Alison dos Santos und Masai Russell haben beim Diamond-League-Meeting in Zürich binnen nur 40 Minuten gleich zwei Weltrekorde aufgestellt und damit für einen außergewöhnlichen Leichtathletik-Abend gesorgt.
Der 26 Jahre alte Brasilianer dos Santos lief die 400 Meter Hürden in 45,80 Sekunden und unterbot damit die bisherige Weltrekordzeit von Karsten Warholm um 14 Hundertstel. Die alte Bestmarke hatte der Norweger bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 aufgestellt.
In Zürich musste sich Warholm diesmal mit 46,69 Sekunden und Rang zwei zufriedengeben – und verlor zugleich seinen Weltrekord. Im Letzigrund-Stadion setzte sich dos Santos von Beginn an deutlich ab und zog sein hohes Tempo bis ins Ziel durch. Dabei verbesserte der Weltmeister von 2022 auch seine persönliche Bestleistung um fast eine halbe Sekunde. Anschließend feierte er seinen Rekordlauf mit einer Brasilien-Flagge.
Dos Santos: „Mir fehlen die Worte“
Nach dem Rennen zeigte sich der Brasilianer überwältigt. Die Zuschauer und die Atmosphäre seien perfekt gewesen, sagte dos Santos. Dieser Abend sei fantastisch für ihn und für alle gewesen, die ins Stadion gekommen seien – er habe es für alle getan. Außerdem erklärte er: „Das war ein unglaublicher Abend, mir fehlen die Worte, um zu beschreiben, was gerade passiert ist.“
Auch Warholm zollte Respekt und sagte über seinen Rivalen: „Er war brillant.“
Nur rund 40 Minuten nach dem Coup von dos Santos fiel in Zürich der nächste Weltrekord: Die Amerikanerin Masai Russell gewann die 100 Meter Hürden in 12,09 Sekunden und war damit drei Hundertstel schneller als die bisherige Bestmarke von Tobi Amusan aus dem Jahr 2022. Die Nigerianerin wurde in 12,23 Sekunden Zweite.
Russell sprach anschließend von einem besonderen Moment. Sie habe von diesem Augenblick geträumt, sagte die Amerikanerin. Die Stimmung im Stadion sei außergewöhnlich gewesen – für sie hätte es keinen besseren Ort geben können, um den Weltrekord zu brechen.
Zudem verriet Russell, dass sie vom Weltrekordlauf von dos Santos mitbekommen habe. Sie habe zwar versucht, fokussiert zu bleiben, aber gewusst, dass die Bahn „heiß“ sei. Der Lauf des Brasilianers habe ihr zusätzliche Motivation gegeben.
Sowohl dos Santos als auch Russell erhielten für ihre Weltrekorde eine Sonderprämie von 80.000 US-Dollar, umgerechnet rund 68.700 Euro.
Krause Sechste vor Meyer und Gürth
Auch aus deutscher Sicht gab es mehrere beachtliche Resultate: Über 3.000 Meter Hindernis belegte Europameisterin Gesa Krause in 9:12,27 Minuten Rang sechs. Lea Meyer wurde in 9:13,50 Minuten Siebte, Olivia Gürth lief in 9:15,07 Minuten persönliche Bestzeit und kam auf Platz acht. Es siegte die Kenianerin Faith Cherotich in 8:55,82 Minuten.
Über 1.500 Meter wurde der deutsche Rekordhalter Robert Farken in 3:32,63 Minuten Achter. Den Sieg holte sich der Amerikaner Cole Hocker in 3:31,71 Minuten.
Ebenfalls Platz acht belegte Thomas Röhler im Speerwurf mit 79,86 Metern. Den Sieg sicherte sich Rumesh Tharanga Pathirage aus Sri Lanka mit 92,07 Metern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber