langjährige frühere Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, Alan Greenspan, ist tot. Die Fed erklärte, man habe die Nachricht von seinem Tod mit tiefer Trauer aufgenommen. Der Ökonom wurde 100 Jahre alt. Über viele Jahre hinweg genoss er in der Öffentlichkeit beinahe Kultstatus. Zugleich bleibt sein Erbe umstritten, weil Kritiker seinen Namen eng mit dem Finanzcrash von 2008 verbinden.

Symbolfigur des amerikanischen Kapitalismus

Greenspan stand 18 Jahre lang an der Spitze der Fed, die nicht nur in den USA, sondern auch für Deutschland und die Weltwirtschaft große Bedeutung hat. 1987 übernahm er den Vorsitz des mächtigen Gouverneursrats, 2006 schied er aus dem Amt. In einer langen Phase wirtschaftlichen Wohlstands wurde er für viele zum Sinnbild eines Kapitalismus amerikanischer Prägung.

Während seiner Amtszeit blieb die Inflation vergleichsweise niedrig. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität war sein Gesicht hinter der markanten dicken Brille laut der New York Times so bekannt wie das eines Filmstars. Gleichzeitig galt Greenspan als jemand, der sich öffentlich oft rätselhaft und schwer zugänglich ausdrückte.

Fed-Chef in einer bewegten Epoche

Greenspan führte die US-Notenbank durch politisch und wirtschaftlich unruhige Jahre – von den letzten Ausläufern des Kalten Krieges über die Terroranschläge auf das World Trade Center bis zum Beginn des digitalen Zeitalters. Besonders positiv rechnen ihm viele bis heute an, dass er mit seiner Geldpolitik den wirtschaftlichen Folgen der Anschläge in New York entgegenwirkte.

Vergleichsweise niedrige Zinsen als Markenzeichen

Nach Darstellung der New York Times neigte Greenspan dazu, die Zinssätze niedriger zu halten, als es klassische ökonomische Modelle nahegelegt hätten. Über weite Strecken seiner Amtszeit schien dieser Kurs aufzugehen – vor allem in den späten 1990er Jahren.

Einfluss unter Demokraten und Republikanern

Greenspan steuerte die Notenbank unter Präsidenten beider großer Parteien. Die New York Times beschrieb ihn als Meister des politischen Machtspiels. Früh sammelte er Erfahrungen als Politikberater, unter anderem im Präsidentschaftswahlkampf von Richard Nixon 1968.

Fed würdigt seine Rolle für die Glaubwürdigkeit der Institution

Die Federal Reserve hob nach seinem Tod Greenspans strenge analytische Disziplin bei geldpolitischen Entscheidungen hervor. Diese habe wesentlich dazu beigetragen, die Glaubwürdigkeit der Notenbank zu stärken.

Die Unabhängigkeit der Fed ist auch aktuell ein wichtiges Thema. US-Präsident Donald Trump setzt die Notenbankspitze immer wieder unter Druck, die Zinsen in seinem Sinne zu senken. Bislang hält die Fed jedoch an ihrer unabhängigen Linie fest.

Kritik wegen Finanzkrise und Deregulierung

Trotz aller Anerkennung bleibt Greenspan eine umstrittene Figur. Sein Name ist eng mit der Finanzkrise von 2008 verbunden. Kritiker werfen ihm vor, mit einer zu lockeren Niedrigzinspolitik und einer fahrlässigen Deregulierung des Finanzsektors den Boden für den späteren Crash bereitet zu haben. Die Folgen der Krise musste allerdings nicht mehr Greenspan selbst bewältigen, sondern seine Nachfolger, da er bereits 2006 in den Ruhestand ging.

Tod an den Folgen von Parkinson

Greenspan wuchs in New York als Sohn eines Börsenmaklers auf. Nach Angaben der Journalistin Andrea Mitchell, die für NBC News arbeitet und mit ihm verheiratet war, starb er an den Folgen seiner Parkinson-Krankheit. Es hieß zudem, er sei ehrlich genug gewesen, eigene Fehler einzuräumen. Kritiker sehen das bis heute anders.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen