Wirtschaft

Experten zerlegen den Tankrabatt

Tankrabatt gegen hohe Spritpreise? Forscher warnen: Ausgerechnet die Falschen kassieren jetzt den Vorteil.

01.10.2026, 04:15 Uhr

Seit Mitternacht gilt der neue Tankrabatt – und an vielen Tankstellen ist die Wirkung bereits sichtbar. Super E10 wurde am Donnerstagmorgen mancherorts für weniger als 2 Euro pro Liter angeboten. Trotz der spürbaren Entlastung halten viele Fachleute die Maßnahme weiter für teuer, wenig zielgenau und volkswirtschaftlich fragwürdig.

Preise fallen, doch der Effekt ist schwer genau zu beziffern

Mit dem Start des Rabatts sind die Kraftstoffpreise deutlich gesunken. Allerdings waren die Spritpreise schon in den Tagen zuvor rückläufig. Deshalb lässt sich derzeit nur schwer exakt sagen, welcher Teil des Preisrutsches direkt auf die Steuersenkung zurückgeht.

Hinzu kommt: Der vergünstigte Steuersatz gilt nur für Kraftstoff, der nach Mitternacht Raffinerien oder Tanklager verlassen hat. Bis wirklich überall vollständig steuerverbilligter Sprit in den Tanks der Stationen angekommen ist, kann es einige Tage dauern. Dass die Preise schon so schnell sinken, dürfte auch mit den Erwartungen vieler Kundinnen und Kunden zusammenhängen.

Wann Tanken besonders günstig sein kann

Wer jetzt tanken will, muss nicht in Panik sofort zur Zapfsäule fahren. Wegen der sogenannten 12-Uhr-Regel können die Preise bis zum Mittag zunächst nicht steigen. Erfahrungsgemäß ist der späte Vormittag daher oft ein günstiger Zeitpunkt.

Allerdings sollte man nicht zu knapp vor 12 Uhr planen: Wenn es großen Andrang gibt, kann das problematisch werden, weil die Preise um die Mittagszeit oft deutlich anziehen. Wer Wartezeiten vermeiden will oder es am Donnerstagvormittag nicht schafft, dürfte nach bisherigen Mustern auch am Freitagvormittag wieder vergleichsweise günstig tanken. Grundsätzlich lohnt sich weiterhin ein Preisvergleich.

Keine größeren Engpässe erwartet

Zwar dürfte die Nachfrage zunächst hoch sein, weil viele Autofahrer auf den Start des Rabatts gewartet haben. Außerdem hatten Tankstellen ein Interesse daran, ihre Lager vor Beginn der Maßnahme nicht zu voll zu halten, da die Steuererleichterung nur für neu ausgelieferten Kraftstoff gilt.

Der ADAC rechnet trotzdem nicht mit nennenswerten Versorgungsproblemen. Nach Einschätzung des Kraftstoffmarktexperten Christian Laberer gab es auch bei der früheren Rabattphase im Mai keine relevanten Engpässe.

Wie lange der Rabatt gilt und was er kostet

Der Tankrabatt gilt vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember. Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel wird in dieser Zeit um rund 14 Cent je Liter gesenkt. Einschließlich Mehrwertsteuer ergibt sich eine Entlastung von 16,7 Cent pro Liter.

Nach Erwartung der Bundesregierung fließen dadurch 2,485 Milliarden Euro weniger Steuern in die Staatskasse. Anders als häufig bei Bundesmaßnahmen sollen diesmal auch die Länder einen Teil der Last tragen: Der Bund überlässt ihnen im Gegenzug geringere Umsatzsteuereinnahmen als üblich.

So viel spart ein Durchschnittsfahrer

Für einzelne Autofahrer fällt die Entlastung überschaubar aus. Nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamts wird ein durchschnittliches Auto in Deutschland rund 900 Kilometer pro Monat gefahren. Bei einem Verbrauch von 7 bis 8 Litern auf 100 Kilometer ergibt sich über die gesamte Laufzeit des Rabatts eine Ersparnis von grob 32 bis 36 Euro.

Je nach Fahrleistung, Fahrzeugtyp, Verbrauch und Tankzeitpunkt kann der Betrag aber spürbar davon abweichen. Klar ist auch: Von Vorkriegsniveaus sind die Preise trotz Rabatt weit entfernt. Ende Februar lag der bundesweite Tagesdurchschnitt laut ADAC bei 1,78 Euro für Super E10 und 1,75 Euro für Diesel.

Ifo und DIW halten den Tankrabatt für verfehlt

Zwei führende deutsche Wirtschaftsinstitute bewerten die Maßnahme kritisch. Ifo-Präsident Clemens Fuest erklärte, es sei zwar nachvollziehbar, dass viele Autofahrerinnen und Autofahrer die hohen Kraftstoffpreise als große Belastung empfänden. Die Absenkung an der Zapfsäule sei aber kein geeignetes Mittel, um darauf zu reagieren.

Nach seiner Einschätzung profitieren vor allem Menschen, die viel fahren und größere Autos nutzen. Dazu gehörten auch viele Haushalte, die die höheren Spritkosten grundsätzlich tragen könnten. Eine pauschale Entlastung führe deshalb aus seiner Sicht zu einer problematischen Umverteilung.

Wenn der Staat bestimmte Gruppen unterstützen wolle, etwa Pendler mit langen Arbeitswegen, sollte er dies nach Fuest gezielter tun – beispielsweise über eine höhere Pendlerpauschale. Das Geld könne an anderer Stelle wirksamer eingesetzt werden.

Auch Tomaso Duso vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) äußert deutliche Kritik. Seiner Ansicht nach profitieren ebenfalls vor allem Vielfahrer und Halter großer Fahrzeuge, also häufig eher einkommensstärkere Haushalte. Wer kein Auto habe, gehe dagegen leer aus, müsse die Maßnahme aber indirekt mitfinanzieren.

Duso betont zudem, dass hohe Preise in Zeiten knapper Ressourcen eine wichtige Funktion hätten: Sie setzen Anreize zum Sparen und senden Signale an die Anbieter, ihre Produktion auszuweiten. Eine künstliche Verbilligung schwäche diesen Effekt ab.

Mehrheit der Experten skeptisch – aber nicht alle

Die wichtigsten Einwände gegen den Rabatt ähneln damit der Kritik an der ersten Runde im Frühjahr:

  • Die Maßnahme ist teuer und nicht zielgenau.
  • Sie entlastet auch Menschen, die nicht zwingend Hilfe brauchen.
  • Das Preissignal für sparsamen Verbrauch wird abgeschwächt.
  • Es ist nicht garantiert, dass die Steuersenkung vollständig bei den Verbrauchern ankommt.

Es gibt allerdings auch abweichende Stimmen. Der Ökonom Manuel Frondel vom RWI bezeichnete den Tankrabatt zuletzt als pragmatische und faire Lösung, solange direkte Hilfen für bedürftige Haushalte nicht ohne Weiteres umgesetzt werden können.

Auch der ADAC sieht in dem Rabatt ein geeignetes Mittel, um Autofahrer kurzfristig zu entlasten – wenngleich gezielte Direktzahlungen aus Sicht des Verbands grundsätzlich sinnvoller wären.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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