Wirtschaft

DIHK kappt Konjunkturprognose drastisch

Deutschlands Wirtschaft wankt: Laut DIHK bleibt nur Mini-Wachstum – der Iran-Krieg zerstört die letzte Hoffnung auf Erholung.

26.05.2026, 09:54 Uhr

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) blickt deutlich skeptischer auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Für das laufende Jahr rechnet sie nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,3 Prozent. Zuvor war sie noch von 1,0 Prozent ausgegangen.

DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov sprach von einer doppelten Belastung für die deutsche Wirtschaft. Neben den bereits bestehenden strukturellen Problemen kämen nun auch die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs im Nahen Osten hinzu. Nach drei Jahren mit Rezession und Stillstand seien viele Unternehmen inzwischen an ihrer Grenze angekommen.

Die DIHK ist mit ihrer Einschätzung noch vorsichtiger als die Bundesregierung. Diese hatte ihre Prognose erst vor wenigen Wochen nach unten korrigiert und erwartet nun für dieses Jahr ein Wachstum von 0,5 Prozent. Auch der Sachverständigenrat dürfte seine bisherige Erwartung zurücknehmen. Im vergangenen November waren die sogenannten Wirtschaftsweisen noch von 0,9 Prozent Wachstum ausgegangen.

Stimmung in den Betrieben verschlechtert sich

Nach Angaben der DIHK hat sich das Geschäftsklima im Frühsommer in vielen Branchen spürbar eingetrübt. In einer aktuellen Umfrage bewerteten Unternehmen ihre Lage so schlecht wie zuletzt während der Corona-Krise. Mehr als ein Viertel der Betriebe bezeichnete die eigene Situation als schlecht, nur 23 Prozent als gut.

Auch der Blick nach vorn fällt zunehmend pessimistisch aus: Rund ein Drittel der Firmen rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit schlechter laufenden Geschäften. Das sind acht Prozentpunkte mehr als noch zu Jahresbeginn.

Energie- und Rohstoffkosten belasten besonders stark

Als größtes Risiko nennen 70 Prozent der Unternehmen die Preise für Energie und Rohstoffe. Laut Melnikov sind die zuletzt stark gestiegenen Kosten für viele Betriebe der entscheidende Belastungsfaktor. Seit Beginn des Kriegs hätten nicht nur Öl, Gas und Kraftstoffe deutlich angezogen, sondern auch Baustoffe und Kunststoffe. Der Druck durch hohe Kosten sei inzwischen in fast allen Wirtschaftszweigen zu spüren.

Weniger Investitionen, mehr Stellenabbau geplant

Die schlechte Stimmung wirkt sich auch auf Investitionen aus. Lediglich 22 Prozent der Unternehmen wollen ihre Investitionsbudgets erhöhen. Mehr als ein Drittel sieht sich dagegen gezwungen, Ausgaben zu kürzen.

Auch beim Personal sind die Aussichten trüb: Knapp ein Viertel der befragten Unternehmen plant, Stellen abzubauen. Die DIHK fordert deshalb von der Bundesregierung rasche Entlastungen. Aus Sicht des Verbands müssten vor allem Energie- und Arbeitskosten sowie Steuern sinken. Zudem sollten Bürokratie und Berichtspflichten reduziert werden. Die Ampel-Koalition hat angekündigt, bis zur Sommerpause ein umfassendes Reformpaket auf den Weg zu bringen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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