Wohnungsbrand in Berlin-Friedrichshain: Frau rettet sich aus dem 11. Stock in den Korb einer Drehleiter
Ein Brand in einem Hochhaus in Berlin-Friedrichshain hat am frühen Morgen für dramatische Szenen gesorgt, endete für viele Betroffene aber glimpflicher als zunächst befürchtet. Als die Feuerwehr eintraf, saß eine Bewohnerin bereits auf dem Fenstersims der betroffenen Wohnung im 11. Stock, während dichter schwarzer Rauch hinter ihr aufstieg, berichtete Feuerwehrsprecher Adrian Wenzel.
Da die Drehleiter nur bis etwa zum 9. Stock reichte, musste die Frau in den kleinen Korb der Leiter springen, der nur rund ein bis zwei Quadratmeter groß ist. Feuerwehrleute fingen sie dort auf. Die Rettung bezeichnete Wenzel als "auf Messers Schneide" – der Einsatz hätte nach seinen Worten auch in einer Katastrophe enden können.
Auf einem Video eines Anwohners ist zu sehen, wie Fassadenteile vom Gebäude herabstürzen. Außerdem zeigt die Aufnahme den Moment, in dem die Frau in den Korb springt. Nach der geglückten Rettung sind Jubelrufe und Applaus zu hören. Später ist im abgesenkten Korb eine Frau zu erkennen.
Das Feuer war gegen 6.27 Uhr auf dem Balkon einer Wohnung in der Straße der Pariser Kommune ausgebrochen, unweit des Berliner Ostbahnhofs. Nach Feuerwehrangaben griffen die Flammen rasch auf die Wohnung über. Das Hochhaus hat 21 Etagen.
Insgesamt wurden nach früheren Feuerwehrangaben in Friedrichshain 13 Menschen verletzt. Fünf von ihnen kamen zunächst mit Rettungswagen ins Krankenhaus. Nach aktualisierten Angaben der Innenverwaltung mussten nach den beiden Hochhausbränden in Friedrichshain und im Märkischen Viertel insgesamt sechs Menschen so schwer verletzt in Kliniken gebracht werden – darunter auch ein Feuerwehrmann.
Bis zum Vormittag betreute die Feuerwehr in Friedrichshain 113 Menschen. Dabei ging es sowohl um die medizinische Abklärung möglicher Verletzungen als auch um psychosoziale Unterstützung. Hilfsangebote wurden unter anderem vom Bezirksamt organisiert, das sich auch um Unterkünfte für Betroffene kümmerte, deren Wohnungen vorerst unbewohnbar sind.
Nach Angaben von Innensenatorin Iris Spranger mussten infolge beider Brände insgesamt 225 Menschen ihre Wohnungen verlassen und wurden von Einsatzkräften betreut. Einige Menschen seien in Friedrichshain unter sehr schwierigen Bedingungen gerettet worden.
Der Brand in Friedrichshain war im Laufe des Vormittags gelöscht, dennoch dauerten Nachlöscharbeiten an. Wenzel bezeichnete den Einsatz als äußerst belastend und außergewöhnlich. Auch Sprungpolster waren vorsorglich in Stellung gebracht worden.
Hinzu kam, dass sich der Rauch stark im Gebäude ausbreitete. Deshalb waren umfangreiche Kontrollen und Belüftungsmaßnahmen nötig. Hochhausbrände seien besonders schwierig, erklärte Wenzel, weil Ausrüstung in große Höhen gebracht und zahlreiche Menschen gleichzeitig in Sicherheit gebracht werden müssten.
Wegen des Einsatzes wurde die Straße der Pariser Kommune zwischen An der Ostbahn und Rüdersdorfer Straße in beide Richtungen gesperrt. Die Polizei forderte Autofahrer auf, den Bereich weiträumig zu meiden.
Zusätzlich war die Berliner Feuerwehr am Morgen noch durch einen weiteren größeren Einsatz gebunden: Im Märkischen Viertel hatte es im 4. Stock eines zehnstöckigen Wohnhauses gebrannt. Als die Feuerwehr dort eintraf, hatten sich die Flammen bereits auf die darüberliegende Etage ausgedehnt. Auch dort konnten die Einsatzkräfte das Feuer löschen.
Laut Spranger waren bei den beiden Großeinsätzen 280 Angehörige der Berliner Feuerwehr im Einsatz, unterstützt von ehrenamtlichen Kräften der Freiwilligen Feuerwehren. Die Senatorin dankte allen Beteiligten, die die Rettungsmaßnahmen schnell und entschlossen eingeleitet und umgesetzt hätten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber