Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, hat einen vorzeitigen Abschied von ihrem Amt nicht ausgeschlossen. Im Gespräch mit der französischen Zeitung La Croix sagte sie, es sei denkbar, einige Monate vor dem regulären Ende ihrer Amtszeit zurückzutreten. Eine konkrete Entscheidung gebe es aber nicht. Zugleich stellte sie klar: 2027 werde sie auf jeden Fall noch im Amt sein. Sollte sie früher gehen, dann lediglich wenige Monate vor dem offiziellen Ende im Oktober 2027. Das werde, so Lagarde, keine großen Folgen haben.
Eine Bewerbung um das französische Präsidentenamt im April 2027 schloss die 70-Jährige jedoch ausdrücklich aus. Auf die entsprechende Frage antwortete sie, das sei "überhaupt keine gute Idee". Die Anforderungen eines solchen Amtes seien andere: Es brauche viel Energie, Ausdauer und Einsatzbereitschaft, außerdem verlange ein solches Engagement persönliche Opfer.
Ob sie sich vor der Präsidentschaftswahl 2027 an politischen Debatten in Frankreich beteiligen wolle, ließ Lagarde offen. Sie betonte lediglich, ihre derzeitige Aufgabe bestehe darin, dem europäischen Gemeinwohl zu dienen.
Seit Längerem Gerüchte über Lagardes Zukunft
Schon seit Monaten wird darüber spekuliert, dass Lagarde die EZB noch vor Ablauf ihrer Amtszeit verlassen könnte. In diesem Zusammenhang fiel unter anderem ihr Name im Zusammenhang mit dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Zudem gab es Berichte, wonach sie noch vor der französischen Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027 zurücktreten könnte.
Hintergrund dieser Diskussionen sind auch Befürchtungen, dass Rechtspopulisten die Wahl in Frankreich gewinnen könnten. Das könnte die Nachfolge an der Spitze der EZB komplizierter machen.
Lagarde hatte in der Vergangenheit bereits erklärt, dass sie nicht vor 2027 ausscheiden wolle. Im Juli sagte sie sinngemäß, ein Kapitän verlasse sein Schiff nicht, wenn am Horizont dunkle Wolken aufziehen — und genau solche Wolken seien zu sehen. Zuvor hatte sie einen vorzeitigen Rücktritt mit Blick auf die französischen Präsidentschaftswahlen allerdings nicht grundsätzlich ausgeschlossen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber