Oliver Baumann sprach zwar ruhig, seine Enttäuschung war jedoch deutlich zu spüren. Vor allem die Art und Weise, wie er kurz vor der Weltmeisterschaft im Sommer ausgebremst wurde, beschäftigt den Torhüter der TSG Hoffenheim bis heute. Im Gespräch mit Nitro sagte der 36-Jährige, diese Entwicklung habe ihn sehr getroffen.
Wen genau Baumann neben dem damaligen Bundestrainer Julian Nagelsmann kritisierte, ließ er offen. Rund um die WM-Rückkehr von Manuel Neuer sollen sich intern offenbar auch mehrere Bayern-Profis für den Routinier starkgemacht haben.
Die Zeit von Nagelsmann beim DFB ist inzwischen vorbei – und damit wohl auch Baumanns Phase im Nationalteam. Alle seine 13 Länderspiele absolvierte er unter seinem früheren Hoffenheim-Coach. Unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp gehört Baumann nun vorerst nicht mehr zum Aufgebot: Für die vier anstehenden Nations-League-Spiele nominierte Klopp am Donnerstag fünf andere Torhüter.
Neuer kehrte für die WM zurück
Klopp begründete seine Entscheidung mit einer klaren Hierarchie. Als erfahrene Nummer eins setzt er auf Marc-André ter Stegen, dahinter sollen jüngere Keeper aufgebaut werden. Baumann ist damit außen vor – nachdem er bereits im Mai seinen Platz für den damals zurückgekehrten Manuel Neuer räumen musste.
Neuer hatte zwei Jahre nach seinem Rücktritt noch einmal für die WM zugesagt. Beim Turnier blieb er jedoch ohne große Glanzmomente, und nach dem enttäuschenden Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay beendete er seine Nationalmannschaftslaufbahn erneut.

Für Baumann war das besonders bitter. In der Qualifikation hatte er noch das deutsche Tor gehütet und dabei überzeugt. Bei der Endrunde aber blieb ihm selbst im letzten, sportlich bedeutungslosen Gruppenspiel gegen Ecuador nur ein Platz auf der Bank.
Klopp setzt auf andere Namen
Auch diese Reservistenrolle gibt es für Baumann derzeit nicht mehr. Hinter ter Stegen berief Klopp diesmal Alexander Nübel, Finn Dahmen, Noah Atubolu und Jonas Urbig. Baumann reagierte enttäuscht, zeigte aber Verständnis für den offenen Umgang des Bundestrainers. Klopp habe ihn schon vor etwa einer Woche über die Entscheidung informiert.
Baumann erklärte, er müsse die Entscheidung akzeptieren, auch wenn sie ihm natürlich nicht gefalle. Der DFB gehe nun einen anderen Weg, den er respektieren müsse. Zu seiner gedrückten Stimmung passte auch die 0:2-Niederlage Hoffenheims in der Europa League bei OFI Kreta.
Kein Rücktritt aus dem Nationalteam
Trotz der erneuten Enttäuschung denkt Baumann nicht an einen Abschied aus der Nationalmannschaft. Er sehe die aktuelle Entwicklung als Teil eines Umbruchs, fühle sich körperlich aber weiterhin in Topform. Wenn er gebraucht werde, sei er da – wenn nicht, müsse er das hinnehmen, sagte er später dem Kicker.
Klopp zeigte Verständnis für Baumanns Lage und räumte ein, dass die Ereignisse des Sommers für den Hoffenheimer nicht leicht gewesen seien. Schon vor der WM hatte auch Nagelsmann Baumanns Rolle gewürdigt und ihn als wertvollen Teamspieler sowie starken Torhüter bezeichnet. Damals hatte Baumann seine Reservistenrolle ohne öffentliche Klagen angenommen – umso deutlicher fiel nun seine Kritik aus.
Die DFB-Perspektive wird kleiner
Mit Blick auf die EM 2028 wäre Baumann bereits 38 Jahre alt. Ter Stegen startet unter Klopp als klare erste Option, dahinter drängen bereits mehrere jüngere Keeper nach. Vieles spricht daher dafür, dass Baumanns Zukunft eher im Alltag mit der TSG Hoffenheim liegt – etwa in Spielen wie auf Kreta oder am kommenden Sonntag beim SC Paderborn – und weniger auf der großen Bühne der Nationalmannschaft.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber