Wirtschaft

Droht jetzt die flexible Lkw-Maut am Brenner?

Brenner am Limit: Nach Staus, Demos und Sperren kommt jetzt ein neuer Plan auf den Tisch – doch ausgerechnet ein wichtiger Akteur fehlt.

27.05.2026, 13:45 Uhr

Variable Lkw-Maut am Brenner wird geprüft

Bayern, Südtirol und das Trentino lassen in einer gemeinsamen Untersuchung prüfen, ob auf der Brennerautobahn ein flexibles Mautmodell für Lastwagen eingeführt werden kann. Nach Angaben des bayerischen Verkehrsministeriums könnte eine höhere Gebühr in Zeiten mit besonders starkem Verkehrsaufkommen dazu beitragen, den Verkehr besser zu verteilen und die stark belastete Transitstrecke zu entlasten. Die Machbarkeitsstudie soll noch in diesem Jahr vorliegen.

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) betonte, dass Eingriffe wie Blockabfertigungen oder Nachtfahrverbote das Problem nicht dauerhaft lösten. Nötig sei vielmehr ein fortlaufender Dialog darüber, wie der Transit über den Brenner sinnvoll organisiert werden könne. Eine variable Maut könne dabei ein wichtiger Baustein sein.

Höhere Gebühren in Spitzenzeiten

Das Konzept sieht vor, dass die Maut dann teurer wird, wenn besonders viele Fahrzeuge unterwegs sind, und in verkehrsärmeren Zeiten sinkt. Ziel ist es, Transporte stärker in Randzeiten zu verlagern. Nach ersten Simulationen könnte eine deutlich erhöhte Gebühr zu Spitzenzeiten tatsächlich dazu führen, dass weniger Fahrten in diesen Zeitfenstern stattfinden.

In der Studie soll nun geklärt werden, wie ein solches System konkret ausgestaltet werden könnte. Untersucht werden sollen unter anderem geeignete Zeitfenster, rechtlich zulässige Preismodelle und die Frage, wie Speditionen auf unterschiedliche Mauthöhen reagieren würden. Darüber hinaus sollen mögliche Auswirkungen auf Verkehr, Umwelt und Wirtschaft bewertet werden.

Österreich ist nicht Teil der Untersuchung

An der Studie beteiligen sich allerdings nur Bayern, Südtirol und das Trentino, also Akteure aus Deutschland und Italien. Österreichische Behörden sind nach Angaben des bayerischen Verkehrsministeriums wegen des laufenden Verfahrens vor dem Europäischen Gerichtshof zu Tiroler Transitbeschränkungen nicht eingebunden. Dabei verläuft ein wesentlicher Teil der Brennerroute durch österreichisches Gebiet.

Sorge vor massivem Verkehrschaos

Zusätzliche Belastung droht durch eine angekündigte Demonstration von Anwohnern auf der Brennerautobahn. Am Samstag soll der Transitverkehr zwischen 11 und 19 Uhr vollständig unterbrochen werden. In diesem Zeitraum wird der bei Urlaubern stark genutzte Pass, die zentrale Verbindung zwischen Österreich und Italien, komplett gesperrt. Da gleichzeitig in Bayern und weiteren Bundesländern Ferien sind, wird mit besonders starken Verkehrsproblemen gerechnet.

Mit der Demonstration protestieren Anwohner gegen das seit Jahren zunehmende Verkehrsaufkommen. Erstmals hat ein Gericht eine Kundgebung direkt auf der Autobahn erlaubt. Entsprechend groß ist die Sorge vor erheblichen Behinderungen.

Der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags, Manfred Gößl, warnte vor einer beispiellosen Belastung für den Verkehr im Alpenraum. Aus seiner Sicht müsse man sich auf einen Zusammenbruch des gesamten Alpentransits einstellen. Er rechnet damit, dass Behörden nicht nur die Autobahn sperren, sondern auch Ausweichrouten über die Alpen sowie Grenzübergänge in Österreich und der Schweiz verstärkt überwachen oder den Verkehr zusätzlich begrenzen. Gößl sprach deshalb von der Gefahr eines historischen Verkehrschaos.

Umweltverbände zeigen Verständnis für Protest

Rückendeckung erhalten die Demonstrierenden unter anderem vom Bund Naturschutz in Bayern. Die stellvertretende Landesbeauftragte Annemarie Räder erklärte, die Menschen am Brenner litten seit Jahren unter einem System, das Straßentransporte künstlich billig halte. Lärm, Abgase, Staus und gesundheitliche Folgen würden auf die Täler abgewälzt, während Speditionen vor allem nach der günstigsten Route entschieden. Wer den Protest kritisiere, müsse endlich praktikable Lösungen vorlegen: angemessene Mautsätze, mehr Güterverkehr auf der Schiene und weniger unnötige Transporte.

Forderung nach Investitionen in Straße und Schiene

Vor diesem Hintergrund hob Gößl erneut die Bedeutung des geplanten Brenner-Nordzulaufs hervor. Der angekündigte Protest mache deutlich, wie dringend grenzüberschreitende Investitionen sowohl in die Autobahninfrastruktur als auch in den Bahnverkehr seien. Er forderte von Landes- und Kommunalpolitik noch in diesem Sommer eine klare und endgültige Zusage für den Bau des Brenner-Nordzulaufs. Das Projekt müsse nun endlich umgesetzt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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