BP entlässt Verwaltungsratschef Albert Manifold mit sofortiger Wirkung
Der britische Energiekonzern BP hat seinen Verwaltungsratsvorsitzenden Albert Manifold umgehend abberufen. Als Grund nannte das Unternehmen am Mittag „schwerwiegende Bedenken“ im Hinblick auf seine Führungsstandards, die Wahrnehmung seiner Aufsichtspflichten sowie sein Verhalten. Der Vorstand habe einstimmig entschieden, dass Manifold weder Vorsitzender noch weiterhin Mitglied des Verwaltungsrats bleiben solle.
Nähere Angaben zu den Hintergründen machte BP zunächst nicht. Vorübergehend übernimmt Ian Tyler den Vorsitz. Zugleich kündigte der Konzern an, die Suche nach einer dauerhaften Nachfolge einzuleiten.
An der Börse reagierten Anleger deutlich negativ auf die Nachricht. Die BP-Aktie sackte zeitweise um mehr als neun Prozent auf 500 Pence ab. Am Nachmittag lag das Minus noch bei 4,6 Prozent, womit das Papier weiterhin zu den schwächsten Werten im britischen Leitindex FTSE 100 zählte.
Vorgeworfenes Verhalten gilt als nicht hinnehmbar
Die unabhängige Verwaltungsrätin Amanda Blanc erklärte, Manifold habe einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, der Neuausrichtung von BP die nötige Aufmerksamkeit und Dynamik zu geben. Die Vorwürfe rund um Mängel in der Unternehmensführung und Probleme beim Verhalten hätten den Verwaltungsrat jedoch überrascht und enttäuscht. Das Gremium halte diese Punkte für inakzeptabel.
Erst Ende April hatte BP starke Ergebnisse für das erste Quartal vorgelegt, begünstigt durch höhere Ölpreise. Der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn belief sich auf rund 3,2 Milliarden US-Dollar, umgerechnet etwa 2,7 Milliarden Euro. Damit lag er bei mehr als dem Doppelten des Vorjahreswerts von knapp 1,4 Milliarden Dollar. Laut BP konnten unter anderem höhere Fördermengen im Golf von Mexiko Belastungen aus Störungen im Nahen Osten im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg ausgleichen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion