BMW startet mit Gewinnminus ins Jahr
BMW hat im ersten Quartal unter dem noch amtierenden Vorstandschef Oliver Zipse erneut weniger verdient. Von Januar bis März erzielte der Münchner Autobauer einen Gewinn von knapp 1,67 Milliarden Euro. Das sind nach Unternehmensangaben rund 23 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Der Vergleich mit dem ersten Quartal 2024 ist allerdings nur bedingt aussagekräftig. Damals wirkten sich die von US-Präsident Donald Trump eingeführten Zölle noch nicht aus. Allein von Januar bis März belasteten sie BMW mit rund 300 Millionen Euro. Der Konzern geht davon aus, dass diese Kosten auch im laufenden Geschäftsjahr spürbar bleiben werden – wenn auch voraussichtlich etwas geringer als im Gesamtjahr 2025.
Zipse sieht Spielraum im Zollstreit
Die jüngsten Drohungen Trumps mit höheren Autozöllen bewertet Zipse vor allem als Druckmittel gegenüber der EU. Aus seiner Sicht geht es dabei auch darum, den im vergangenen Jahr vereinbarten Zolldeal umzusetzen. Dafür zeigte er Verständnis und äußerte sich zuversichtlich, dass es bald zu einer Lösung kommen könne.
Zugleich hofft der scheidende BMW-Chef auf weitere Erleichterungen. Konkret setzt er darauf, dass Fahrzeuge, die ein Hersteller aus den USA exportiert, bei den Zöllen auf Importe angerechnet werden könnten. Davon würde BMW wegen seines großen Werks im US-amerikanischen Spartanburg besonders profitieren.
Umsatz und Absatz rückläufig
Auch beim Umsatz musste der Konzern Einbußen hinnehmen. Die Erlöse sanken um 8,1 Prozent auf 31 Milliarden Euro. Gründe waren unter anderem Wechselkurseffekte sowie ein geringerer Absatz. Weltweit lieferte BMW 565.780 Fahrzeuge aus, das waren 3,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Vor allem die anhaltende Schwäche auf dem chinesischen Markt belastete das Geschäft. Die guten Verkäufe in Europa konnten das nicht vollständig ausgleichen. Positiv bewertet BMW allerdings die derzeit sehr starke Bestelltätigkeit in Europa.
Rekord bei Auftragseingängen in Europa
Zipse verwies auf einen Rekord bei den Bestellungen: In den ersten drei Monaten des Jahres habe BMW in Europa so viele Auftragseingänge verzeichnet wie noch nie. Gleichzeitig bekräftigte er, dass der Konzern mit der Einführung der „Neuen Klasse“ den richtigen Kurs eingeschlagen habe. BMW sehe sich insgesamt gut aufgestellt, um auch unter schwierigen Bedingungen langfristig erfolgreich zu bleiben.
Trotzdem will das Unternehmen weiter auf die Kosten achten, ohne ein großes Sparprogramm anzukündigen. Finanzvorstand Walter Mertl erklärte, BMW prüfe im wirtschaftlich anspruchsvollen Umfeld konsequent seine Ausgaben. Mit verschiedenen Maßnahmen im Unternehmen solle die Kostenbasis dauerhaft verbessert werden.
Führungswechsel bei BMW
Für Zipse sind die jetzt vorgelegten Quartalszahlen die letzten als Konzernchef. Seine Amtszeit endet mit der Hauptversammlung am 13. Mai. Einen Tag später übernimmt der designierte Nachfolger Milan Nedeljkovic die Führung des Unternehmens. Nedeljkovic ist bislang Produktionsvorstand – dieselbe Funktion, die auch Zipse vor seinem Wechsel an die Konzernspitze innehatte.
Nedeljkovic übernimmt BMW in einer schwierigen Phase für die gesamte Branche, allerdings mit vergleichsweise robuster Ausgangslage. Zipse selbst spricht von einer „antifragilen Strategie“.
Anspruchsvolle Jahre unter Zipse
Zipses Amtszeit war von zahlreichen Krisen geprägt: Corona-Pandemie, Halbleitermangel, Krieg in der Ukraine, Preisdruck in China und zusätzliche US-Zölle. Zugleich fielen in diese Jahre aber auch der höchste Gewinn der Unternehmensgeschichte sowie die Entwicklung der „Neuen Klasse“ als wichtiges Zukunftsprojekt für die Elektromobilität.
Zwar konnte sich BMW dem Gegenwind in der Autoindustrie zuletzt nicht entziehen, im direkten Vergleich mit den deutschen Wettbewerbern steht der Konzern derzeit aber solide da. Wie schon im Gesamtjahr 2025 erzielten die Münchner auch im ersten Quartal einen höheren Gewinn als Mercedes-Benz und Volkswagen. Mercedes kam von Januar bis März auf 1,43 Milliarden Euro, Volkswagen auf 1,56 Milliarden Euro.
Zipse blickt zum Abschied nach vorn
Zum Ende seiner Amtszeit wurde Zipse auch grundsätzlich. Eine Zukunft allein auf Basis von überzogenem Optimismus für einzelne Technologien sieht er nicht. Entscheidend für den Erfolg eines Autoherstellers seien aus seiner Sicht drei andere Punkte: eine hohe Langzeitqualität, eine überzeugende Systemintegration des gesamten Fahrzeugs und die Fähigkeit, angekündigte Modelle und Projekte auch tatsächlich zuverlässig auf die Straße zu bringen.
Zipse zeigte sich deshalb überzeugt, dass BMW auch in den kommenden Jahren gute Chancen auf eine starke Entwicklung hat.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion