Nagel sieht Spielraum für weiteres Wachstum und hält zusätzliche Zinsschritte für möglich
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel rechnet mit Chancen auf eine länger anhaltende Belebung der deutschen Wirtschaft. Zugleich machte er deutlich, dass im Kampf gegen die Inflation ein weiterer Schritt der Europäischen Zentralbank nicht ausgeschlossen sei. Am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in Bangkok sagte Nagel, der EZB-Rat werde alles Erforderliche unternehmen, damit die Teuerung mittelfristig wieder auf das Ziel von zwei Prozent sinke. Nach den jüngsten zwei Zinserhöhungen könne bei unveränderter Lage auch eine weitere Anhebung nötig werden.
Mit Blick auf die derzeit unsicheren und schwankungsanfälligen Märkte sprach sich Nagel erneut für den datengestützten Kurs der EZB aus. Der Ansatz, von Sitzung zu Sitzung zu entscheiden, sei unter den aktuellen Bedingungen angemessen. Für Deutschland deuten Prognosen darauf hin, dass 2026 bereits das sechste Jahr in Folge mit einer Inflationsrate oberhalb von zwei Prozent sein könnte. Da auch in anderen großen Euro-Ländern wie Frankreich und Spanien die Preise weiter steigen, gehen Fachleute davon aus, dass die EZB ihre Leitzinsen in diesem Jahr noch ein drittes Mal erhöhen könnte. Im September lag die Inflationsrate im Euroraum bei 3,8 Prozent.
Zugleich verwies Nagel auf die zuletzt verbesserte Einschätzung des IWF zur deutschen Konjunktur. Der Fonds hat seine Wachstumsprognose für 2026 auf 1,3 Prozent angehoben. Die Entwicklung als bloß kurzfristigen Effekt abzutun, hält Nagel für falsch. Nach ersten Impulsen in diesem Jahr könne sich der Aufschwung auch 2027 und womöglich darüber hinaus fortsetzen. Sollten zudem die Reformvorhaben der Bundesregierung greifen und zusätzliche Schubkraft durch Künstliche Intelligenz entstehen, könne daraus neue Dynamik erwachsen. Nach Nagels Einschätzung bieten die aktuellen Zahlen durchaus weiteres Potenzial nach oben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber