Deutsche Post nutzt gelockerte Brieffristen nach eigenen Angaben nur teilweise
Der Briefversand in Deutschland dauert inzwischen etwas länger als früher. Nach Angaben von Post-Chef Tobias Meyer hat sich die durchschnittliche Laufzeit seit 2024 um rund 0,6 Tage erhöht. Den erweiterten gesetzlichen Spielraum schöpfe die Deutsche Post aber nicht aus: Obwohl die Zustellung nach neuer Rechtslage fast zwei Tage langsamer sein könnte, würden weiterhin mehr als 90 Prozent der eingeworfenen Briefe innerhalb von zwei Werktagen ankommen.
Neue Vorgaben seit 2025
Mit der Reform des Postgesetzes, deren zentrale Teile 2025 wirksam wurden, sank der zeitliche Druck auf das Unternehmen. Zuvor galt, dass 80 Prozent der an einem Tag eingeworfenen Briefe schon am nächsten Werktag beim Empfänger sein mussten. Diese sogenannte E+1-Vorgabe erfüllte die Post nach eigener Darstellung 2024 mit 84 Prozent.
Außerdem mussten früher 95 Prozent der Sendungen spätestens am zweiten Werktag zugestellt sein. Auch diesen Wert übertraf das Unternehmen 2024 nach eigenen Angaben mit 96 Prozent. Beide Fristen wurden zum Jahreswechsel 2025 abgeschafft, weil die Geschwindigkeit klassischer Briefpost im digitalen Alltag als weniger entscheidend gilt.
Heute lauten die Maßstäbe anders: 95 Prozent der Briefe müssen bis zum dritten Werktag eintreffen, 99 Prozent bis zum vierten. Laut Deutscher Post wurden diese Werte im vergangenen Jahr erreicht: 97,4 Prozent kamen bis E+3 an, 99,0 Prozent bis E+4.
Vier-Tage-Frist bleibt anspruchsvoll
Vor allem die E+4-Vorgabe bezeichnet Meyer als anspruchsvoll. Ein kleiner Teil der Briefe trage falsche Adressen und müsse deshalb zunächst geprüft werden, damit Fehlzustellungen vermieden werden. Solche Sendungen kämen zwangsläufig später an, ohne dass dies der Post anzulasten sei.

Dazu kämen weitere Sonderfälle, etwa unbeschriftete Briefkästen oder schwer zugängliche Gebäude. Zusammen könne das schnell etwa ein Prozent der Sendungen betreffen. Deshalb bleibe für echte Fehler bei der Quote von 99 Prozent kaum Spielraum.
Erschwerend wirkten zudem äußere Umstände wie lange Umleitungen wegen gesperrter Brücken oder extreme Wetterlagen. Wenn Straßen bei starkem Wintereinbruch glatt und nicht geräumt seien, könne das die Zustellung über mehrere Tage behindern. Meyer betont, die Deutsche Post halte sich dabei an Arbeitszeit- und Sicherheitsregeln und verlagere solche Probleme nicht auf Subunternehmer.
Neues Zustellsystem mit "starken" und "schwachen" Tagen
Im Zuge der Gesetzesänderung hat die Post auch ihre Zustellorganisation angepasst. Sie arbeitet nun mit einer sogenannten A-B-Steuerung. Dabei werden Briefe stärker gebündelt, sodass Haushalte an bestimmten Tagen mehr Post bekommen und an anderen Tagen gar keine.
Je nach Straße gibt es im Wochenverlauf "Starktage" und "Schwachtage". Während Briefe früher eher an aufeinanderfolgenden Tagen verteilt wurden, werden sie heute teils zurückgehalten und gesammelt an einem stärkeren Zustelltag ausgeliefert. Das kann dazu führen, dass der Briefkasten an einzelnen Tagen leer bleibt.
Einige Sendungen kommen weiter täglich
Ausnahmen gibt es weiterhin. Montags werden grundsätzlich alle vorhandenen Briefe zugestellt. Allerdings fällt die Menge an diesem Tag meist geringer aus, weil am Wochenende kaum Geschäftspost oder Werbung eingeliefert wird.
Unabhängig vom neuen System werden Einschreiben, Zeitungen, Pakete, eilige Geschäftspost und Sendungen an Postfächer weiterhin täglich ausgeliefert. Auch an einem "Schwachtag" kann also Post ankommen — nur eben deutlich weniger als an einem "Starktag".
Post-Betriebschef Marc Hitschfeld räumt ein, dass dieses System bei manchen Menschen für Verwirrung sorgen könnte. Wenn ein Zusteller an einem Haus vorbeifahre, ohne dort etwas einzuwerfen, sei das nicht automatisch ein Versäumnis, sondern häufig Teil der Planung.
Weniger Wege, geringere Kosten
Für die Deutsche Post bringt das neue Modell Zeitersparnis und damit auch niedrigere Kosten. Musste ein Zusteller früher womöglich täglich wegen nur eines einzelnen Briefs zu einem Haus gehen, wird die Zustellung heute häufiger auf zwei oder drei Tage gebündelt. Dann werden mehrere Sendungen auf einmal zugestellt.
Nach Darstellung des Unternehmens schwankt die Briefmenge im Briefkasten dadurch stärker als früher. Neben dem generellen Rückgang der Briefmengen durch die Digitalisierung sei auch das neue Zustellsystem dafür verantwortlich. Aus Sicht der Post hilft es dabei, die Kosten des Universaldienstes zu begrenzen, das Porto auf einem vertretbaren Niveau zu halten und dennoch eine hohe Zustellqualität sicherzustellen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber