Wirtschaft

EU-iPhones ohne KI-Siri? Apple läuft Sturm

Neue KI von Apple – doch ausgerechnet EU-iPhones bleiben außen vor. Warum der Konzern jetzt scharf gegen Brüssel schießt

09.06.2026, 08:04 Uhr

Apple hält neue KI-Siri auf iPhone und iPad in der EU zurück – Kommission weist Vorwürfe entschieden zurück

Apple verschärft den Streit mit der Europäischen Kommission um die Vorgaben des Digital Markets Act (DMA). Der Konzern wirft Brüssel vor, mit Forderungen nach einer weitgehenden Öffnung von iPhone und iPad für KI-Assistenten anderer Anbieter die Privatsphäre europäischer Nutzer zu gefährden. Als Folge will Apple die neue, mit Künstlicher Intelligenz ausgestattete Siri auf iPhones und iPads in der EU vorerst nicht anbieten.

Auf Macs und der Computer-Brille Vision Pro soll die Funktion in Europa dagegen verfügbar sein. Dort gilt Apple nach eigener Darstellung nicht als marktmächtiger „Gatekeeper“ im Sinne des DMA.

Nach Angaben von Marketingchef Greg Jozwiak habe Apple der EU-Kommission die Risiken eines aus Konzernsicht praktisch uneingeschränkten Zugriffs fremder Assistenten auf das gesamte Betriebssystem und sensible Nutzerdaten dargelegt. Die Bedenken seien jedoch vollständig zurückgewiesen worden. Apple erklärt zudem, schon im vergangenen Jahr einen technischen Vorschlag vorgelegt zu haben, der sowohl die Zugangsauflagen erfüllen als auch den Datenschutz wahren sollte. Dieser Vorschlag sei von der Kommission abgelehnt worden, ohne sich näher damit zu befassen.

EU-Kommission widerspricht Apple deutlich

Die EU-Kommission weist Apples Darstellung scharf zurück. Ein Sprecher erklärte, Apple habe nicht nach einer Lösung zur Einhaltung der Regeln gesucht, sondern verlangt, für mindestens 18 Monate von seinen Pflichten ausgenommen zu werden. Das komme nicht infrage, weil dann kein anderer KI-Assistent als Siri dieselbe Chance hätte, von iPhone-Nutzern ausgewählt zu werden. Wörtlich machte die Behörde klar: EU-Recht sei nicht verhandelbar.

Dabei verwies der Sprecher auch darauf, dass Siri in Teilen auf Technologie von Google zurückgreife. Gerade deshalb dürfe Apple sich keinen Sonderstatus sichern, während konkurrierende Dienste außen vor blieben.

Datenschutz und DMA im Mittelpunkt des Konflikts

Grundlage des Streits ist das EU-Digitalgesetz DMA. Es verpflichtet große Plattformanbieter dazu, Wettbewerbern vergleichbare Zugänge zu ihren Systemen einzuräumen wie den eigenen Diensten.

Apple betont, die neue KI-Siri sei so entwickelt worden, dass selbst der Konzern keinen Einblick in persönliche Nutzerdaten erhalte. Für Drittanbieter habe Apple deshalb ein Modell vorgeschlagen, bei dem deren KI-Systeme Anfragen zwar bearbeiten, die Daten aber nicht speichern dürfen. Nach Unternehmensangaben liegt dieser Vorschlag weiterhin auf dem Tisch.

Personalisierung soll Siri nützlicher machen

Vorgestellt wurde die neue Siri mit KI-Unterstützung auf der Entwicklerkonferenz WWDC. Apple will sich damit von anderen KI-Angeboten abheben, indem die Assistenz deutlich stärker personalisiert arbeitet und tiefer in den Alltag der Nutzer eingebunden ist.

Als Beispiel nennt Apple die Frage: „Wie hieß der Podcast, den mir meine Schwester neulich empfohlen hat?“ Damit Siri darauf sinnvoll antworten kann, muss sie etwa E-Mails oder Nachrichten durchsuchen, den Zusammenhang der Unterhaltung verstehen und erkennen, welche Person in den Kontakten als Schwester gemeint ist. Anschließend könnte der Nutzer Siri direkt bitten, den Podcast abzuspielen.

Hohe Erwartungen nach früheren Verzögerungen

Branchenbeobachter Avi Greengart von Techsponential hält den Ansatz für vielversprechend. Wenn die Technik zuverlässig funktioniere, sei das genau die Form von KI, die sich viele Nutzer wünschten.

Die Skepsis bleibt jedoch nachvollziehbar: Apple hatte eine Siri mit ähnlichen Fähigkeiten bereits vor zwei Jahren auf der WWDC angekündigt. Später musste der Konzern aber einräumen, dass die Lösung noch nicht stabil genug war. In der Folge wurde die technische Basis überarbeitet, unter anderem unter Einbindung von KI-Modellen des Konkurrenten Google. Apple betont zugleich, dass Google dabei keinen Zugriff auf Nutzerdaten erhält.

IDC-Analyst Francisco Jeronimo sieht in der neuen Siri eine strategisch wichtige Entscheidung für Apple. Sie könne künftig zum zentralen Zugangspunkt werden, über den Nutzer mit iPhones und weiteren Gerätekategorien des Konzerns interagieren. Entscheidend sei aber, ob Siri die Anwender tatsächlich versteht und die Personalisierung als hilfreich statt als aufdringlich empfunden wird.

Siri bekommt erstmals eine eigene App

Zum ersten Mal erhält Siri, die vor rund 15 Jahren als Sprachassistentin auf dem iPhone eingeführt wurde, eine eigenständige App. In einer aufgezeichneten Demonstration zeigte Apple-Manager Mike Rockwell, wie die neue Siri den Termin des nächsten Konzerts einer Musikerin in der Nähe finden, Informationen zum Ticketverkauf anzeigen, eine Erinnerung erstellen und danach auf Wunsch einen neuen Song der Künstlerin abspielen kann.

Zunächst soll die neue KI-Siri nur auf Englisch verfügbar sein. Weitere Sprachen sollen laut Softwarechef Craig Federighi schnell folgen. Aktuell gibt es zunächst eine Testversion für Entwickler. Die breite Einführung neuer Programme und Funktionen erfolgt bei Apple traditionell ab Herbst.

Apple blieb trotz KI-Verzögerungen erfolgreich

Während Apple bei Siri mit Verzögerungen kämpfte, präsentierten Google mit Android und Samsung immer neue KI-Funktionen für Smartphones. Im Vergleich dazu wirkte Apple zeitweise im Rückstand. Auf die Nachfrage hatte das jedoch offenbar kaum Einfluss: Die Verkäufe der Apple-Geräte stiegen weiter, und das iPhone verdrängte Samsung nach Einschätzung von Marktforschern nach vielen Jahren von der Spitze des Smartphone-Markts.

Craig Federighi nutzte die Präsentation zudem für einen Seitenhieb auf Wettbewerber. Manche Unternehmen betrieben einen Wettlauf um „KI um der KI willen“ und verlören dabei die Interessen der Nutzer aus dem Blick.

Letzte WWDC für Tim Cook

Für Tim Cook ist diese Entwicklerkonferenz die letzte als Apple-Chef. Im September soll John Ternus, bislang für die Gerätesparte zuständig, die Führung des Konzerns übernehmen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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