Evonik weist Übernahmeofferte von BASF zurück
Der Spezialchemiekonzern Evonik hält an seiner Eigenständigkeit fest und lehnt das Übernahmeangebot von BASF weiter ab. Das stellte Interimschef Claus Rettig im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ klar. Größe sei nicht automatisch ein Vorteil, betonte er. In vielen Branchen zeige sich vielmehr, dass Unternehmen mit einer klaren Fokussierung erfolgreicher seien.
BASF hatte zuletzt 24 Euro je Evonik-Aktie geboten und den Konzern damit mit mehr als elf Milliarden Euro bewertet. Nach Ansicht von Evonik spiegelt dieses Angebot jedoch nicht das eigene Potenzial wider. Rettig sagte, das Unternehmen könne die von BASF in Aussicht gestellte Entwicklung auch aus eigener Kraft erreichen – und in der eigenen Planung sogar übertreffen. Der 66-Jährige führt den Konzern seit Anfang September zusätzlich kommissarisch, nachdem Vorstandschef Christian Kullmann erkrankt ist.
Evonik sieht sich selbst als aktiven Gestalter der Branchenentwicklung
Rettig erklärte, dass Evonik einen klaren Plan habe, um den Unternehmenswert weiter zu steigern. Zudem wolle der Konzern bei einer möglichen Konsolidierung der Chemiebranche nicht nur zusehen, sondern selbst eine aktive Rolle übernehmen. Es gebe bereits verschiedene Ideen, allerdings nur dann, wenn Zusammenschlüsse tatsächlich Mehrwert schaffen und Wachstum ermöglichen. Wenn sich passende Gelegenheiten ergäben, sei Evonik vorbereitet.
Wachstumschancen sieht das Unternehmen nach seinen Angaben in Deutschland, Europa und den USA. Auch die finanziellen Mittel für Zukäufe seien vorhanden. Aktuell verfolge Evonik mögliche Übernahmen jedoch nicht offensiv.
Keine Sorge vor anderen Interessenten
Befürchtungen, Evonik könnte nach einem möglichen Rückzug von BASF ins Visier anderer Käufer geraten, weist Rettig zurück. Spekulationen, wonach etwa Investoren aus arabischen Staaten einspringen könnten, bezeichnete er als unbegründet. Ein alternatives Angebot liege derzeit nicht vor.
Finanzchef: Evonik ist eigenständig stark genug
Bereits zuvor hatte Finanzvorstand Michael Rauch bei der Präsentation der Quartalszahlen betont, Evonik sei ein starkes Unternehmen und weltweit führend in der Spezialchemie. Dass der Konzern deshalb für andere Marktteilnehmer attraktiv sei, sei nachvollziehbar. Gleichzeitig machte Rauch deutlich, dass Evonik aus eigener Sicht groß und robust genug sei, um seinen Weg allein fortzusetzen. Durch die laufenden Maßnahmen werde das Portfolio zusätzlich aufgewertet und noch attraktiver.
Konzern bleibt bei seinem Kurs
Schon in der vergangenen Woche hatte Evonik erklärt, auf Basis der bislang vorliegenden Informationen keine Gespräche mit BASF über eine Übernahme zu führen. Der Vorstand konzentriere sich weiterhin auf die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens als eigenständiger Konzern, hieß es damals.
Zugleich signalisierte Evonik Offenheit für einen vertraulichen und rein informativen Austausch mit BASF über die jeweiligen Positionen beider Unternehmen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber