Dax-Konzerne erzielen Rekordgewinne – und streichen dennoch Stellen
Deutschlands größte börsennotierte Unternehmen haben im zweiten Quartal so viel verdient wie noch nie in diesem Zeitraum. Gleichzeitig wurden jedoch tausende Arbeitsplätze abgebaut. Das geht aus einer Auswertung der Beratungsgesellschaft EY hervor.
Demnach steigerten die 40 Unternehmen im Dax ihren operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) im Vergleich zum Vorjahresquartal um knapp 16 Prozent. Das entspricht einem Plus von rund 7 Milliarden Euro auf insgesamt 52,6 Milliarden Euro. Laut EY ist das ein neuer Höchststand für ein zweites Quartal und liegt zudem etwa zehn Prozent über dem bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2024 – trotz des Kriegs mit Iran und des Zollkonflikts mit den USA.
Die höchsten operativen Gewinne meldeten im Quartal die Deutsche Telekom mit 6,9 Milliarden Euro, die Allianz mit 4,9 Milliarden Euro, Volkswagen mit 3,5 Milliarden Euro sowie Siemens mit 3,4 Milliarden Euro. Besonders stark legten die Gewinne bei Bayer und dem Immobilienkonzern Vonovia zu.
Wachstum vor allem in einzelnen Branchen
Auch beim Umsatz erreichten die Dax-Unternehmen einen neuen Bestwert. Zusammen kamen sie auf rund 463 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 4,6 Prozent beziehungsweise knapp 20,5 Milliarden Euro entspricht.
EY weist allerdings darauf hin, dass dieses Wachstum nur von wenigen Branchen getragen wird. Rückenwind erhielten vor allem Rüstungsunternehmen, Firmen mit Bezug zum KI-Boom sowie Chemiekonzerne, die wegen des Iran-Kriegs und Lieferproblemen in Asien höhere Preise durchsetzen konnten. Hinzu kommen Banken und Versicherer, die zuletzt ebenfalls außergewöhnlich hohe Gewinne erzielten.

Bei vielen klassischen Industrieunternehmen sei dagegen keine echte Erholung zu erkennen, heißt es in der Studie. Das gelte besonders für die Autoindustrie.
Autobauer mit schwächerem Geschäft
Die Autokonzerne mussten im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang von 1,2 Prozent hinnehmen. Noch deutlicher fiel das Minus beim operativen Gewinn aus: Hier ging es um 12 Prozent nach unten.
Am stärksten traf es BMW, wo der Betriebsgewinn um 39 Prozent einbrach. Bei Volkswagen und Daimler Truck lag das Minus jeweils bei 9 Prozent.
Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY, warnt daher vor einer zu positiven Deutung der Rekordzahlen. Wer nur auf die hohen Summen blicke, könne glauben, die Krise sei vorbei. Tatsächlich sei jedoch eher das Gegenteil der Fall. Die Nachfrage in Deutschland bleibe schwach, und das Umsatz- sowie Gewinnwachstum entstehe vor allem im Ausland. Zudem sei die Lage in großen Teilen der Industrie weiterhin anfällig.
Weniger Beschäftigte in den Dax-Unternehmen
Die schwierige Wirtschaftslage macht sich auch beim Personal bemerkbar. Zum Stichtag 30. Juni beschäftigten die Dax-Konzerne insgesamt rund 3,49 Millionen Menschen. Das sind 41.000 oder 1,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Von 37 Unternehmen, die Angaben zur Beschäftigung machten, bauten 21 Personal auf, während 16 Stellen abbauten. Besonders stark wirkte sich der Jobabbau in der Automobilbranche aus. Dagegen stellte etwa der Rüstungskonzern Rheinmetall deutlich mehr Mitarbeiter ein.
Jan Brorhilker, Managing Partner bei EY, geht davon aus, dass die Probleme der Autoindustrie noch nicht überwunden sind. In der Branche bestehe weiterhin erheblicher Bedarf an Umstrukturierungen – und damit sei auch mit weiter sinkender Beschäftigung zu rechnen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber